Haiti
Ein Toter bei Protesten gegen Cholera-Krisenmanagement

Das krisengeschüttelte Haiti kommt nicht zur Ruhe. Bei teilweise gewaltsamen Protesten mehrerer Tausend Demonstranten ist im Norden Haitis ein Mensch ums Leben gekommen, mehrere weitere wurden verletzt. Der Zorn der Haitianer richtet sich gegen das Krisenmanagement der Behörden und neuerdings gegen Uno-Soldaten.
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HB PORT-AU-PRINCE. Wie die Uno-Mission Minustah am Montagabend (Ortszeit) in Port-au-Prince mitteilte, erschoss ein Uno-Soldat einen der Demonstranten in Notwehr. Unterdessen teilte das Gesundheitsministerium in Port-au-Prince am Abend (Ortszeit) mit, dass die Zahl der Cholera-Toten auf 1000 gestiegen sei. 15 000 Menschen sollen infiziert worden sein.

Nach lokalen Medienberichten demonstrierten die aufgebrachten Bewohner der zweitgrößten Stadt Haitis, Cap Haïtien, gegen die Erfolglosigkeit der Regierung im Kampf gegen die Cholera. Der Protest richtete sich aber auch gegen die Uno-Soldaten, die von den Demonstranten für den Ausbruch der Cholera verantwortlich gemacht wurden. Laut einer Untersuchung sind die Erreger der Cholera in Haiti mit Stämmen aus Südasien identisch. Dieses Ergebnis lenkte den Verdacht auf nepalesische Uno-Soldaten.

Wie die Regierung am Montag weiter mitteilte, hat sich die Cholera vom zentralen Department Artibonite vor allem nach Norden in in die Cap-Region ausgebreitet. Allerdings hieß es, der Höhepunkt mit über 66 Toten pro Tag sei in der vergangenen Woche überschritten worden. Am Montag seien 46 Tote registriert worden.

Die Helfer in Haiti rechnen mit einem weiteren Anstieg der Cholera-Fälle in dem bitterarmen Land. Der Nothilfekoordinator der Welthungerhilfe in Port-au-Prince, Friderico Motka, sprach zugleich von der Hoffnung, dass Aufklärung über die Ursachen der Epidemie und die gezielte Abgabe von Hilfsmitteln den Anstieg der Opferzahl abbremsen könne. Die Situation sei natürlich sehr angespannt. "Aber die Menschen wissen jetzt, was Cholera ist. Im Gegensatz zur Situation vor rund einem Monat sind sie jetzt aufgeklärt", sagte Motka.

Die Demonstranten in Cap Haitien und in Hinche forderten gleichzeitig den Abzug der Uno-Blauhelme, die seit 2004 die Lage in dem ärmsten Land Amerikas stabilisieren sollen. Uno-Soldaten und haitianische Polizei gingen gegen die Demonstranten vor, die eine Polizeistation angezündet hatten, und beendeten die Proteste.

Die Art der Demonstrationen lasse darauf schließen, dass diese in Zeiten des Wahlkampfs politisch motiviert seien, hieß es in der Uno-Erklärung weiter. Die Minustah forderte die Haitianer auf, sich nicht manipulieren zu lassen und so die Demokratie zu gefährden.

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