Hilfe gegen Einbrecher
Fenster-Aufhebeln unter Polizei-Aufsicht

Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen und Häuser steigt in Deutschland seit Jahren kontinuierlich. 2013 waren es fast 150 000. Die Polizei berät Einbruchsopfer und gibt Tipps zur Vorbeugung.
  • 0

FrankfurtEs geschah am Karfreitag, irgendwann zwischen Nachmittag und frühem Abend. Ein Einbrecher machte sich an der massiven Holztür am Eingang zur Wohnung einer 48-jährigen Frau zu schaffen. Die Tür splitterte - doch der Einbrecher gelangte nicht in die Altbauwohnung in Frankfurt am Main.

Eine Woche später steht die Frau sichtlich aufgewühlt in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in der Frankfurter Innenstadt und will wissen, wie sie sich schützen kann. An vielen größeren Orten in Deutschland macht die Polizei solche Angebote. Wohnungseinbrüche sind für die Beamten ein Dauerbrenner: Die Zahl der Einbrüche steigt seit Jahren kontinuierlich.

„18 Jahre habe ich mich sicher gefühlt“, sagt die 48-Jährige, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Jetzt fühle ich mich nicht mehr sicher.“ Mit den Jahren sei sie unvorsichtig geworden, habe die Balkontüre im Hochparterre nicht mehr abgeschlossen. Inzwischen verriegele sie alles, sie wolle sich zudem ein weiteres Schloss in die Haustüre einbauen lassen. Oberkommissarin Manuela Lang erklärt, wie sie am besten einen zusätzlichen Riegel an der Altbautür anbringen kann.

Neben wenigen Bundesländern mit Rückgängen bei den Einbruchszahlen melden mehrere andere Länder für das Jahr 2014 wieder deutliche Anstiege - etwa Bayern um fast 30 Prozent oder Baden-Württemberg um fast 20 Prozent. Die bundesweite Statistik für das zurückliegende Jahr liegt noch nicht vor, für 2013 hatte sie mit insgesamt 149 500 Einbrüchen einen neuen Höchststand der vergangenen Jahre ausgewiesen.

„Alle vier Minuten hat sich im Jahr 2013 laut Polizeilicher Kriminalstatistik in Deutschland ein Wohnungseinbruch ereignet. Pro Fall entstand ein Schaden von rund 4500 Euro“, hieß es vor wenigen Tagen in einer Bund-Länder-Mitteilung. Die gute Nachricht: „Rund 40 Prozent aller Einbrüche bleiben im Versuchsstadium stecken, nicht zuletzt wegen Verbesserungen der Sicherungsmaßnahmen.“

Wie einfach es ist, mit einem handelsüblichen Schraubenzieher ein geschlossenes Fenster ohne Einbruchsicherung aufzuhebeln, beweist in der Frankfurter Beratungsstelle Oberkommissar Stefan Hantschmann. Innerhalb weniger Sekunden öffnet er ein zu Demonstrationszwecken aufgestelltes Fenster.

Menschen, die er berät, lässt er auch ran - für das Aha-Erlebnis, wie er sagt. „Mehr als drei Handgriffe braucht niemand, um es aufzubrechen“, sagt Hantschmann. Am Fenster direkt daneben würden sich wohl auch erfahrene Einbrecher die Zähne ausbeißen. „Nicht mal ich schaffe das“, scherzt Hantschmann, der zu Übungszwecken schon viele Fenster und Türen aufgehebelt hat. Das Fenster hat eine spezielle Einbruchssicherung. Der Rahmen zeigt viele Spuren vom Schraubenzieher, doch aufgebrochen hat es noch niemand.

Seite 1:

Fenster-Aufhebeln unter Polizei-Aufsicht

Seite 2:

Kommissare kommen auch zum Hausbesuch

Kommentare zu " Hilfe gegen Einbrecher: Fenster-Aufhebeln unter Polizei-Aufsicht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%