Hamams
Im ewigen Ritual des Wassers

Hamams, ursprünglich in Anatolien beheimatete Bäder, sind auch hier zu Lande beliebt geworden. Aber auch für eher laizistische Türken und Araber ist das Bad mehr als nur ein Platz zum Reinigen der Haut, sondern ein kontemplativer Ort und – je nachdem – ein Ort des Gesprächs.

BERLIN. Dass zum puren Luxus oft die einfachsten Medien reichen, ist in einem Hamam von überall zu hören. Wasser ist hier die Quintessenz des Einfachen wie des Unerschöpflichen, des Verschwenderischen wie des Wertvollen.

Heißes und kaltes Wasser ergießt sich auf vielfältigste Weise aus dicken Kränen und tropft über dicke, warme Marmorplatten, auf denen die Badegäste hingestreckt ruhen und ihre Nervenbündel träge verfließen lassen.

Ab und an schöpft einer oder eine aus einer ziselierten Messingschale („Tas“) frisches Nass nach, lässt es mal bedächtig, mal nachlässig oder systematisch wie zu einem Waschritual über den Körper spritzen, schwappen, rinnen. Die Schultern, noch einmal die Schultern. Arme und Hände. Das Haar. Bauch, Beine, Füße. Und wieder von vorn – zurück zum Ritual des Fließens.

Erstaunlich, welche Varianten von Klang und Geräusch Wasser bereitet, wenn es auf den Körper trifft – vielleicht auch auf Geist und Seele. Wenn es einen Ort gibt, wo sich Verstand und Sinne zu einem trägen Einverständnis verabreden, dann hier im wässrigen Luxus des Hamams.

Nur leise Stimmen, wenn überhaupt, fallen in das ewige Plätschern, Schwallen und Platschen des Wassers ein. Die meisten sind allein mit sich und ihrer Schläfrigkeit.

Zwei, drei Männer haben sich auf einer steinernen Bank gruppiert, die um den Ruheraum gebaut ist, immer wieder ergänzt durch Möglichkeiten, frisches Wasser nachzufüllen. Heiß oder kalt. Sie lehnen sich, in ihrer beiläufigen Kommunikation fast ermüdet, an die Wärme der Wand und lassen Zeit und Raum ein schlappes Paar sein. Manchmal reckt sich einer auf, rutscht in die Latschen und schlappt hinüber in den dichtwarmen Nebel des türkischen Dampfbades oder in eine der Kabinen, wo die Hamam-Meister mit ihren kratzigen Handschuhen warten, ihren Seifen und Tinkturen, vor allem aber mit dem unerschöpflichen Wasser, mit dem sie ihre Gäste mal traktieren (kalt) und mal benetzen (warm).

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