Hindernislauf durch die Stadt „letzter Schrei“ unter Jugendlichen
Parkour-Sportler ernten verständnislose Blicke

Sie springen über Mauern, Autos und Parkbänke, klettern Hauswände empor und hangeln sich an Vorsprüngen entlang. Parkour heißt der neue Trendsport, der in Deutschland immer mehr Anhänger findet.

HB BERLIN. „In allen Weltstädten ist Parkour der letzte Schrei“, sagt Daniel Barkowski, Projektleiter von You, Europas größter Jugendmesse, in Berlin. Der Ursprung des unkonventionellen Sports liegt in Frankreich, wo David Belle in den 1980er Jahren beim Spielen mit Kindern den Hindernislauf entwickelte.

„Parkour ist die Kunst des Fortbewegens ohne Hilfsmittel“, erklärt Sandra Hess von der Parkour Worldwide Association Deutschland (PAWA). „Wir müssen Hindernisse überwinden, so schnell und effizient wie möglich.“ Das praktizieren die Anhänger in Städten und der Natur.

„Man muss wie Wasser sein“, sagt Moses Kallweit. „Du musst dich den Hindernissen anpassen.“ Der 20 Jahre alte Österreicher trifft sich jede Woche mit anderen Traceurs - wie sich die Parkour-Läufer nennen - am Salzburger Hauptbahnhof zum Training. „Du beginnst am Boden und guckst, wie weit kann ich springen“, erzählt der 21-jährige Alex Lorenz aus Leipzig. „Das steigert sich in Höhen und Weiten.“

Noch ernten die Traceurs verständnislose Blicke, wenn sie über Mülltonnen turnen oder in der Stadt einen Salto rückwärts von einer Mauer machen. „Es sieht gefährlich aus“, gibt Sandra Hess zu. „Manche denken, wir sind Einbrecher oder wollen uns umbringen.“ Verletzungen seien jedoch selten. „Die gibt es wie in jedem Sport.“ Kraft, Koordination und Geschicklichkeit seien gefragt. „Die Technik ist wichtig - wie muss ich landen und abrollen, um mir nichts zu brechen“, betont sie. „Jugendliche lernen sich selbst einzuschätzen und lernen ihre Grenzen kennen“, meint Barkowski.

Bei den jungen Messebesuchern kommt die Trendsportart gut an. „Ich finde es cool, weil es mal etwas anderes ist“, sagt Jens Schacht (16) aus Berlin. Für die die 15-jährige Laura Springmann aus Großmutz in Brandenburg ist Parkour „ein Abenteuer“. Selbst ausprobieren wollen den Sport aber die wenigsten. „Man muss aufpassen und darf keine Angst vor Höhen haben“, sagt Bela Wettmann aus Berlin. „Die Muskeln müssen gut aufgebaut sein, wenn man springt und sich hoch hangelt“, meint der 16-Jährige.

Knapp 1000 Anhänger hat Parkour nach Schätzungen von Hess in Deutschland. „Die Bewegung breitet sich weiter aus.“ Die Treffpunkte in Berlin, Leipzig, Stuttgart, Nürnberg und München bleiben geheim.

Die Traceurs fürchten einen zu großen Andrang. Ärger mit der Polizei wie beispielsweise in Madrid gebe es in Deutschland nicht, sagt Hess. Privatgelände ist allerdings ohne Erlaubnis tabu. „Parkour kann man überall machen“, meint Sandra Hess. „Du kannst einfach vor deine Haustür gehen.“

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