Hamburger Hafen
Markenfälscher klotzten, statt zu kleckern

Dass gefälschte Markenware gleich containerweise über den Hamburger Hafen nach Europa geschleust werden soll, sind die Fahnder vom Zoll gewohnt. Was sich in Deutschlands wichtigstem Hafen allerdings in den vergangenen Wochen in gleich 117 Containern fand, verblüffte selbst hartgesottene Ermittler.

HB HAMBURG. Dabei handelte es sich um Schuhe von „Puma“ und „adidas“ oder Luxusuhren von „Rolex“ bis „Chopard“. „Das ist der wohl weltweit größte Aufgriff von Plagiaten“, sagte am Dienstag der Präsident der Oberfinanzdirektion Hamburg, Horst Kallenbach. Der Gesamtwert der Originalprodukte belaufe sich auf 383 Mill. Euro. Weitere verdächtige Container mit Waren im Wert von 20 Mill. Euro würden noch überprüft. „Das ist noch nicht das Ende, wir arbeiten weiter“, betonte Kallenbach.

Im laufenden Jahr wurden im Hamburger Hafen bereits zuvor gefälschte Waren im Gesamtwert von 107 Mill. Euro sichergestellt. Die Gesamtfunde in der Hansestadt erreichen damit nun bereits mehr als das Doppelte der im Jahr 2005 bundesweit entdeckten Plagiate im Wert von 213 Mill. Euro (2004: 46 Millionen).

Für den Markenverband in Wiesbaden war der Rekordfund erfreulich, aber nur die Spitze des Eisbergs. „Ich fürchte, da ist noch viel mehr unterwegs“, sagte Geschäftsführer Christopher Scholz. Die beschlagnahmte Rekordmenge sei zwar ein großer Erfolg für den Hamburger Zoll, zeige aber auch die große Professionalität der Fälscher. „Diese Mengen müssen sich nicht hinter den Original-Produktionszahlen verstecken“, sagte Scholz. „Die Globalisierung funktioniert auch für böse Menschen.“

Den Rekord-Fälschungen kam der Zoll Anfang September bei der Suche nach geschmuggelten Zigaretten auf die Spur, erläuterte die Leiterin des Zollfahndungsamtes Hamburg, Sabine Heise. Beim Durchleuchten erster verdächtiger Container wurden allerdings keine illegalen Glimmstängel entdeckt. „Hinter zwei Reihen Billigschuhen lagen die gefälschten Markenartikel“, sagte Heise. Insgesamt wurden seitdem in 115 Containern Sportschuh-Plagiate gefunden, die meisten von „Nike“, aber auch „Puma“ und „Adidas“. In anderen Containern lagen nachgemachte Markenuhren von „Rolex“ bis „Chopard“, unterschiedliche Textilien und Spielzeug. Dabei reichte das Spektrum von „Disney“-Babyartikeln bis zu kopierten Softairwaffen mit verbotenem Zielfernrohr.

Die Produkte wurden in verschiedenen asiatischen Häfen eingeschifft und sollten über Hamburg an Scheinadressen in Österreich, Ungarn und Italien geliefert werden. Laut Heise ist offen, ob es sich um eine Bande oder verschiedene handelt. Bisher gebe es keine Festnahmen und keine Anhaltspunkte für Verdächtige in Deutschland. Die Ermittlungen in verschiedenen Ländern würden fortgesetzt.

Alle Plagiate werden vernichtet. Wegen der großen Menge sind gleich drei Hamburger Firmen damit beschäftigt. Ein Teil der geschredderten Turnschuhe soll zu Bodenplatten auf Sportplätzen verarbeitet werden. Der Rest der zerstörten Plagiate wird in Spezialöfen verbrannt.

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