Hilfe aus dem Ausland
Fast 50 Tote nach Waldbränden in Griechenland

Fast 50 Tote, völlig überforderte Feuerwehren und Dutzende Brände außer Kontrolle: Griechenland hat am Wochenende verzweifelt gegen ein beispielloses Flammeninferno gekämpft.

HB AMALIADA. Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis verhängte den Notstand, Oppositionschef Georgios Papandreou sprach von „Szenen biblischer Zerstörung“. Sieben mutmaßliche Brandstifter wurden festgenommen. Am Sonntag näherten sich die Feuerwalzen mehreren antiken Stätten, zugleich traf Hilfe aus dem Ausland ein.

Am schlimmsten wüteten die Brände auf der Halbinsel Peloponnes und der Insel Evia nördlich von Athen. Die meisten Opfer - mindestens 39 - waren auf dem westlichen Peloponnes bei der Ortschaft Zacharo zu beklagen, wo mehrere Menschen auf der Flucht vor den Flammen in ihren Autos verbrannten. In dem Dorf Makistos wurden zehn Leichen gefunden, darunter die einer Mutter mit ihren vier Kindern in den Armen. Landesweit kamen nach Regierungsangaben 49 Menschen ums Leben, die Feuerwehr bestätigte zunächst 47 Tote.

Am Sonntag gab es einen Hoffnungsschimmer. Die starken Windböen, die seit Freitag die Flammen immer wieder anfachten, seien deutlich zurückgegangen, meldete die Feuerwehr. „Die Brände lodern in mehr als der Hälfte des Landes“, sagte Feuerwehrsprecher Nikos Diamandis. „Das ist sicher eine beispiellose Katastrophe für Griechenland.“ Am Sonntag wurden noch 42 Großfeuer registriert, etwa die gleiche Zahl wurde unter Kontrolle gebracht.

In der Nähe der antiken Stätte Olympia auf dem Peloponnes riefen verzweifelte Einwohner und Behördenvertreter bei Fernsehstationen an, um Hilfe zu erbitten. „Wir werden lebendig verbrennen“, sagte eine Frau aus dem Dorf Lambeti. Die Bewohner versuchten mit Gartenschläuchen, ihre Häuser vor den Flammen zu retten.

Bedienstete in Olympia berichteten, noch sei das Feuer nicht zu sehen. Die Stätte ist mit einem Sprinklersystem ausgestattet, am Morgen begannen Löschflugzeuge mit dem Abwurf von Wasser. Bürgermeister Giorgos Aidonis sagte: „Das antike Olympia ist derzeit nicht in Gefahr.“

Auf drei Kilometer rückten die Flammen derweil an einen 2.500 Jahre alten Apollon-Tempel in Andritsaina im Südwesten des Peloponnes heran, wie Bürgermeister Tryphon Athanassopoulos dem Fernsehsender NET berichtete. Ein weiterer Brand brach bei Kalivia aus, zwischen Athen und Kap Sunion. Dort bedrohten die Flammen am Sonntagmorgen mehrere Gebäude.

Mindestens zwölf Länder sagten den Griechen Hilfe zu, Deutschland wollte drei Hubschrauber schicken. Außenministerin Dora Bakoyannis teilte mit, insgesamt kämen aus dem Ausland 31 Löschflugzeuge. Auch die USA und Russland boten Unterstützung an. Sechs Flugzeuge aus Frankreich und Italien, das ebenfalls mit Waldbränden zu kämpfen hat, halfen schon am Sonntag der griechischen Feuerwehr, die zudem von 1 000 Soldaten mit Militärhubschraubern unterstützt wurde. Im ganzen Land wurde in den Kirchen für einen Ende der Katastrophe gebetet.

Ministerpräsident Karamanlis sagte, er fühle Trauer und Wut. „Wenn so viele Feuer gleichzeitig in so vielen Teilen des Landes ausbrechen, kann das kein Zufall sein“, sagte er in einer Fernsehansprache. Man werde alles tun, um die Verantwortlichen zu finden und zu bestrafen.

Die Polizei nahm einen 65-jährigen Mann fest, der in den Brand in der Ortschaft Areopolis verwickelt sein soll. Dort kamen sechs Menschen ums Leben. In Kavala im Norden des Landes wurden zwei Jugendliche unter dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen, auf Evia nahm die Polizei vier Menschen in Gewahrsam, die fahrlässig Feuer verursacht haben sollen.

Die Krankenhäuser wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Das Gesundheitsministerium schickte Zelte für 1 500 obdachlose Menschen in den Süden des Landes.

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