Haftstrafe im Steuer-Prozess: Hoeneß hat sich „selbst ans Messer geliefert“

Haftstrafe im Steuer-Prozess
Hoeneß hat sich „selbst ans Messer geliefert“

Dass Uli Hoeneß völlig unvorbereitet in eine Selbstanzeige stolperte, wurde ihm zum Verhängnis. Wenn die Revision nicht fruchtet, muss er für viele Monate ins Gefängnis – und zwar nicht sofort als Freigänger.
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MünchenEr flüchtete in die Tiefgarage. Fußballmanager Ulrich Hoeneß verließ den Gerichtssaal sofort nach der Urteilsbegründung, seine Frau eilte ihm nach. Vor die wartenden Journalisten trat nur sein Anwalt Hanns Feigen, um zu verkünden, dass man das Urteil anfechten werde. Der Erste Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) werde dann klären, wie mit solchen „nicht idealen Selbstanzeigen“ umzugehen sei.

Zur Reaktion von Hoeneß auf die Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft bemerkte Feigen: „Begeistert war er gerade nicht“. Wie soll er es auch sein? Denn wenn der Bundesgerichtshof das Urteil nicht noch kippt, muss Hoeneß ins Gefängnis. Die Strafe ist nicht zur Bewährung ausgesetzt. Nur die Aussetzung der Untersuchungshaft auf Kaution schützt im Moment noch seine Freiheit.

Nach der Hälfte der zu tatsächlich zu verbüßenden Haftzeit kann Hoeneß zwar einen Freigängerstatus beantragen. Doch selbst wenn man alle Rabatte einbezieht, wird Hoeneß vermutlich ein knappes Jahr absitzen müssen.

Begeistert kann auch Feigen selbst nicht sein, denn er ist mit seiner Argumentation einer „knappen Verfehlung der Selbstanzeige“ baden gegangen. Richter Rupert Heindl führte in seiner Urteilsbegründung aus, die Selbstanzeige erfülle die Voraussetzungen nicht. Sie sei nicht missglückt, sondern erkennbar unwirksam. Sie habe auf der Grundlage der vorliegenden Zahlen gar nicht wirksam erstellt werden können.

Insofern sei Hoeneß nicht Opfer seiner Berater, sondern das Risiko bewusst selbst eingegangen, indem er keine Unterlagen vorbereitet habe: „Sie haben auf Zeit gespielt“, sagte Heindl. „Der Ball ist in Ihrem Feld“.

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Kein schwerer Fall der Steuerhinterziehung

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  • Heini1946
    Hoeness hat aus nachweislich geliehenen 5 Mio. in der Spitze 150 Mio. gemacht und dann alles wieder verloren. Übrig geblieben ist nur die Steuerschuld. Er hätte bei der Gewinnrealisierung sofort eine Steuerrückstellung bilden müssen, und mit diesem Geld nicht zocken dürfen.

    Eine genaue Überprüfung könnte ergeben, dass für einige Beträge die Strafverjährung eingetreten ist, teilweise womöglch die Festsetzungsverjährung.

    Hätte er die Nerven behalten, hätte er gar nichts zahlen müssen, denn der Richter merkte an, dass es sehr schwer geworden wäre ohne Hilfe die genauen Zahlen zu ermitteln.

    Also kein BlaBla, man hätte mit dem Geld auch keine Kindergärten finanzieren können, weil keins mehr da ist. Nehmen Sie einfach 10000 USD und wenn Sie ein gutes Händchen haben und während der Banken-/Ukrainekrise die richtigen Entscheidungen fällen, dann müssten 250.000 Endvermögen in diesem Jahr kein Problem darstellen. Bei einem Hebel von 100 können sie mit 10.000 USD eine Million USD bewegen. Nach 6 bis 7 Verdoppelungen sind sie am Ziel.

  • Man hat auffällig schnell geurteilt. Wenn ich Richter gewesen wäre, hätte ich mit einem Urteil gewartet bis die Steuerbehörde einen abschließenden Betrag stichfest ermittelt hätte. Wie man sieht, ist das Strafmaß ja auch abhängig von der hinterzogenen Steuern. Die unter-schiedlichen Beträge wurden ja herumgereicht und mit 27 Mio muss auch längst nicht Schluss sein. Es könnte aber auch am Ende deutlich weniger herauskommen, was sich ja zu Gunsten des Angeklagten auswirken könnte. Der Beklagte hat sich auch nicht dazu erklären müssen, woher er die Mittel zu seinen Spekulationen hatte. Jeder der ein Haus bar bezahlt, kriegt aber von seinem FA solche Fragen gestellt. In der Liga geht es um das große Geld
    und zwar in allen Ebenen. Die weltweiten Wetten können sogar das Volumen des Kerngeschäfts toppen. Auch hier wurde massiv manipuliert. Handgelder für die Spieler,
    alles sauber versteuert? Wer es glaubt, wird selig. Eine vollumfängliche Aufklärung könnte noch deutlich mehr Staub aufwirbeln. Am Ende käme eine illustre Gesellschaft in den Strafvollzug und Millionen Fans würden sehen das die ganze Fußballgeschichte an ihrer Zahlungswilligkeit gegen die Langweile aufgehängt ist. Der Fußball wird aber genauso wenig untergehen wie die KK nach ihren Verfehlungen. Das hat einen einfachen Grund:
    Die Dummen sterben nicht aus. Fußball beschäftigt viele Menschen und einige können dabei richtig absahnen.Dieses Geschäft ist wichtiger als letzte Gerechtigkeit in diesem Verfahren. Das wusste auch der Richter und man hat ihm das ganz sicher auch zu verstehen gegeben.
    Hoeneß wurde ans Kreuz genagelt und hat mit seinem Schweigen die Sünden dieser Branche auf sich genommen. Der Ball ist rund und immer interessanter als Euro, EU,
    ESM usw. Damit ist er staatstragend, obwohl nicht im Grundgesetz erwähnt. Wo kämen wir hin, wenn die Leute sich um ihre Interessen kümmern würden und danach erst dem Sport. Unmöglich, der Sport hätte da ja gar keinen Platz mehr.

  • gerade auf Sport 1 gelesen...

    Ex-Fußballer für neun Jahre in Haft

    Die ehemaligen Profifußballer Jesus Emilio Diez de Mier und Predrag Stankovic sind wegen Drogenschmuggels zu jeweils neun Jahren Haft verurteilt worden.

    Das berichten mehrere spanischen Medien am Donnerstag.

    Demnach sah es der Nationale Gerichtshof in Madrid als erwiesen an, dass de Mier und Stankovic gemeinsam mit zwei Spielervermittlern 950 Kilo Kokain im Wert von 32 Millionen Euro nach Spanien schmuggeln wollten.

    Soviel zum Thema Deutsche Justiz und Verhältnismäßigkeit... 3,5 Jahre für 30 Mio. oder 9 Jahre für SChmuggel von ner Tonne Koks die Tausende von Leben zerstört im Wert von 30 Mio.

    Und das die Politiker "hochzufrieden" mit dem Urteil sind ist die absolut größte Frechheit...dieses verlogene Pack gehört dann grds. lebenslang in den Knast.

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