Helene Fischer wird 30
Von Sibirien auf den Schlagerthron

Steile Karriere mit überraschendem Ursprung. Heute vor 30 Jahren wurde Helene Fischer geboren. Ihr Geburtsort deutet kaum auf ihre außergewöhnliche Schlagerkarriere hin. Ein Ortsbesuch im tiefsten Sibirien.
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KrasnojarskAutoabgase hängen in der Luft und vermischen sich mit Zigarettenrauch. Ein alter Trolleybus, braun und senfgelb, bahnt sich seinen Weg durch die Blechschlange. Er macht dabei ein Geräusch wie eine Kette, die über Kopfsteine geschleift wird. Der aufgesplitterte Asphalt lässt erahnen, dass hier im Winter alle Kälterekorde gebrochen werden.

Der Bahnhofsvorplatz empfängt Passagiere der Transsibirischen Eisenbahn, die den Ort durchquert, mit geballter Trostlosigkeit. Tourismus? Fehlanzeige. Im Bahnhof spricht niemand Englisch. Von einem Hang unweit der Station sind durch einen Schleier aus Schnee und Ruß Fabrikschlote zu erkennen, Kräne, hohe Mietskasernen, ein großer Fernsehturm. Die blinkende Turmspitze wäre so etwas wie der einzige karge Lichtblick von Krasnojarsk – wenn die sibirische Stadt nicht eine berühmte Tochter hätte: Helene Fischer.

Dass die blondeste aller deutschen Schlagerqueens vor 30 Jahren hier zur Welt kam, weiß kaum einer ihrer Fans. Helene Fischer wurde als Russlanddeutsche in Krasnojarsk, Sibirien, geboren. Ihre Großeltern, Wolgadeutsche, kamen als Deportierte im Zweiten Weltkrieg nach Sibirien. Viele Jahre bemühten sie sich um eine Aussiedlung in die Bundesrepublik.

Wie sich später zeigen sollte, ermöglichte dies ihrer Tochter Helene nicht nur den Ausweg aus einer Jugend in der Sowjetunion, sondern ebnete den Weg für eine außergewöhnliche Schlagerkarriere in Deutschland. Helene kam mit vier Jahren nach Rheinland-Pfalz und ging mit 23 Jahren auf ihre erste Deutschlandtournee. Irgendwann in dieser Zeitspanne nahm Helene Fischer ihr Schicksal in die eigenen Hände.

Möglicherweise aus der Erfahrung ihrer frühen Jahre in Krasnojarsk heraus, wusste sie, dass sich der Erfolg nur durch harte Arbeit und Eigeninitiative einstellt. Mit Anfang 20 schickte sie selbstaufgenommene Lieder an Musikmanager und Plattenfirmen. Es dauerte nicht lange, bis die sich bei ihr meldeten. Heute feiert sie ihren 30. Geburtstag und hat in der deutschen Musikbranche alles erreicht. Ihre Herkunft scheint ihre Karriere maßgeblich beeinflusst zu haben.

Krasnojarsk, die drittgrößte sibirische Stadt, 4500 Kilometer nordöstlich von Moskau in den Weiten Sibiriens gelegen, präsentiert sich als sowjetische Trabantenstadt. Die beiden Hauptstraßen – auch nach dem Ende der Sowjetunion weiterhin nach Karl Marx und Lenin benannt – bilden die Hauptachsen dieses Molochs.

Als Prospekte, breite von Bäumen gesäumte Prachtstraßen, angelegt, bummeln auf ihr heute keine Parteikader und Sowjetgrößen mehr. Betrunkene, Großmütter mit ihren Rollwägelchen und gelangweilte Jugendliche stampfen durch den dreckigen Schnee.

Kommentare zu " Helene Fischer wird 30: Von Sibirien auf den Schlagerthron"

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  • Da verabschiedet sich eine Familie aus der Tristesse und ein paar Jahre später besingt das beim Umzug 4-jährige Mädel Deutschlands WM-Mnnaschaft und überhaupt ganz Deutschland.

    Das treibt einem schon ein paar Tränen der Rührung in die Augen, was für ein Lebensweg in 7000km Entfernung erträumter neuer Heimat!

    Wenn ich Putin heißen würde, dann könnte mir vielleicht der Gedanke kommen, verdammte Hacke, was machen diese damned Deutschen nur anders, daß sie aus gewöhnlichen Menschen solche Karrieren herauskitzeln und auch zulassen können.

  • Nur folgender kleiner Hinweis: krasny jar entstammt nicht einer Turksprache, sondern dem - wie es in Russland allgemein gebräuchlich ist - Russischen und bedeutet (das ist im Artikel dann schon richtig wiedergeben worden): schöner Hang....

  • Klischees wollen halt bedient werden, insbesondere bei den deutschen Protagonisten des betreuten Denkens. Der Autor sollte mal in den Ruhrpott oder eingen Ost-Städten (trotz Billionen-Pampering) kommen. Da ist wirklich Fremdschämen angesagt

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