Hochwasser
Das große Zittern in Ostdeutschland

Das Rekord-Hochwasser bedroht Zehntausende. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg ist die Lage besonders dramatisch. An der Elbe droht der Scheitelpunkt der Flut am Wochenende. Kanzlerin Merkel sagte Hilfen zu.
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Die braunen Fluten überschwemmen weiterhin viele Orte in Süd- und Ostdeutschland. Die Flüsse verwandeln ganze Regionen in Seenplatten. Besonders stark betroffen war nach wie vor Passau mit dem schlimmsten Hochwasser seit einem halben Jahrtausend. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Vormittag die überschwemmte Stadt in Bayern besucht. Die Kanzlerin will sich vor Ort ein Bild von der Lage in den deutschen Hochwasserregionen machen. Sie sagte bereits Soforthilfen in Höhe von 100 Millionen Euro zu. Von Bayern reist sie ins sächsische Pirna weiter, am frühen Nachmittag ist ein Besuch in Greiz in Thüringen geplant. Auch dort sind tausende Menschen vom Hochwasser betroffen.

Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper forderte den Bund zu Unterstützung auf. „Wir erwarten schnelle, umfassende und unbürokratische Hilfe", sagte er in Passau. Dupper fügte hinzu: „Wir erwarten uns Geld." Vor Ort gibt es aber bereits einen Lichtblick: Dort hatte die Donau am Montagabend ihren Scheitelpunkt bei einem vorläufigen Messwert von 12,89 Metern erreicht. Nach Angaben des Landesamts für Umwelt fällt der Wasserspiegel seither um mehrere Zentimeter pro Stunde. Bis zum Nachmittag soll der Pegelstand auf zehn Meter zurückgegangen sein.

Die Stadtwerke hatten dort die Trinkwasserversorgung in der Stadt gekappt – denn durch das Flusswasser droht eine Verunreinigung. Der Strom war abgestellt. Auch die Festnetz-Telefone funktionierten nicht mehr. In Regensburg dagegen verschärfte sich die Lage in der Nacht.

Ganz anders ist die Lage weiter nordostwärts: Sachsen-Anhalt erwartete im Laufe des Tages eine höhere Flutwelle als beim historischen Katastrophenhochwasser im Jahr 2002. Die Pegelstände vieler Flüsse stiegen unaufhörlich. Katastrophenalarm wurde auch in Magdeburg ausgerufen. Er galt zudem weiter in den Städten Halle, Dessau-Roßlau sowie im Kreis Anhalt-Bitterfeld und im Burgenlandkreis.

In Melnik am Zusammenfluss von Elbe und Moldau stehe das Wasser nur noch 60 Zentimeter unter der Deichkrone, wie das Tschechische Fernsehen berichtete. In der Industriestadt Usti (Aussig) ordneten die Behörden die Evakuierung von weiteren Wohngebieten mit rund 2000 Einwohnern an. Dort werde am Mittwoch ein Pegelstand erwartet, der nur einen knappen Meter unter dem des „Jahrhunderthochwassers“ von 2002 liegen dürfte. In fast allen Regionen Tschechiens gilt seit Sonntag der Notstand. In der Sächsischen Schweiz wurden die Orte Schmilka und Postelwitz evakuiert. Viele Hotels in Flussnähe mussten schließen.

Entlang der Elbe droht in Niedersachsen zum Wochenende ein Rekord-Hochwasser. Die Wasserstände könnten noch die von 2002 und 2011 übersteigen, befürchten die Behörden. „Man kann noch nicht genau sagen, an welchem Tag das Hochwasser Niedersachsen erreicht. Und es ist auch noch nicht klar, wann der höchste Stand zu erwarten sein wird“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Hannover. In Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg könnte der Pegelstand am Montag 80 Zentimeter über dem von 2011 liegen, warnte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz am Dienstag. Im Kreis Lüneburg dürften die Wasserstände für die höchste Alarmstufe bereits am Freitag überschritten werden.

Die anschwellende Elbe drängt auch in die Altstadt der sächsischen Stadt Pirna. In flussnahen Gebieten musste in der Nacht der Strom abgeschaltet werden. Bewohner wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. „Es gab aber keine Zwangsevakuierungen“, sagte Stadtsprecher Thomas Gockel am Dienstag. Notquartiere stünden bereit. Die Anlegestelle und erste Straßen hinter dem Bahndamm stünden im Wasser. Das elbaufwärts liegende Obervogelgesang sei komplett überspült, dort kämen die Bewohner nur noch über Notwege in ihre Häuser. „Und der Scheitel ist noch nicht erreicht.“ In Dresden wurde bereits die erste Elbbrücke gesperrt.

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  • Völlig richtig, bin genau Ihrer Meinung. Dieser Hochwasserschutz wäre tatsächlich machbar, wenn endlich die Gelder statt für überflüssige und bei weitem überbezahlte Beamte für Infrastrukturen ausgegeben würden.

    Aber die naive Landpommeranze aus der Uckermark blickt's einfach nicht!

  • Mit relativ geringem Investment ist der dauerhafte Schutz vor Überflutungen möglich, jedenfalls wenn man endlich Ingenieure statt Politiker an das Problem ran lässt.
    Sowohl in Passau, Leipzig, Grimma oder Dresden und sonstwo können dauerhaft wirksame flexible Flut- Wände errichtet werden. Sogar mechanisch und/oder elektrisch/hydraulisch versenkbar, die das Stadt- Bild bei Niedrigwasser dann überhaupt nicht stören und nur bedarfsweise hochgefahren oder aufgebaut werden.
    Einfachste Form: einsteckbare Profile, in welche Wände abschnittweise eingesteckt werden (z. B. die Stadt Köln hat sowas schon), statt - wie im Mittelalter - Sandsäcke erst zu füllen und dann unkoordiniert von Hilfskräften hinzulegen...an kritischen Stellen der Altstädte können - wie erwähnt – diese dann motorisch ausfahren.
    Das Ganze kostet weniger als die "Rettungsmaßnahmen" der Folgeschäden von ein oder zwei Uberflutungs- Katastrophen!
    Die Finanzierung dieser Vorsorgemaßnahmen wird durch Halbierung der Planstellen realisiert in allen aufgeblähten und bei weitem überdimensionierten Behörden – z. B. in den Finanzämtern, die unnötig komplizierte und historisch gewachsene Schachtelgesetze als ABM-Beschäftigung “bearbeiten“, statt diese zu entrümpeln und zu vereinfachen (siehe Vorschläge Wikipedia: Kirchhof/Merz/Lang/ Koch etc). Deshalb sofortige Halbierung der Bezüge aller Finanzbeamten und Zwang zur Umsetzung dieser Steuervereinfachungs- Konzepte.
    Ähnliches gilt für alle anderen “Dienstleister“ unter den öffentlich mit Steuergeldern durchgefütterten Beschäftigten, die alle dringendst privatisiert und unter Wettbewerbsdruck gestellt werden müssen.
    Dann werden weitere 30 Mia EURO frei zur Finanzierung von Infrastrukturen, wie die oben genannten Maßnahmen zum Überflutungsschutz oder z. B. überfälliger Autobahnneubau oder Modernisierung der Hochspannungs- Netzwerke – seit 20 Jahren passiert da nichts!!!

  • Natürlich wird sie das. Aber sie wird auch auf Richtigkeit kontrolliert.

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