Heimatministerium Er ist wieder da: der Begriff „Heimat“

Das Bundesinnenministerium soll um die Zuständigkeit für „Heimat“ erweitert werden. Warum hat ein Wort, das für viele Leute altbacken klingt, zurzeit wieder Konjunktur?
3 Kommentare
„In Bayern war der Begriff „Heimat“ schon immer wichtig, seit die Wittelsbacher dort zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Stämmen und Gruppen ein bayerisches Wir-sind-Wir-Gefühl formten, das immer wieder mit Festen und Ritualen beschworen wird.“ Quelle: dpa
Das bayerische Heimatministerium in Nürnberg

„In Bayern war der Begriff „Heimat“ schon immer wichtig, seit die Wittelsbacher dort zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Stämmen und Gruppen ein bayerisches Wir-sind-Wir-Gefühl formten, das immer wieder mit Festen und Ritualen beschworen wird.“

(Foto: dpa)

Berlin/ZirndorfDeutschland soll mit der neuen großen Koalition ein neues beziehungsweise ergänztes Ministerium bekommen: Der Bundesinnenminister soll dann auch für „Heimat“ zuständig sein. Manche denken bei dem Wort nur an Heimatfilm, heile Welt, Kitsch, 50er Jahre – der Spott in sozialen Netzwerken folgte prompt. Vom „Kniefall vor Rechtspopulisten“ schrieben einige. Andere denken bei Heimat aber vor allem an Familie, Freundschaft, Kindheit, an Omas Apfelkuchen oder das Bier in der Stammkneipe.

Laut „Duden“ ist Heimat „ein Land, Landesteil oder Ort“, in dem man geboren und aufgewachsen ist oder sich zu Hause fühlt. Es sei ein gefühlsbetonter „Ausdruck enger Verbundenheit“ gegenüber einer Gegend. Das Wort wirkte lange verpönt - außer beim Filmemacher Edgar Reitz und der Familien-Saga „Heimat“. Zurzeit erlebt es ein Comeback.

Zwei Bundesländer haben bereits Ministerien mit der Bezeichnung Heimat: in Bayern ist es seit 2014 unter Markus Söder beim Finanzministerium angebunden, in Nordrhein-Westfalen unter Ina Scharrenbach wird das Wort seit 2017 sogar als erstes im Titel geführt: „Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung“.
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier griff das Trendwort am Tag der Deutschen Einheit auf. „Ich bin überzeugt, wer sich nach Heimat sehnt, der ist nicht von gestern“, sagte er. „Im Gegenteil: Je schneller die Welt sich um uns dreht, desto größer wird die Sehnsucht nach Heimat.“ Das dürfe man nicht den Nationalisten und dem rechten Rand überlassen. Heimat sei ein Ort des „Wir“, ein Ort, der verbinde.

„Dieser Vertrag ist noch scheußlicher als erwartet“
Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall
1 von 28

Dieser Vertrag ist noch scheußlicher als erwartet“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander, am Mittwoch in Berlin. „Die Leistungsträger werden enttäuscht und der Sozialstaat explosionsartig ausgeweitet.“ Unruhig werde man, wenn man an die mittel- und langfristigen Folgen denke. „Das ist ein trauriger Tag für dieses Land.“

Dieter Kempf, Präsident des BDI
2 von 28

„In der Gesamtschau ist die deutsche Industrie mit dem Koalitionsvertrag unzufrieden“, erklärte BDI-Präsident Dieter Kempf über den Koalitionsvertrag. Kempf kritisiert unter anderem eine „klare Schieflage in Richtung Umverteilung anstatt in Zukunftssicherung“. Auch die Vereinbarungen zur Steuerpolitik, bei Förderung von Forschung und Entwicklung und der Digitalisierung seien nicht ausreichend.

Eric Schweitzer, Präsident des DIHK
3 von 28

Der DIHK freut sich nach eigenem Bekunden zwar über einige Investitionen. Die Wirtschaft sei aber zugleich „besorgt über teure Zukunftslasten, die insbesondere die Unternehmen treffen“, sagt Eric Schweitzer, Präsident des DIHK.

Armin Laschet
4 von 28

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD ist aus Sicht von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Gewinn für sein Bundesland. Einen „unrealistisch voreiligen und planlosen Ausstieg“ aus der Energieerzeugung mit Kohle werde es nicht geben, teilte Laschet am Mittwoch mit. Ein neuer Fonds werde den Strukturwandel in den Braunkohleregionen begleiten. Dies sei ein wichtiges Signal an das Rheinische Revier.

