Hintergrund
Experte: Neue Shuttle-Generation frühestens 2015

Eine neue Shuttle-Generation steht nach Angaben von Experten erst in etwa 15 Jahren bereit. „Die NASA-Planungen sehen das Jahr 2020 vor, aber mit zusätzlichem Geld könnte man die ersten Flüge mit neuem Gerät auch 2015 schaffen“, sagte der Projektdirektor Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Klaus Berge, am Sonntag in Köln.

HB/dpa KÖLN. Die neuen Shuttles sähen aus wie Raketen mit Flügeln, deren einzelne Stufen per Autopilot bald nach dem Start von selbst zur Basis zurückfliegen sollen. Insgesamt sollen die neuen Raumfähren nicht nur sicherer, sondern vor allem einfacher und günstiger zu warten sein. „Das soll so einfach werden wie bei einem Verkehrsflugzeug“, sagte Berge. Auch die Kosten für einen Start, die jetzt bei rund 400 Mill. $ lägen, müssten gesenkt werden.

Die aktuelle Shuttle-Generation sei trotz zum Teil aus den 60er Jahren stammender Technik durchaus sicher. „Im Vergleich zu den Wegwerf-Raketen sind sie sehr zuverlässig“, meinte Berge. Auch der Kölner Experte sieht fehlende Kacheln im Hitzeschild als mögliche Unglücksursache. Die hohen Temperaturen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre könnten dann die Metallkonstruktion des Flügels aufweichen und den Shuttle zerbrechen lassen.

Auch die Europäische Raumfahrt sei in mehrfacher Hinsicht von der Katastrophe betroffen. Experimente der Europäischen Raumfahrt Agentur (ESA) und des DLR hätten 40 % der Gesamtnutzlast an Bord ausgemacht. Die Entwicklung dieser Experimente, an der rund zehn deutsche Wissenschaftler beteiligt gewesen seien, habe zwischen 60 und 80 Mill. € gekostet. Der nächste Flug eines deutschen Astronauten zur ISS, der für Oktober 2004 vorgesehen war, werde nun sicher verschoben, sagte Berge.

Berichte über die Giftigkeit der Trümmer der „Columbia“ entbehren nach Ansicht von Berge jeder Grundlage. Es gehöre zum Konzept, mit solchen Meldungen Andenkenjäger abzuschrecken, um möglichst jedes Teil und dann auch die Ursache des Unglücks zu finden.

Berge erinnerte an die Ziele der Technologie der Raumgleiter. „Nach den Saturn-Raketen wollte man eine sicherere und günstigere Technik, um in Erdnähe eine Raumstation bauen und Experimente in der Schwerelosigkeit machen zu können.“ Die Shuttles - auch die der nächsten Generation - können nur in bis zu 500 Kilometern Höhe operieren.

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