Heute schließt die Anklage ihre Beweisaufnahme
Michael Jackson besaß angeblich nur 38 000 Dollar Bargeld

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte US-Sänger Michael Jackson soll im Frühjahr 2003 fast pleite gewesen sein. Dies gab ein Buchhalter als Zeuge vor der Jury in Santa Maria zu Protokoll.

SANTA MARIA. Seinen Angaben zufolge hatte Jackson nur 38 000 Dollar Bargeld und gleichzeitig offene Lieferantenechnungen über 10,5 Millionen Dollar, berichtete die „Los Angeles Times“. Jahrelang gab er zwischen 20 und 30 Millionen Dollar mehr aus, als er einnahm. Zudem schulde er der Bank of America mindestens 235 Millionen Dollar. Die Finanzprobleme hätten Jackson darin bestärkt, die Familie des Jungen, der ihn nun beschuldigt, mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell belästigt zu haben, in einem Entlastungsvideo zu einer positiven Aussage zu drängen. Dadurch versuche er einer Schädigung seiner Karriere vorzubeugen, argumentiert die Anklage.

Richter Rodney Melville wies die Geschworenen an, die Zahlen nicht als Fakten zu betrachten, sondern nur im Zusammenhang mit den Schlussfolgerungen des Experten. „Es hat eine stetige Geldkrise gegeben, nicht genug Geld, Rechnungen zu bezahlen“, sagte Buchhalter John Duross O'Bryan. Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass Jackson schließlich zum Verkauf seiner größten Besitztümer, der Rechte an seinen eigenen Liedern und dem Sony-ATV-Katalog gezwungen sein könnte.

Zum diesem Katalog gehören auch die Songs der Beatles. Aber selbst das könnte nach seiner Einschätzung Jackson nur bedingt helfen, da der Verkauf hohe Steuerzahlungen mit sich bringen würde. Jacksons Verteidiger Thomas Mesereau sagte, der Katalog sei 2003 eine Milliarde Dollar wert gewesen, mittlerweile werde er auf drei bis vier Milliarden Dollar geschätzt. „Wäre es nicht von Bedeutung, wenn Sie wüssten, dass Jackson eine Gelegenheit akzeptieren könnte und seine (Geld-) Probleme an einem einzigen Tag lösen könnte?“ fragte Mesereau den Zeugen. „Wenn sie (die Probleme) gelöst werden konnten, warum wurden sie das nicht?“ gab der zurück.

Am Dienstag war auch die Glaubwürdigkeit von Michael Jacksons Ex- Frau Debbie Rowe in Frage gestellt worden. Ein Polizeiermittler gab vor der Jury zu Protokoll, dass Rowe den wegen Missbrauch angeklagten Popstar vor einem Jahr als „Soziopathen“ bezeichnet habe, der seine Kinder als „Eigentum“ betrachten würde. In der vergangenen Woche hatte Rowe als Zeugin der Anklage für Wirbel gesorgt, als sie Jackson überraschend als „guten Vater“, der „großartig“ mit Kindern umgeht, pries.

Die 46-jährige Mutter der gemeinsamen Kinder Paris und Prince Michael hatte auch versichert, dass sie von Jacksons Helfern in keiner Weise dazu genötigt worden war, sich in einem Entlastungsvideo positiv über den Popstar zu äußern. Das habe sie aus freien Stücken getan.

Polizist Steve Robel zitierte aus einem Gespräch mit Rowe aus dem letzten Jahr, dass ihre Aussagen in dem Video falsch waren und dass sie nach der Scheidung von Jackson einem „Plan“ folgte, in der Öffentlichkeit immer nett über ihre Beziehung mit dem Popstar zu sprechen.

Der 46-jährige Sänger muss sich wegen sexuellen Missbrauchs eines heute 15 Jahre alten Jungen im Frühjahr 2003 auf seiner Neverland- Ranch verantworten. Er soll den Jungen und dessen Familie auch gegen deren Willen auf dem Anwesen festgehalten haben. Prozessbeobachter rechneten damit, dass die Anklage ihre Beweisaufnahme am heutigen Mittwoch abschließen wird.

Nach Informationen des Senders MSNBC könnte die Verteidigung bereits in der kommenden Woche den früheren Kinderstar Macaulay Culkin („Kevin allein zu Haus“) in den Zeugenstand rufen. Die Anklage hatte Culkin als ein weiteres Belästigungs-Opfer des Sängers dargestellt. Der Schauspieler hatte dagegen in früheren Interviews versichert, dass seine enge Beziehung zu Jackson rein freundschaftlicher Natur gewesen sei.

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