Hitze und Ozonwarnung in Deutschland
Flammenwalzen wüten weiter

Sengende Hitze, wechselnde Winde und extreme Trockenheit erschweren den Kampf gegen die seit Tagen in Südeuropa und Kanada lodernden Waldbrände. In Portugal und Spanien stemmten sich Soldaten und Feuerwehrleute bei Temperaturen bis zu 40 Grad gegen die Flammen. In Kanada trieben Winde mit bis zu 50 Stundenkilometern die Feuer weiter an.

HB/dpa HAMBURG. „Ich habe noch nie eine solche Trockenheit erlebt“, sagte Brandexperte Al Beaver nach kanadischen Medienberichten vom Montag. Experten machten sowohl in Südeuropa als auch in Kanada Brandstifter für mehr als die Hälfte aller Feuer verantwortlich.

In Deutschland war es selten so heiß und so trocken wie in diesem Sommer - und es wird noch heißer. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach sagt für die nächsten Tage tropische Temperaturen bis 40 Grad vorher. Dann könnte auch der „Deutsche Rekord“ aus dem Jahr 1983 gebrochen werden: Am 27. Juli waren im bayerischen Gärmersdorf 40,2 Grad gemessen worden. Am Montag wurde am Mannheimer Flughafen mit 38,9 Grad die höchste Temperatur des Jahres ermittelt, wie der Wetterdienst Meteomedia mitteilte.

In 15 der 18 Bezirke Portugals kämpfen 3000 Feuerwehrleute und 400 Soldaten gegen 72 Waldbrände. Die Regierung erklärte am Montag den „Katastrophenzustand“. Das Land erhält damit Anrecht auf Hilfe durch die anderen Staaten der Europäischen Union. Bislang starben neun Menschen. 15 000 Hektar Wald- und Buschland wurden seit Ausbruch der Brände ein Raub der Flammen. Die Waldbrände haben nach Angaben des Reiseveranstalters Olimar kaum Auswirkungen auf die Touristen im Land.

In Spanien entspannte sich die Lage. In den vergangenen Tagen waren 10 000 Hektar Wald in Flammen aufgegangen. Am stärksten waren die Gegend von Avila im Zentrum des Landes und von Cáceres im Südwesten betroffen. Hunderte Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Der Westen Kanadas erlebt die schlimmsten Waldbrände seit mehr als 50 Jahren. In den Provinzen British-Columbia und Alberta wurden 11 000 Menschen vor den rund 350 Brandherden in Sicherheit gebracht. Auch in Russland steht der Wald an mehr als 500 Stellen in Flammen. Der Schwerpunkt liege im europäischen Nordwesten des Landes, teilte das Ministerium für Naturressourcen in Moskau am Montag mit.

Heißester Anwärter für Temperaturrekorde in Deutschland sind die Innenstädte im Süden. „Die 40 Grad werden vielleicht am Mittwoch in einer Innenstadt wie Freiburg erreicht, flächendeckend wird es nicht ganz so heiß werden“, sagte ein Meteorologe vom Wetteramt Stuttgart. Meteomedia-Wetterexperte Jörg Kachelmann sieht tropische Nächte auf die Deutschen zukommen. „Vor allem im Süden Deutschlands fallen die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad“, sagte er in einem dpa- Gespräch.

In Thüringen bekommen fünf Dörfer Wasser aus Tankwagen. Von den Versorgungsproblemen seien bisher aber nur rund 100 Einwohner betroffen, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Montag. In Hessen und Rheinland-Pfalz wurden die Menschen wegen der hohen Ozonbelastung von mehr als 180 Mikrogramm je Kubikmeter Luft aufgefordert, auf Autofahrten zu verzichten. Mediziner rieten vor allem Herz-Kreislauf-Kranken und Allergikern, Anstrengungen im Freien zu vermeiden.

Wegen der Trockenheit ist in Brandenburg nach Angaben des Agrarministeriums die Waldbrandwarnstufe III (hohe Waldbrandgefahr) ausgerufen worden. Das waldreiche Land ist wegen der Trockenheit und der Kiefernmonokulturen das am meisten durch Waldbrände gefährdete Gebiet Deutschlands. Auch in anderen Bundesländern stieg die Waldbrandgefahr. Die Bürger wurden zu erhöhter Vorsicht aufgerufen.

In Südfrankreich, wo die Feuer mehr als 30 000 Hektar Wald- und Buschland zerstört haben, gab es in vielen Urlaubszielen der Provence eine Flut von Absagen bei Hotels und auf Campingplätzen. „Auch wenn der August sehr gut wird - die Ausfälle des Monats Juli wird er nicht wettmachen können“, sagte der Präsident der Hoteliersvereinigung, André Daguin.

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