Hauptlesezeit beginnt
Guter Wein bei geringer Ernte

Hohe Mostgewichte, aber weniger Saft - so sehen die deutschen Winzer den Zustand ihrer Trauben kurz vor Beginn der Hauptlesezeit. Das bedeutet für den daraus gekelterten Wein eine absehbar gute bis hervorragende Qualität - aber bei geringerer Erntemenge, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei einigen Weinbauverbänden der insgesamt 13 deutschen Anbaugebiete ergab.

HB/dpa HAMBURG/MAINZ. Die hohe Sonneneinstrahlung und Trockenheit gilt als Ursache für beides - den letzten Schliff soll den Trauben der nun einsetzende Regen bringen. Der Deutsche Weinbauverband erwartet eine Erntemenge von rund neun Millionen Hektolitern in dieser Saison.

Im größten deutschen Weinbaugebiet Rheinhessen (24 000 Hektar) reifen die Trauben noch - bis auf wenige frühe für den Federweißen geerntete Sorten. „Wir müssen die optimale physiologische Reife mitnehmen: die Niederschläge bringen ein neues Verhältnis von Fruchtsäure und Aromen - Abwarten lohnt“, sagte der Sprecher des Winzerverbandes RheinhessenWein, Bernd Kern. 2002 lag die Erntemenge bei 2,7 Millionen Hektoliter in Rheinhessen, bei einem Ertrag von 108 Hektolitern je Hektar. „Wir hatten beim Dornfelder bei der jüngsten Messung schon 71 Grad Oechsle“, sagte Kern.

Auch die württembergischen Weinbauern erwarten unisono einen hervorragenden Wein-Jahrgang. „Die Trockenheit wird zwar die Menge beeinträchtigen, die hohe Sonneneinstrahlung beschert uns aber Spitzen-Qualität“, sagte der Präsident des Weinbauverbandes Württemberg, Hermann Hohl. Schon jetzt sei sicher, dass die Lese PrädikatsWeine ergeben werde. Wegen der hohen Trockenheit falle die Menge vermutlich um 20 bis 25 Prozent geringer aus als normal. Mit finanziellen Verlusten rechnet er dennoch nicht, da für den hochwertigen Wein dieses Jahres mehr verlangt werden könne.

„Die Voraussetzung für eine Topqualität ist gegeben“, bestätigte Präsident Gerhard Hurst vom Badischen Weinbauverband in Freiburg. Die Trauben seien gut gereift, an den Stöcken der roten Rebsorten habe die Färbung gut eingesetzt. „Der 2003er könnte Spitzenjahrgänge wie 1947, 48, 59, 73, 76, 83, 85, 90 oder 93 erreichen oder übertreffen“, urteilte Hurst. Er zieht Vergleiche mit dem Jahrgang 1959: „Damals hat es von Mitte Juni bis in den September nicht geregnet.“

„Der 2003er gehört auf jeden Fall in ein gut sortiertes Weinregal“, bestätigt Weinfachberater Stefan Kraus vom Bezirk Unterfranken. Obwohl Franken traditionell als WeißWeingebiet unter anderem wegen der bekannten Bocksbeutel-Flaschen und der guten Silvaner gerühmt ist, setzen auch die fränkischen Winzer zunehmend auf RotWein. Auf den rund 6000 Hektar Anbaufläche haben die roten Trauben nach Auskunft des Bezirks Unterfranken mittlerweile einen Anteil von etwa 13 Prozent erreicht.

Mehr Qualität bei weniger Menge erwarten die Winzer auch in der Pfalz, dem zweitgrößten deutschen Weinanbaugebiet. „Die Beeren sind nicht so voll - auf Grund der Trockenheit“, sagt der Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes in der Vorder- und Südpfalz, Dirk Gerling. Nach seiner Einschätzung wird die Ernte um etwa zehn Prozent unter dem Vorjahresergebnis von 2,4 Millionen Hektolitern liegen.

Das älteste deutsche Weinanbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer muss wegen der vielen Hanglagen stellenweise Ertragseinbußen von 40 bis 50 Prozent hinnehmen. Besonders im weltweit größten Gebiet für Riesling- Steillagen seien viele Trauben und Blätter von der Sonne regelrecht verbrannt. Weinbau-Präsident Adolf Schmitt bedauert, dass bei der notwendigen Handlese vor allem in den Riesling-Steillagen der Wein trotz seiner absehbar exzellenten Qualität nicht „seinen verdienten Preis“ erzielen werde. „Die Herstellungskosten liegen in den Steillagen mit trockenen Schieferböden für FassWeine bei 1,50 Euro, verkauft wird er aber für im Schnitt 70 Cent je Liter.“

Die Winzer im sächsische Elbtal - mit 421 Hektar das kleinste deutsche Weinanbaugebiet - rechnen mit etwa einem Viertel weniger Ertrag als 2002. Die Ernteaussichten sind laut Weinbauverband Sachsen je nach Lage unterschiedlich: Bei RotWein würden Spitzenqualitäten erwartet, die frühen WeißWein-Sorten wie Goldriesling und Müller- Thurgau würden aber wegen der Trockenheit nicht extrem herausragend. „Bei den späten Sorten wie Traminer, Riesling und Scheurebe sind wir noch optimistisch“, sagte Weinbauberater Claus Höhne.

Der Rheingauer Weinbauverband in Hessen erwartet unterdessen einen durchweg guten Jahrgang mit gutem Preis-Leistungsverhältnis. Bereits Ende August sei mit der Lese eines rekordverdächtigen Frühburgunders begonnen worden. Der Wein hatte nach Angaben der StaatsWeingüter Kloster Eberbach bereits ein Mostgewicht von 100 Grad Oechsle. Üblich sind zum Lesestart Mostgewichte von 80 Grad.

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