Herbst-Vollversammlung
Bischöfe warnen vor Ungeist des Aufrechnens

Die katholischen Bischöfe in Deutschland und Polen haben eindringlich vor einem „Ungeist des Aufrechnens“ gewarnt. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung hervor, die am Mittwoch auf der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda unterzeichnet wurde.

HB FULDA/WATSCHAU. Es werde mit Sorge gesehen, „dass die Erinnerung an die finstersten Stunden unserer gemeinsamen Geschichte nicht nur den Geist der Versöhnung gebiert, sondern auch alte Wunden, die noch nicht geheilt sind, wieder aufreißt und den Ungeist des Aufrechnens hervorbringt“, heißt es der Erklärung. Anlass war der 40. Jahrestag eines historischen Briefwechsels zur deutsch-polnischen Versöhnung.

„Manche Menschen in Politik und Gesellschaft rühren geradezu leichtfertig an den immer noch schmerzenden Wunden der Vergangenheit. Andere wollen sie offenkundig sogar rücksichtslos für persönliche oder politische Zwecke missbrauchen“, klagen die Bischöfe mit Blick auf die Diskussion um ein Zentrum gegen Vertreibungen und Entschädigungsforderungen von Vertriebenen. Der 40. Jahrestag des Briefwechsels sei daher auch Anlass, „solcher Verantwortungslosigkeit im gegenseitigen Verhältnis mit allem Nachdruck zu widersprechen“.

Die polnischen Bischöfe hatten vor 40 Jahren in dem Schreiben an ihre deutschen Amtsbrüder appelliert: „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“ Der Briefwechsel gilt heute als einer der Brückenpfeiler der deutsch-polnischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. In der neuen Erklärung, deren polnische Fassung am Samstag in Breslau (Wroclaw) auch vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, unterzeichnet wird, bekannten sich die deutschen und polnischen Bischöfe zu der gemeinsamen Verpflichtung, sich auch weiterhin „mit aller Kraft für die Versöhnung zwischen Deutschen und Polen einzusetzen“.

„Am 18. November 1965 wandten sich die polnischen Bischöfe an ihre deutschen Mitbrüder, um ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Völker aufzuschlagen“, sagte Lehmann. Der Briefwechsel vor 40 Jahren habe „Sprachlosigkeit überwunden; er hat Türen aufgestoßen für ein neues Miteinander und Spielräume eröffnet für einen Weg des Friedens, der Verständigung und der Versöhnung“. Nun wollten die Bischöfe gemeinsam dazu beitragen, dass christliche Werte das Zusammenleben in der Europäischen Union und im gesamten Europa mit prägen.

Christen beider Länder stünden angesichts neuer gesellschaftlicher Entwicklungen vor großen Herausforderungen, „insbesondere im Hinblick auf den Schutz des Lebens, der Ehe und der Familie“, erklärten die Bischöfe. Gleiches gelte für die medizinische Ethik, die zunehmend durch die Interessen von Wissenschaft und Wirtschaft bedroht werde.

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Jozef Michalik, der mit einer Delegation polnischer Geistlicher dem Festakt in Fulda beiwohnte, nannte den damaligen Briefwechsel einen Akt brüderlicher Versöhnung. „Die Bischöfe hatten den Mut, die Wunden der Geschichte mit dem Evangelium zu berühren“, sagte er. Leid und Fehler habe es auf beiden Seiten gegeben. „Aber Hass heilt keine Wunden. Er reißt sie auf.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%