Heiße Phase der fünften Jahreszeit eingeläutet: Wilde Weiber stürmen Rathäuser

Heiße Phase der fünften Jahreszeit eingeläutet
Wilde Weiber stürmen Rathäuser

Zehntausende Narren haben mit dem Sturm auf die Rathäuser zur Weiberfastnacht am Donnerstag das Regiment in den Karnevalshochburgen übernommen. Mit gezückten Scheren gingen bunt kostümierte „Wiever und Möhnen“ um Punkt 11.11 Uhr Krawattenträgern unter anderem in den rheinischen Hochburgen Düsseldorf, Köln, Bonn und Koblenz an den Kragen.

HB KÖLN/KONSTANZ. Bereits seit dem frühen Morgen feierten Narren vielerorts in Baden-Württemberg den „Schmotzigen Dunschtig“ der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Bei der zweiten offiziellen Weiberfastnacht in Mainz läuteten hunderte Kostümierte am Fastnachtbrunnen die „heiße Phase“ der Straßenfastnacht ein.

Schon vor dem Rathaussturm hatten sich „Wilde Weiber“ mit Karnevalshits in den Kneipen der Düsseldorfer Altstadt und rund um den Kölner Alter Markt warmgeschunkelt. Gegen das ungemütliche Wetter mit Sprühregen, Wind und Temperaturen um vier Grad hatten sich zahlreiche Narren mit einfallsreichem Kopfschmuck geschützt. In Köln ergab sich Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) der närrischen Übermacht und überließ dem Dreigestirn die Rathausschlüssel.

In Düsseldorf konnte sich sein Amtskollege Joachim Erwin (CDU) nicht persönlich dem Angriff der „Möhnen“ entgegenstellen - er hütet derzeit das Krankenbett. In der Wiege der Weiberfastnacht, in Bonn-Beuel, haben die Frauen ebenfalls für einen Tag die Macht übernommen. Dort hatten die Beueler Waschweiber erstmals im Jahr 1824 gegen harte Arbeitsbedingungen protestiert und Männer „in die Mangel genommen“.

Bei dem wilden Treiben zum „Schmotzigen Dunschtig“ („Schmutziger Donnerstag“) wurden im Laufe des Tages unter anderem Schulklassen „befreit“ und bunt geschmückte Narrenbäume aufgestellt. Er ist der Tag der traditionellen Straßenfastnacht im Südwesten. Der Name hat nichts mit Dreck zu tun, sondern stammt vom alemannischen Wort für Fett. An dem Tag wurde traditionsgemäß Schmalzgebackenes gegessen. In den rheinischen Karnevalshochburgen folgen noch die großen Umzüge am Rosenmontag vor Millionenpublikum.

Auch abseits des großen Narrentreibens wurde am Donnerstag kräftig gefeiert, etwa im westfälischen Unna. Dort begleiteten dutzende Fans den 49. „kleinsten Karnevalsumzug der Welt“ mit einem Teilnehmer und einem Bollerwagen. In Berlin feierten die eingeschworenen Jecken und Narren der Hauptstadt unter anderem in ihrer Stammkneipe, dem Lokal „Ständige Vertretung“.

Im kleinen oberpfälzischen Städtchen Dietfurt versammelten sich als Chinesen verkleidete Narren beim „Unsinnigen Donnerstag“, um durch die Straßen zu ziehen. Das Fest mit dem Faschingsgruß „Ki-Li-Wau“ geht auf eine Sage zurück, wonach die Dietfurter im Mittelalter einen Steuereintreiber einfach vor der Stadtmauer stehen ließen. Der Kämmerer soll sich anschließend beschwert haben: Die Dietfurter hätten sich „wie die Chinesen“ hinter ihrer Mauer verschanzt.

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