Haste Töne?
Wenn Manager das Singen lernen

Mit Engelszungen loben sie den Herrn. Schöne Klänge aus 60 Kehlen - der Wohllaut dehnt sich im Raum aus. Doch irgendwas stört. Die Soprane sind nicht bei der Sache. Kantor Schulz schüttelt den Kopf: „Müsst ihr immer reinquatschen?“ Noch mal das „Kyrie eleison“. Herr, erbarme dich. Stopp. Jetzt sind die Tenöre unkonzentriert. Und der Bass? Brummt der nicht zu laut?

Der Chor der Friedenauer Kantorei in Berlin übt Mozarts große Messe in C-Moll ein. Immer donnerstags im Gemeindehaus „Zum Guten Hirten“. „Singen ist eine besondere Form des Sagens“, erklärt uns das Lexikon. 1,4 Millionen Menschen nehmen dies in Deutschland wörtlich. Sie singen, jubilieren, jauchzen in 45 000 Chören.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit, sind diese Chöre in den vergangenen Jahren gewachsen. Auch weil es viele neue Alternativen gibt. Hausfrauen, die Gospels singen, Landratten, die Shantys einüben, Mittdreißiger, die Rap-Musik ausprobieren. Von traditionell bis progressiv ist alles dabei. Der Deutsche Sängerbund richtet nun Liedgärten in Kindertagesstätten ein, damit die Kleinen früh das Trällern lernen.

Auch Manager und ihre Berater sind dabei, zum Beispiel Reinhard K. Sprenger. Der hat sogar sein Studium mit Auftritten finanziert. In den 80ern war er mit seiner Band „Okay“ als Vorgruppe von Tina Turner unterwegs. 2004 hat er die CD „Eigensinn“ rausgebracht. „Gemeinsam mit anderen in Schwingung zu kommen“ ist das Wichtigste für ihn: „Es gibt wenige Situationen, die so mit Glück aufgeladen sind.“ Doch da so viel Glück mit Neid beäugt wird, singt und spielt auch der selbstbewusste Sprenger im Anschluss an seine Vorträge vor Managern nur selten: „Das Publikum verzeiht keine zwei Talente.“

Für die Frauen und Männer im beschaulichen Berliner Stadtteil Friedenau ist der agile Kantor Jörg Peter-Schulz nicht nur Chorleiter. Er motiviert, kritisiert und bringt das schwierige Werk voran. Note für Note. Blatt für Blatt. Manchmal wie ein Löwenbändiger, manchmal wie ein Conférencier. „Jeder Ton ist eine kleine Eiche“, ist sein Credo. Schon Shakespeare wusste: „Einem Mann, der keine Freude am Singen hat, kann man nicht trauen. Der ist zu allem fähig.“ Demnach müsste der Datenschutzbeauftragte des Landes Brandenburg ein besonders vertrauenswürdiger Mann sein.

Alexander Dix ist seit 1997 Mitglied im Friedenauer Chor: „Selbst nach einem anstrengenden Tag entspannt mich das noch“, sagt er mit tiefer Bassstimme. „Es ist eine ganz andere Art von Anstrengung. Sonst sitze ich ja die ganze Zeit am Schreibtisch.“ Es ist harte Arbeit, mit einem Chor eine Messe einzustudieren. Doch die Chormitglieder schwelgen und behaupten: Der Auftritt mache alles wett.

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