High-Tech-Farbe für Hauswände: San Francisco pinkelt auch zurück

High-Tech-Farbe für Hauswände
San Francisco pinkelt auch zurück

Erst Hamburg, jetzt San Francisco – mit einer Spezialfarbe sagen die Städte Wand-Pinklern den Kampf an. Die Wand pinkelt quasi zurück. In der US-Stadt sind aber längst nicht nur Party-Gänger das Problem.
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San FranciscoSan Francisco lernt von Hamburg. Eine spezielle Farbe, die Flüssigkeiten nicht nur abweist, sondern sozusagen zurückspritzt, soll an Hauswänden und Ecken aufgebracht werden, die gerne von Wand-Pinklern frequentiert werden. Das Ganze geht dann sozusagen nach hinten los und landet auf Schuhen oder Hosen der Verursacher. Auf die Idee hat San Franciscos Stadtväter ein Video von der Reeperbahn gebracht. Erst pinkelt St. Pauli zurück, jetzt das Tenderloin.

Es sind Stadtteile wie das Trend- und Partyviertel „SoMa“, South of Market oder das Tenderloin im Stadtkern von San Francisco. Sie sind berüchtigt für ihren sehr speziellen Geruch – besonders an warmen Sonnentagen. Jeden Morgen stehen die Hausmeister mit Schläuchen vor den Türen der Stadthäuser und befreien die Bürgersteige so gut es geht von den nächtlichen Überresten.

Das Tenderloin ist doppelt betroffen, pro Tag sind geschätzt bis zu 6000 Obdachlose im Tenderloin unterwegs. Wenn mittags an der Glide Church an der O’Farrell Street das Essen für Bedürftige ausgegeben wird, zieht sich die Schlange über zwei Straßenblöcke hin. Nachts ziehen die Party-Gänger auf Geary- oder Polk-Street von der einen Bar zur nächsten. Öffentliche Toiletten? Fehlanzeige. In Tenderloin oder im angrenzenden Nob Hill sind seit Jahrzehnten alle Haustüren mit einer zusätzlichen Gittertür versehen. Damit sich nachts keine Schlafbedürftigen zur Ruhe legen oder die dunklen Ecken für andere Geschäfte nutzen.

Die einen Stadtteile trifft es mehr, die anderen weniger. Nach Informationen von CBS San Francisco hat die Stadtreinigung alleine im ersten Halbjahr 2013 mehr als 5600 Anforderungen für die Reinigung von Bürgersteigen mit Dampfstrahlern bekommen, wobei menschliche Exkremente in den meisten Fällen die Gründe waren, warum Bürger anriefen.

Im Juni 2012 wollten Angestellte einen defekten Aufzug an der U-Bahn-Station Civic Center reparieren. Als sie die Türen zum untenliegenden Maschinenraum öffneten, war dieser dermaßen mit menschlichen Exkrementen gefüllt, dass ein spezielles Team für Giftmüll-Beseitigung gerufen werden musste. Die großen Grünflächen rund um das Rathaus, das Civic Center, werden stark von Obdachlosen frequentiert. „Touristen im Tenderloin“, sagte mir ein Freund einmal als ich meine Wohnung am Außenbereich des Tenderloins bezog, „erkennst du auf hundert Meter Entfernung. Die schauen nach oben. Wer hier wohnt, der schaut auf die Straße“.

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Die Farbe allein löst das Problem nicht

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