Heizungs-Defekt
Hessische Schüler lernen in Bikini und Badehose

In einer Schule nahe Gießen spielt die Heizung verrückt: Während vor den Fenstern milde Temperaturen herrschen, bollern die Heizkörper in den Klassenzimmer mit voller Kraft. Die saunaartigen Zustände brachten die Eltern auf die Palme: Sie verordneten ihren Kindern zum Zeichen des Protests Badeklamotten.

HB GIESSEN. Der Leiter der Anne-Frank-Gesamtschule in Linden, Bruno Kraft, sagte am Mittwich, weil sich die Heizung nicht regulieren lasse, herrschten in den Klassenräumen Temperaturen von bis zu 30 Grad. Verärgerte Eltern hätten ihre Kinder daher in Badekleidung zur Schule geschickt. Kraft zeigte sich verärgert: „Im Sommer gibt's schon bei 25 Grad hitzefrei, aber hier sollen die klatschnass geschwitzten Kinder noch bei 30 Grad lernen.“ Gegen Bikinis im Unterricht habe er jedoch keine Handhabe, sagte der Schulleiter: „Wir haben an unserer Schule keine Kleiderordnung.“

Rund 250 bis 300 Schüler der Klassen fünf bis zehn müssen seit Ende Oktober in überhitzten Räumen ausharren. „Wir können nicht einmal die Fenster aufmachen - wegen der nahe gelegenen Autobahn ist dann ein solcher Höllenlärm, dass man sich gegenseitig nicht mehr versteht“, klagte Kraft. Die Kinder und Jugendlichen trügen daher zahlreiche Kleidungsschichten übereinander und entblätterten sich nach und nach während des Unterrichts.

Seit der Installation der volldigitalen Heizung vor drei Jahren habe es Probleme gegeben, kritisierte der Schulleiter. „Dem Kreis ist das seit langem bekannt.“ Der Kreis Gießen habe erst Anfang 2005 von dem Heizungsdefekt erfahren, sagte dagegen Schuldezernentin Dietlinde Elies (SPD). „Ich habe ein hohes Interesse daran, diese Energieverschwendung ganz schnell zu beenden - und die Kinder nicht unter unzumutbaren Bedingungen dort sitzen zu lassen.“ Ein ganzes Konsortium von Fachleuten sei daher mit dem Problem betraut.

Warum nur 10 der insgesamt 42 Räume betroffen seien, sei unklar, erklärte Kraft. An mehreren Heizkörpern habe der Hausmeister bereits die Wasserzufuhr unterbrochen - dennoch seien die Temperaturen im Schnitt nur um zwei Grad gesunken. „Damit sind wir immer noch bei 27 bis 28 Grad, die ideale Raumtemperatur liegt aber bei 21 Grad.“

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