Auch mit Blick auf die Sorge um einen Atomunfall in den belgischen Pannen-Reaktoren Tihange und Doel sei ein gutes Ergebnis für Nordrhein-Westfalen erreicht worden. „Wir setzen uns auf europäischer Ebene für umfassende Sicherheitsüberprüfungen, verbindliche Sicherheitsstandards und ein System wechselseitiger Kontrolle ein.“

Ingo Kramer, BDA-Präsident
5 von 28

Der Arbeitgeberpräsident bezeichnete die Ergebnisse des Koalitionsvertrags in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik als „weitgehend enttäuschend“. Vieles bleibe wirtschaftlich unvernünftig und bedeute weniger Flexibilität für die Unternehmen, dafür aber ein Mehr an Belastung und Regulierung. „Der Vertrag ist geprägt von rückwärtsgewandter Umverteilung und unverantwortlicher Belastung der jungen Generation, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen für die Zukunft abzusichern.“ Im Vergleich zum Sondierungsergebnis bedeute der Koalitionsvertrag eine „dramatische Verschlechterung“ aus Sicht der Wirtschaft. „Es hätte natürlich schlimmer kommen können. Aber es hätte nachhaltig sehr viel besser sein müssen.

Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken
6 von 28

Der Privatbankenverband zeigte sich zufrieden. „Trotz einiger Schwächen, etwa in der Steuerpolitik, ist dieser Koalitionsvertrag eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Regierungsarbeit“, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Hans-Walter Peters. Bemerkenswert sei, „dass die Politik der Attraktivität des Finanzplatzes Deutschland wieder mehr Aufmerksamkeit schenken wird“. Die Überprüfung der Bankenregulierung auf Widersprüche und unbeabsichtigte Nebenfolgen sei wichtig.

Dietmar Bartsch
7 von 28

Fraktionschef Dietmar Bartsch warf Union und SPD einen durchweg schwachen Koalitionsvertrag vor. „Die Wahlverlierer präsentieren sich heute wie die großen Gewinner mit einem Vertrag des kleinsten gemeinsamen Nenners“, sagte Bartsch. Es fehle eine gerechte Besteuerung und Umverteilung. „Das Personalgeschacher überlagert dazu die Inhalte.“

Linke oder sich als links verstehende Leute tun sich oft schwer mit dem Wort: Katrin Göring-Eckardt von den Grünen etwa löste nach der Bundestagswahl eine Art parteiinternen Mini-Shitstorm aus, weil sie sagte „Wir lieben dieses Land. Es ist unsere Heimat. Diese Heimat spaltet man nicht“ und die Pressestelle das auch noch per Twitter betonte. Göring-Eckardt reagierte mit einem Gastbeitrag in der „taz“: Gegen die „rechte Heimatschutzpropaganda“ gelte es, „unbeirrt für ein offenes Verständnis von Heimat zu kämpfen“. Was die Parteilinke aber kaum beruhigte.

Auf dem Grünen-Parteitag Ende Januar wollte ein Ortsverband gar eine Heimat-Debatte anzetteln und das vermeintlich reaktionäre Wort (es ging um die bayerische Heimat mit Blick auf die Landtagswahl) aus dem Leitantrag des Vorstands werfen lassen. Dazu kam es nicht – weil nämlich die unumstritten linke Claudia Roth aus Bayern ein paar Worte mit den Antragstellern wechselte.

Dass Heimat wieder an Bedeutung gewinnt, hängt nach Ansicht der CSU-Politikerin Marlene Mortler - Drogenbeauftragte der Bundesregierung - auch mit der hohen Zahl der Zuwanderer zusammen: „Unter anderem führt die weltweite Flüchtlingsproblematik dazu, dass der Begriff „Heimat“ in der letzten Zeit eine Renaissance erlebt“, sagte sie am Dienstag vor rund 300 Landfrauen.

„Wir sehen, was andere aufgeben müssen und haben gleichzeitig Sorge, ein Stück unserer Heimat zu verlieren“, meinte sie beim Landfrauentag in Zirndorf, der das Motto „Heimat“ trug. Die Menschen seien in Sorge, dass regionale Besonderheiten und kulturelle Vielfalt zugunsten verloren gingen. Kulturwissenschaftler sehen ganz grundsätzlich eine Suche nach Halt angesichts der Globalisierung, aber auch des Wandels der Geschlechterrollen oder des Generationenverhältnisses. Ein Gefühl des Kontrollverlusts führe zu einer Sehnsucht nach Identität.

