Heiligabend
Bischöfe fordern Frieden und Solidarität

Der Stress ist endlich vorbei, die Weihnachtsfeiertage sind da. In der wiedererrichteten Dresdner Frauenkirche sind am Heiligabend die ersten Christvespern seit 1944 gefeiert worden. Auch in Bethlehem ist es das erste Mal seit Beginn des Palästinenseraufstands vor gut sechs Jahren, dass Pilger und Touristen wieder so zahlreich kommen. Für Josef Ratzinger ist es das erste Weihnachtsfest als Papst.

HB DRESDEN/BETHLEHEM/ROM. Zum Weihnachtsfest haben die deutschen Bischöfe zu mehr sozialer Gerechtigkeit im eigenen Land und zum Frieden in der Welt aufgerufen. Mehrere Kirchenführer warnten am Samstag auch vor der Kälte des Kapitalismus. „Jeder Einzelne ist gefordert, nach seinen jeweiligen Möglichkeiten zum Gemeinwohl und dadurch auch zum Wohl der anderen beizutragen“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Die Schere zwischen Reicheren und Ärmeren in Deutschland habe sich weiter geöffnet. „Damit verbunden sind auch ein stärkerer Egoismus und eine gewisse Rücksichtslosigkeit dem Anderen gegenüber.“

Landesbischof Jochen Bohl erinnerte in der Dresdner Frauenkirche an den von Menschen in aller Welt geförderten Wiederaufbau des 1945 zerstörten Gebäudes und rief zu Frieden und Versöhnung auf. Der Tag der Geburt des Gotteskindes mahne alle Völker, nicht auf Machtmittel zu setzen, sondern der Kraft der Versöhnung zu vertrauen.

Beim ersten Weihnachtsfest in der wieder aufgebauten Frauenkirche wies Bohl auf die Sorgen unter den Millionen Arbeitslosen hin und rief dazu auf, am Festtag des Friedens nicht die Schwachen zu vergessen. „Wir haben in unserem Land allzu viele von einer guten Entwicklung der Gesellschaft ausgeschlossen.“ In diesen Weihnachtstagen fürchteten sich Tausende vor dem drohenden Verlust ihres Arbeitsplatzes und hörten zugleich von großen Gewinnen, zu denen ihre Arbeitskraft beigetragen habe. „Wir machen es den Jungen viel zu schwer, ihren Platz zu finden im Leben der Gesellschaft und drängen die Älteren unsinnig früh an den Rand.“ Der Bischof mahnte, „wir gehen in die Irre, wenn wir meinen, es könne eine gute Zukunft geben ohne Kinder.“

Mehrere norddeutsche Kirchenführer sowie der Kasseler evangelische Bischof Martin Hein mahnten mehr Achtung für Kinder an. „Kinder brauchen Zuwendung“, sagte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen in seiner Weihnachtspredigt am Heiligabend. „In diesem Jahr haben wir in Hamburg schmerzlich erlebt, dass Hilfe und Zuwendung fehlten. Für Jessica, aber auch für andere Kinder.“ Die hannoversche evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann forderte in ihrer Predigt eine stärkere Förderung der Familien. „Ein Land ohne Kinder verliert Kreativität und Zukunftshoffnung, Lebenslust und Spontaneität.“

Der pommersche evangelische Bischof Hans-Jürgen Abromeit sagte in Greifswald, ohne Frieden in den Familien und zwischen den Generationen gebe es kein zufriedenes Leben. Mit Blick auf Gewalt und Krieg in der Welt mahnte er: „Frieden auf Erden erscheint wie der kleinste gemeinsame Nenner, auf den wir uns alle einigen können.“ Im Heiligen Land habe es zwar kleine Fortschritte auf dem Weg zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern gegeben, aber die Besetzung des Westjordanlandes und der Bau der Mauer um Bethlehem und andere Städte gehe weiter. Auch in Afghanistan, im Irak oder im Kosovo mangele es an Frieden.

Der Mainzer Kardinal Lehmann bezeichnete die verstärkte Suche der Menschen nach Spiritualität im Deutschlandradio Kultur als neue Chance auch für die christlichen Kirchen. Der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky hob in seiner Weihnachtspredigt die Bedeutung des Glaubens in schwierigen Zeiten hervor.

Nach Einschätzung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, dagegen fürchten viele Ostdeutsche den Kontakt zu Kirchen, weil sie nicht als Opportunisten angesehen werden wollen. „Den Menschen ist die Zugehörigkeit zur Kirche regelrecht ausgetrieben worden in der Zeit der DDR, zum Teil auch schon vorher“, sagte Huber der in Potsdam erscheinenden „Märkischen Allgemeinen“.

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