HIV
Epidemie bremst Afrikas Wirtschaft

Aids ist nicht nur für die Betroffenen tragisch – vor allem in Afrika zieht die Seuche auch die Wirtschaft erheblich in Mitleidenschaft. Viele südafrikanische Unternehmen sind inzwischen dazu übergegangen, ihre Mitarbeiter für zwei oder drei unterschiedliche Tätigkeiten auszubilden, so dass sie an Aids verstorbene Kollegen ersetzen können.

wd KAPSTADT. Nach einem Bericht der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung ist in einigen Ländern südlich der Sahara inzwischen fast jeder fünfte der erwachsenen Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert, der Aids verursacht. Die Krankheit zerstöre nicht nur Familien sondern ganze Dorfgemeinschaften und beraube Afrika ausgerechnet der produktivsten Kräfte, während Alte und Kinder zurückblieben, sagt Renate Bähr, stellvertretende Geschäftsführerin der DSW.

Das Aids-Programm der Vereinten Nationen (Unaids) schätzt, dass rund 25 der fast 40 Millionen Menschen, die weltweit HIV-positiv sind, in den Ländern südlich der Sahara leben. Allein in Südafrika, dem einzigen Industriestaat des Kontinents, gibt es etwa 5,5 Millionen HIV-positive Personen. Rund 18 Prozent der 20- bis 65-Jährigen sind infiziert, nur Swasiland und Botswana haben noch höhere Raten. Rund 500  000 der HIV-positiven Südafrikaner sind inzwischen akut an Aids erkrankt. Viele südafrikanische Unternehmen sind inzwischen dazu übergegangen, ihre Mitarbeiter für zwei oder drei unterschiedliche Tätigkeiten auszubilden, so dass sie an Aids verstorbene Kollegen ersetzen können.

Die Schätzungen, wie stark die Epidemie die Wirtschaft am Kap belastet, schwanken. Das südafrikanische Finanzministerium geht davon aus, dass Aids das Wachstum pro Jahr um mindestens einen halben Prozentpunkt drosseln würde, wenn die Regierung nicht gegensteuert. Laut einer Studie des Bureau for Economic Research (BER) der Universität Stellenbosch wird Südafrikas Wirtschaft zwischen 2000 und 2110 nicht, wie ursprünglich erwartet, um 4,4 Prozent wachsen, sondern nur um vier Prozent. Das dramatischste Szenario malte die Weltbank 2003 an die Wand: Infolge der großen Zahl von Aids-Kranken werde sich das Pro-Kopf-Einkommen in der Kaprepublik binnen 90 Jahren halbieren.

Das Bureau for Economic Research hält dieses Horrorszenario indes für stark überzogen. Es berücksichtige weder die hohe Zahl von Arbeitslosen am Kap, die Aids-Opfer ersetzen könnten, noch den verstärkten Einsatz von Medikamenten gegen die Auswirkungen der Immunschwächekrankheit.

Der weltweit drittgrößte Goldförderer Anglogold Ashanti ist ebenfalls überzeugt, dass die Kosten der Epidemie überschätzt werden und sich in Wahrheit auf weniger als zwei Prozent der Lohnkosten belaufen. Weitaus besser lassen sich die direkten Kosten für die Aids-Programme beziffern: Anglogold Ashanti veranschlagte dafür letztes Jahr umgerechnet 1,4 Mill. Euro. Nach einer Studie der Universität Stellenbosch haben inzwischen 58 Prozent der Finanzdienstleister und 50 Prozent der Firmen im verarbeitenden Gewerbe eigene Aids-Programme aufgelegt.

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