Henri-Nannen-Preis
NSA-Aufklärer räumen bei Journalistenpreis ab

Jubiläum bei der Henri-Nannen-Preisverleihung: Zum zehnten Mal wurden Journalisten für ihre Aufklärung geehrt - in diesem Jahr für weltweit aufsehenerregende Fälle. Da kommt sogar Edward Snowden überraschend zu Wort.
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HamburgNSA-Aufklärung, Gurlitt-Kunstsensation: Mit herausragenden Beiträgen zu diesen internationalen Top-Themen haben Journalisten des „Spiegel“-Verlags bei der diesjährigen Verleihung des Henri-Nannen-Preises in Hamburg abgeräumt. Sie profitierten bei ihrer Arbeit auch von den Leistungen der ebenfalls geehrten US-Journalistin Laura Poitras, die direkt einen überschwänglichen Dank des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden für ihre Recherchen bekam.

„Guter Journalismus ist grundsätzlich für das Funktionieren unserer Gesellschaft“, sagte Gruner+Jahr-Vorstandschefin Julia Jäkel am Freitagabend. Ohne ihn wäre Demokratie nicht denkbar. Die mit insgesamt 35 000 Euro dotierten Nannen-Preise in mehreren journalistischen Kategorien erinnern an den Gründer des Magazins „Stern“, Henri Nannen (1913-1996), das von G+J herausgegeben wird.

Zum zehnten Jubiläum waren rund 1200 Gäste zur Gala gekommen, darunter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Die Ministerin würdigte das Lebenswerk des Publizisten Alfred Grosser (89), seinen Einsatz für die deutsch-französische Verständigung sowie dessen unbedingte Wahrheitsliebe und sein unermüdliches Handwerk.

Die beste investigative Leistung erbrachte nach Auffassung der Nannen-Jury ein Journalisten-Team des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und von Spiegel Online: Im Zuge der NSA-Geheimdienstaffäre deckten sie das Abhören des Handys von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf. „Keine andere Enthüllung der jüngsten Zeit hat das deutsch-amerikanische Verhältnis derart erschüttert“, urteilten die Juroren - eine Rechercheleistung „von weltpolitischer Dimension“.

Mit den „Spiegel“-Journalisten kam Laura Poitras auf die Bühne - zum zweiten Mal an diesem Abend. Sie war an der Erstveröffentlichung von Dokumenten über die Arbeit des US-Geheimdienstes NSA beteiligt gewesen, wovon auch „Der Spiegel“ profitierte. Der zugeschaltete frühere US-Geheimdienstler Edward Snowden lobte Poitras' Einsatz, ihre „riskante und gefährliche Arbeit“. Ihr Mut habe eine offenere, verantwortlichere Welt gebracht, meinte Snowden. „Es ist ein Schritt zu einer Gesellschaft jenseits des Terrors.“

Poitras, allein geehrt für ihren „selbstlosen Kampf um die Wahrheit und um die Pressefreiheit“, bezeichnete die NSA-Überwachung als das Erschreckendste, was ihr je begegnet sei. Sie kündigte an, in den NSA-Dokumenten steckten noch viele weitere Geschichten.

Beeindruckt hat in der journalistischen Königsdisziplin Reportage das eindringliche Psychogramm des Münchner Kunstsammlers Cornelius Gurlitt, verfasst von der „Spiegel“-Journalistin Özlem Gezer. Der zurückgezogen lebende Mann hatte Gezer als einziger Journalistin Einblick in sein Leben gewährt - „einfühlsam beobachtet, präzise und wertfrei formuliert“, lobte die Jury den Text „Gurlitt - Die Liebe seines Lebens“. Bei ihm waren 1280 Bilder gefunden worden - darunter Gemälde von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde -, was im November 2013 publik wurde. Hunderte Werke stehen im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Gurlitt starb am 6. Mai im Alter von 81 Jahren.

Als bester Essayist wurde Wolfgang Uchatius von der Wochenzeitung „Die Zeit“ für seine Gedanken zur Macht des Konsumenten mit einer Henri-Skulptur bedacht. Für die Zeitschrift „Geo“ verfasste Malte Henk die beste Dokumentation; sie beleuchtet die Arbeit des Internationalen Roten Kreuzes. Moises Saman zeigte im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ die beste Fotoreportage („Im Reich des Todes“) - über Folterlager auf der Sinai-Halbinsel.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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