Happy End nach drei Wochen
Cap Anamur: Flüchtlinge dürfen an Land

Das Drama um das deutsche Flüchtlingsschiff „Cap Anamur“ vor der sizilianischen Küste ist nach drei Wochen zu Ende gegangen. Die 37 sudanesischen Flüchtlinge an Bord durften in Sizilien an Land gehen, nachdem das Schiff die Erlaubnis erhalten hatte, im Hafen von Porto Empedocle anzulegen.

HB ROM/BERLIN. Die illegalen Einwanderer, die in Deutschland Asyl erhalten wollen, wurden in ein Aufnahmelager bei Agrigent gebracht. Ihre Zukunft ist jedoch weiter unklar. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums haben sie so gut wie keine Aussichten, in Deutschland Asyl zu erhalten.

„Cap Anamur“-Chef Elias Bierdel sagte der dpa in Köln: „Der heutige Tag ist einer, an dem wir uns alle freuen, dies erreicht zu haben.“ Bierdel und Schiffskapitän Stefan Schmidt wurden von der italienischen Polizei vernommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA stehen sie im Verdacht, mit der Rettung der Sudanesen die illegale Einwanderung nach Italien unterstützt zu haben.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zeigte sich erleichtert. Es sei das Wichtigste, dass die Flüchtlinge nach drei Wochen auf dem Schiff endlich an Land könnten, sagte ein Sprecher in Genf. Die Männer sollen aus der sudanesischen Krisenregion Darfur kommen. Dies sei jedoch nach wie vor nicht gesichert. „Sie müssen befragt werden, woher sie kommen, was sie vorhatten und was genau vorgefallen ist“, sagte der Sprecher. Dann erst könne auch die Frage beantwortet werden, welcher Staat für sie verantwortlich sei.

Der Kapitän des Schiffes hatte gesagt, man habe die Männer von einem Schlauchboot vor der italienischen Insel Lampedusa gerettet. Die Regierung in Rom erklärte hingegen, sie seien in der Nähe von Malta aufgenommen worden. Dort müssten sie auch von Bord, begründete Rom ihre Weigerung zur Aufnahme der Flüchtlinge. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums in Berlin vom Montag sind etwaige bereits an Bord des Schiffes gestellte Asylanträge ohne jede rechtliche Wirkung. „Ein Asylantrag in Deutschland setzt voraus, dass man das deutsche Hoheitsgebiet erreicht hat“, sagte Ministeriumssprecher Rainer Lingenthal. Nach der Rechtslage sei das Land für einen Antrag zuständig, das zuerst erreicht werde. Dass die „Cap Anamur“ ein deutsches Schiff sei, habe dabei keine Bedeutung. Das Territorialprinzip gelte für das deutsche Festland, nicht für „irgendein deutsches Schiff, das irgendwo in der Welt fährt“.

Nach Ansicht der Grünen muss das Problem der Flüchtlinge in italienischen Gewässern auf europäischer Ebene gelöst werden. Italien dürfe mit diesem Problem nicht allein gelassen werden, sagte die Grünen-Vorsitzende Angelika Beer in Berlin. Beer hatte zuvor gefordert, notfalls müsse Deutschland den sudanesischen Flüchtlingen Asyl gewähren. Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth (Grüne), plädierte indirekt für eine Aufnahme der Sudanesen in Deutschland. In Süditalien treffen jedes Jahr treffen Tausende von illegalen Einwanderern von Nordafrika kommend ein. In der Nacht zum Montag kamen erneut 120 Flüchtlinge, darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder, im Hafen Pozzallo bei Ragusa rund 150 Kilometer südöstlich von Porto Empedocle an.

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