Hoch bewegt sich nicht vom Fleck
„Michaela“ schafft die 40-Grad-Marke

Die 40-Grad-Marke ist erreicht - und die extreme Hitze und Trockenheit bleiben in Deutschlands bis mindestens Anfang nächster Woche. Hoch „Michaela“ liegt wie fest verankert über der Nordsee und weicht nicht von der Stelle, wie es am Donnerstag hieß. Angesichts der sengenden Sonne boomt das Geschäft mit Eis, Mineralwasser und Bier. Auf manchem deutschen Fußballplatz soll wegen der Rekordtemperaturen der Anstoß auf den Abend verschoben werden.

HB/dpa OFFENBACH/BOCHUM/HAMBURG. Der deutsche Hitzerekord von 40,2 Grad wurde am Donnerstag nur ganz knapp verfehlt. In Perl-Nennig im Saarland zeigte das Thermometer nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia (Bochum) genau 40 Grad an. Der bisherige Rekord war 1983 in Gärmersdorf in der Oberpfalz gemessen worden.

Ein richtiger Wetterumschwung sei weit und breit nicht in Sicht, sagte Meteorologin Marilott Grosch vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. In Hessen sorgten am Donnerstag einige spärliche Regentropfen für leise Hoffnung. „“Michaela“ hat an der Südflanke etwas geschwächelt“, sagte Grosch dazu. Am Mittag war der Zauber wieder vorbei. Vorerst klettern die Temperaturen tagsüber bis nahe 40 Grad, nachts gibt es kaum Erfrischung.

Die Produktion von Eis, Mineralwasser und Bier läuft bundesweit auf Hochtouren - teils rund um die Uhr und an den Wochenenden. Das ergab eine dpa-Umfrage am Donnerstag. Viele Eishersteller, Brauereien und Mineralwasserproduzenten fahren Sonderschichten, um die große Nachfrage zu befriedigen. Engpässe konnten nach Angaben der Unternehmen bisher vermieden werden.

Auch Wassermangel ist nach Angaben der Versorger in Deutschland nicht zu befürchten. Selbst wenn es noch länger heiß und trocken bleibt, drohten Verbrauchern keine Einschränkungen, teilte der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft auf Anfrage in Berlin mit. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte angesichts der idealen Bedingungen eine intelligentere Nutzung der Sonnenenergie. Es sei höchste Zeit, „die Sonne richtig anzuzapfen“, sagte Greenpeace-Energieexperte Sven Teske in einem dpa-Gespräch.

Auf deutschen Fußballplätzen kehren neue Sitten ein: Statt tagsüber bei brütender Hitze dem Leder hinterherzujagen, soll der Anpfiff abends erfolgen. So verlegten die Fußball-Verbände von Unter- und Oberfranken die Anstoßzeiten des ersten Spieltages der Amateurvereine in die Abendstunden. Die drei baden-württembergischen Fußball-Verbände erlauben den Vereinen, am Wochenende die Anstoßzeiten vom Nachmittag in den Abend zu verschieben. Ähnliche Überlegungen gibt es auch in Südbaden und Hessen.

In Hamburg rückte die Polizei zur Bewässerung des Stadtparkes mit Wasserwerfern aus. Fünf Fahrzeuge seien unterwegs zu einer Übung und müssten vorher ihr Wasser ablassen, um Sprit zu sparen. „Und was könnte man mit dem Wasser Besseres tun, als den Bäumchen nasse Füße zu machen“, sagte Polizeisprecherin Christiane Leven.

Die hohen Ozonwerte und die Trockenheit begünstigen nach Ansicht von Naturschützern das Waldsterben. Das Zusammenspiel beider Faktoren beeinträchtige das Wachstum und die Vitalität der Bäume, warnten der Deutsche Forstwirtschaftsrat und die Stiftung Wald in Not in Bonn.

Die andauernde Warmwetterperiode beeinflusst nach Angaben von Experten auch die Tierwelt. „In Afrika und am Mittelmeer beheimatete Schmetterlingsarten wie der Wanderfalter Taubenschwänzchen oder auch der Diestelfalter sind in den vergangenen Wochen mit der südlichen Strömung über die Alpen bis an die Elbe gekommen“, sagte Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein. Bei den Vögeln wagt sich inzwischen der südeuropäische Seidenreiher in den Norden.

Dagegen vergeht den einheimischen Kühen langsam der Appetit. „Den Kühen ist es schon bei über 28 Grad zu heiß zum Fressen“, sagte der Sprecher der Landwirtschaftskammer Hannover, Peter Wachter.

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