Helge Achenbach

Ex-Kunstberater kommt auf freien Fuß

Derzeit befindet sich Helge Achenbach in der Justizvollzugsanstalt Moers-Kapellen. Am Mittwoch wechselt er in den offenen Vollzug. Dann soll er bei der Flüchtlingshilfe der Diakonie Düsseldorf mit anpacken.
Der Kunstberater war im März 2015 wegen Millionen-Betrugs an reichen Kunden zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Quelle: dpa
Helge Achenbach

Der Kunstberater war im März 2015 wegen Millionen-Betrugs an reichen Kunden zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMehr als zwei Jahre nach seiner Inhaftierung ist Ex-Kunstberater Helge Achenbach von Mittwoch an „Freigänger“. Vorgesehen sei, dass der 64-Jährige Mittwochmorgen eine Arbeit im Rahmen der Flüchtlingshilfe bei der Diakonie Düsseldorf aufnehme, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Justizkreisen. Zuvor hatten mehrere Medien über den bevorstehenden Freigang berichtet. Derzeit befinde sich Achenbach in der Justizvollzugsanstalt Moers-Kapellen. Im offenen Vollzug kann Achenbach tagsüber einer geregelten Arbeit nachgehen und muss abends wieder in die JVA zurückkehren. Erst am vergangenen Freitag hatte Achenbachs Ehefrau Dorothee bekannt gegeben, dass sie sich von ihrem Mann scheiden lasse.

Helge Achenbach war im März 2015 wegen Millionen-Betrugs an reichen Kunden zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte den inzwischen verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht bei Kunst- und Oldtimerkäufen geprellt. Festgenommen worden war Deutschlands einst berühmtester Kunstberater bereits im Juni 2014.

Kunst, Oldtimer und bedröppelter Geldadel
Helge Achenbach
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Der Prozess Albrecht gegen Achenbach

Seit dem 11.November bereits muss sich Helge Achenbach vor dem Landgericht Düsseldorf in einem Millionenprozess verantworten. Die Erben des Aldi-Erben Berthold Albrecht fordern satte 19,4 Millionen Euro von dem Kunstberater zurück.

Aldi- und Lidl-Tüte
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Achenbach war dem Aldi-Erben Berthold Albrecht, den er 2007 kennengelernt hatte, freundschaftlich verbunden und hatte ihm Oldtimer und Kunstwerke vermittelt. Bei 14 Kunstgeschäften und neun Oldtimer-Deals soll Achenbach Rechnungen gefälscht und Einkaufspreise nach oben frisiert haben, hatte die Essener Staatsanwaltschaft mitgeteilt. So stiegen auch seine Provisionen für die Objekte. Seit fünf Monaten sitzt Achenbach bereits in Essen in Untersuchungshaft.

Helge Achenbach
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Helge Achenbach, Jahrgang 1952, behauptet von sich selbst, der Erfinder des Art Consulting in Deutschland zu sein. Damit meint er die kommerzielle Kunstberatung. 1978 gründete Achenbach die „Achenbach Art Consulting“ in Düsseldorf – professionelles Art Consulting gab es in den USA zu diesem Zeitpunkt schon seit 50 Jahren. Seitdem beriet er zahlreiche Wirtschaftsunternehmen beim Aufbau ihrer Sammlungen und baute einige private Kunstsammlungen auf.

Fortuna Düsseldorf feiert Aufstieg
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1997 wurde Achenbach für fünf Jahre Präsident des Fußballvereins Fortuna Düsseldorf, gab das Amt aber bereits im Jahr 2000 wieder ab. 2001 stieg Achenbach mit „Monkey’s Island“ im großen Stil in die Gastronomie ein. 2007 folgten die Restaurants Monkey’s West, East und South, die Achenbach an seinem 55. Geburtstag eröffnete. Schon 2012 musste Monkey's Club (eröffnet 2004) nach angeblichen finanziellen Turbulenzen wieder geschlossen werden.

Berthold Albrecht
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Ab 2007 gehörte auch Berthold Albrecht, ein Erbe des 2010 gestorbenen Aldi-Mitbegründers Theo Albrecht, zu Achenbachs Kunden. Über 5 Jahre war Achenbach für den zurückgezogen lebenden Millionär tätig, die Preise summierten sich: Laut Klageschrift suchte hat er dem Aldi-Erben Oldtimer und Kunstwerke für insgesamt gut 120 Millionen Euro verkauft. 2012 starb Albrecht überraschend im Alter von nur 58 Jahren. Nun fordert Albrechts Familie in einem Zivilprozess (Az: 6 O 280/14) am Düsseldorfer Landgericht 19,4 Millionen Euro Schadenersatz von Achenbach und zwei seiner insolventen Unternehmen. Für Kunstwerke sei eine Provision von fünf Prozent und für Oldtimer eine von drei Prozent vereinbart gewesen.

Zivilprozess gegen den Kunstberater Achenbach
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Achenbach (62) wird wohl nicht im Landgericht erscheinen, sondern nur seine Anwälte (hier im Bild: Franz-Josef Krichel beim Prozessauftakt am 11. November). Insgesamt drei reiche Kunden soll Achenbach laut Essener Anklage betrogen haben.

Zivilprozess gegen den Kunstberater Achenbach
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Dabei soll Berthold Albrecht mit Abstand den höchsten Schaden erlitten haben. In den anderen beiden Fällen geht es um rund 1,3 Millionen Euro Schaden. Albrechts Rechtsanwalt Andreas Urban spricht hier am 11.11.2014 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) im Landgericht nach dem Auftakt des Zivilprozesses gegen Kunstberater Achenbach mit Journalisten.

Achenbachs Beratungsfirmen und Restaurants sind aufgelöst. In einer Auktionsserie waren mehr als 2400 Kunstwerke aus dem Firmenlager Achenbachs für rund 7,5 Millionen Euro zwangsversteigert worden. Außerdem läuft um den Fall Achenbach noch eine Serie von Zivilprozessen, in denen zumeist die Albrecht-Familie der Gegner ist.

  • dpa
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