Helmut Schmidt hatte die Idee
Schröder kehrt ins Kanzleramt zurück

Gerhard Schröder kehrt ins Berliner Kanzleramt zurück: Am Dienstag wird er dabei sein, wenn sein von Jörg Immendorff geschaffenes Porträt in der Ahnengalerie der deutschen Regierungschefs aufgehängt wird, wie Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag ankündigte.

HB BERLIN. Dabei wird er zum zweiten Mal innerhalb einer Woche auf seine Nachfolgerin Angela Merkel treffen. Die beiden hatten bereits am Dienstag auf dem SPD-Fraktionsfest angeregt geplaudert. Schröder hatte seinen Freund Immendorff, der im Mai an der Nervenkrankheit ALS gestorben ist, beauftragt, das 1,30 Meter mal ein Meter große Porträt zu schaffen. Das scharf gezeichnete Gesicht Schröders leuchtet im Stil einer Ikone ganz in Gold. Flankiert wird das Porträt von roten Affen, die immer wieder in Immendorffs Werken auftauchen. Dahinter ist ein stilisierter Bundesadler zu sehen. Immendorff hatte Schröder das Porträt geschenkt, der es seinerseits dem Kanzleramt als Dauerleihgabe überlässt. Damit kommen auf die Steuerzahler keine Kosten zu.

Die Idee zum Porträt entstand bereits vor sieben Jahren auf einer gemeinsamen Reise Schröders mit Immendorff nach Georgien. Trotz seiner Nervenkrankheit hatte der an den Rollstuhl gefesselte Immendorff mit seinen Assistenten eine Methode entwickelt, Werke zu schaffen. Er entwarf seine Bilder in allen Einzelheiten am Computer, die Ausführung auf der Leinwand besorgten seine Mitarbeiter.

Als Schröder das Porträt im Januar zum ersten Mal sah, war er begeistert: Das Porträt sei großartig, „ganz anders als die anderen Porträts im Bundeskanzleramt“, zitierten ihn Zeitungen. Er sei aber auf die Reaktionen gespannt. Er sei sich selten so goldig und ehern vorgekommen.

Die Idee stammt von Helmut Schmidt

Es ist Tradition, dass Porträts der aus dem Amt geschiedenen Regierungschefs im Kanzleramt ausgestellt werden. Die Idee hatte Helmut Schmidt in den 70er Jahren. Der Gang von seinem Büro im neu gebauten Bonner Kanzleramt zum Kabinettsaal sei ihm zu langweilig gewesen, wird berichtet. Die Bilder werden von den ausscheidenden Kanzlern bei einem Künstler ihrer Wahl in Auftrag gegeben. Zuletzt hatte sich Helmut Kohl von dem Leipziger Maler und Heisig-Schüler Albrecht Gehse in eher konventioneller Form malen lassen.

Schmidt selbst wählte mit Bernhard Heisig einen Künstler aus der DDR. Willy Brandt hatte den Kölner Maler Georg Meistermann beauftragt. Kritiker erklärten, Brandt gleiche auf dem feuerroten Bild einem „apokalyptischen Reiter“, es sehe aus wie ein „Ölbild nach Säureanschlag“. Daraufhin ließ Kohl das Bild durch eine realistischere Darstellung des Künstlers Oswald Petersen austauschen.

Offenbar geht es in der Kanzlergalerie weniger um moderne Kunst als vielmehr um Wiedererkennbarkeit. Nun hängt das Brandt-Porträt neben denen von Kurt Georg Kiesinger und Ludwig Erhard, die sich vom bayerischen Künstler Günter Rittner malen ließen. Konrad Adenauers Porträt stammt aus einer Serie, die der Maler Hans-Jürgen Kallmann angefertigt hat.

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