Hansa Stavanger
Piraten führten Schein-Hinrichtungen durch

Die somalischen Piraten haben Besatzungsmitglieder der "Hansa Stavanger" offenkundig mit Scheinhinrichtungen terrorisiert. Das berichten die geretteten Seeleute.

HB NAIROBI/LONDON/BERLIN. Der 27-jährige Frederik E. aus Brake, 2. Offizier auf dem Schiff, habe seinem Vater berichtet, dass sich Besatzungs-Mitglieder mit verbundenen Augen hinknien mussten und anschließend Gewehrsalven über ihre Köpfe hinweg abgefeuert wurden, berichtete die "Deutsche Schifffahrts-Zeitung" online. Das deutsche Containerschiff mit seinen 24 Crewmitgliedern, darunter fünf Deutsche, wird am Donnerstagabend oder Freitag in der kenianischen Hafenstadt Mombasa erwartet. An Bord ist auch ein Marinearzt. Laut Bundeswehr wird das Schiff von der Fregatte "Brandenburg" begleitet.

Nach viermonatigem Martyrium an Bord der "Hansa Stavanger" hatten die Piraten das Schiff am Montagabend verlassen. Zuvor hatten sie nach eigenen Angaben umgerechnet 2,1 Millionen Euro Lösegeld vom Eigentümer, der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg, erhalten. Nach Kritik des Verbands deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere sowie der Ehefrau des Kapitäns rechtfertigte jetzt die Reederei die monatelangen Verhandlungen mit den Geiselnehmern. Reederei-Geschäftsführer Frank Leonhardt sagte "Spiegel Online", dass es unter den "skrupellosen Kriminellen" keine zuverlässigen Gesprächspartner gegeben habe. "Viele Aussagen der Gegenseite waren wenige Stunden später schon nichts mehr wert", sagte er.

Die vier Monate in der Gewalt der Piraten seien eine "schier unerträglich lange Zeit" für die Besatzungsmitglieder und deren Angehörige gewesen. "Keiner von uns vermag sich vorzustellen, welche unzumutbare seelische Belastung das gewesen ist", sagte Leonhardt. Piraten hatten die "Hansa Stavanger" am 4. April rund 650 Kilometer von der somalischen Küste entfernt in ihre Gewalt gebracht. Bei den fünf Deutschen an Bord handelt es sich um zwei Auszubildende, einen Offizier und den Kapitän.

Zeitweise war die Lage an Bord höchst dramatisch. "Wir haben kein Wasser, kein Essen, keine Medikamente", berichtete der Kapitän nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" bereits Ende Juli. "Wir können nicht mehr", schrieb er in einer E-Mail.

Ein Sprecher der EU-Operation Atalanta sagte am Dienstag, es bestehe zwar keine akute Gefahr für Leib und Leben, die psychische Belastung habe jedoch Spuren hinterlassen. Den Besatzungsmitgliedern des deutschen Containerschiffs gehe es den Umständen entsprechend gut.

Nachdem die Seeräuber das Schiff am Montagabend verlassen hatten, habe der Frachter zunächst Kurs auf die in der Nähe wartende Fregatte "Rheinland-Pfalz" genommen, teilte der Kapitän der "Hansa Stavanger" mit. "Seit 20.45 Uhr befand sich neben der Fregatte "Rheinland-Pfalz" auch die Fregatte "Brandenburg" vor Ort", heißt es auf der Webseite der Bundeswehr am Dienstag weiter. Unmittelbar nach Abzug der Piraten hätten die Kriegsschiffe Soldaten auf den Frachter geschickt, die medizinische Versorgung anboten und Lebensmittel brachten. "Alle Besatzungsmitglieder wurden untersucht und sind wohlauf. Es gibt keine Verletzten und keine medizinische Notlage."

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