Den Publizisten Christian Schüle wundert keineswegs, dass die CSU mit Horst Seehofer nun das Heimatministerium in den Koalitionsvertrag gebracht hat. „In Bayern war der Begriff „Heimat“ schon immer wichtig, seit die Wittelsbacher dort zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Stämmen und Gruppen ein bayerisches Wir-sind-Wir-Gefühl formten, das immer wieder mit Festen und Ritualen beschworen wird.“ Schüle, der aus Baden-Württemberg vom 20936470.Bodensee stammt, meint beobachtet zu haben: „Und wer das Wort Heimat nicht mag, der mag ja meistens auch Bayern nicht - und umgekehrt.“

Schüle hat 2017 das Buch „Heimat - Ein Phantomschmerz“ veröffentlicht und lehrt an der Berliner Universität der Künste im Fachbereich Kulturwissenschaft. Seine These: „Über Heimat spricht man dann, wenn sie einem verloren geht. Und ich glaube, dass es in den vergangenen Jahren einige Heimatverluste gegeben hat.“ Die klare Bipolarität von Ost und West, Kommunismus und Kapitalismus sei weg, durch die Computerisierung und die Globalisierung verschwinde ein bisschen die deutsche Sprache durch immer mehr Englisch. „Und in den ländlichen Räumen, egal ob in Baden-Württemberg oder Mecklenburg-Vorpommern, gingen Gasthäuser verloren, Buslinien wurden eingestellt, Clubhäuser, Vereinsräume: Dann entsteht so das Gefühl, selber weniger wert zu sein.“ Etwa auch, wenn immer öfter Postämter, Bankfilialen oder Bars und Stammkneipen geschlossen werden.

Mit der Aufnahme der Flüchtlinge seien dann gefühlt auf einen Schlag viele Menschen gekommen, die aus Kulturkreisen stammten, die aus Sicht der Kritiker mit dem unsrigen nichts zu tun haben, sagt Schüle. „Und dann fangen die Leute an zu sagen, das sei ungerecht, hier geht mir die Heimat verloren und die Politik tut nichts.“ Das seien oft sozialpolitische Ängste, die weniger mit dem Hass auf andere Menschen als vielmehr mit dem Gefühl des Verlusts des Eigenen zu tun hätten.

Er sieht den Begriff Heimat so angesagt, weil in Deutschland Wörter wie Vaterland, Nation und Volk belastet seien aus der Nazi-Zeit. „Um all das zu umgehen, aber trotzdem einen Begriff zu haben, der auf das gleiche Gefühl der Geborgenheit und Zugehörigkeit zielt, wird Heimat genommen.“ Der ganze Trend habe auch mit der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu tun, zumindest sei mit der Fußball-WM ein gewisser Normalisierungsprozess in Sachen Nation damals verstärkt worden, auch wenn es nationalkonservative Sehnsüchte bis in die bürgerliche Mitte eigentlich immer gegeben habe. Jahrzehntelang seien sie aber nicht politisch repräsentiert worden. Jetzt werde sich darum vielleicht umso mehr gekümmert.

Und was sagt Horst Seehofer zu seinem neuen Job als Bundesinnenminister, ergänzt um die Bereiche Bauen und Heimat: „Wenn Sie das Netz anschauen, dann meint man jetzt wieder, es geht um Lederhosen und Dirndl“, sagte er am Donnerstag vor einer CSU-Vorstandssitzung in München. „Das auch - um die Kultur. Aber es geht natürlich um die gleichwertigen Lebensbedingungen in allen Regionen Deutschlands. Es geht um die richtige Dorfentwicklung, die Städteentwicklung, verbunden mit dem Wohnungsbau.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

3 Kommentare zu "Heimatministerium: Er ist wieder da: der Begriff „Heimat“ "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nürnberg...

  • Was denn nun? Haben die ewig Gestrigen plötzlich in der CDU wieder ihre Heimat entdeckt? Oder haben die zurückgebliebenen Gestrigen noch immer nicht erkannt, dass sich mit den Imitieren der AfD die Aussichten bei Wahlen nicht verbessern?

    Glaubwürdig wäre es gewesen, den Posten mit einem AfD-Abgeordneten oder Mitglied zu besetzen. Aber soweit geht die Flucht nach vorn denn nun doch nicht.

  • Die System-Presse hat ein Wort wieder entdeckt. Mit all den Mitteln, die eine Diktatur hat, konnten die negativ Eliten das Wort "Heimat" nicht löschen. Die Damen und Herren vom Verblödungs-Komitee sind also wieder mal gescheitert. Sie, die Wertvollen, die Oberschlauern, die sie seit Jahren, die Europäer hinter die Fichte führen, mit Erbsünden und anderen Toiletten fähigen Schwachsinn, sind am Ende ihrer Zeit. Packen sie ihre Doktrin ein und verschwinden sie nach Afrika, da sind ihresgleichen im rechten Glauben. In Europa brauchen wir keine Scharia,
    Holzscheit-Energie, Kienspäne, Burkas, Bombenleger mit ihren Jungfrauen. Es reicht schon lange, gehen sie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%