Hochwasserlage
Sinkendes Wasser, steigende Hoffnung

Das Hochwasser der Elbe in Sachsen geht nur langsam zurück. Aber schon jetzt sind Helfer dabei, wieder ein Stück Normalität herzustellen. Entwarnung ist jedoch noch lange nicht geboten; die Lage im Osten und Norden Deutschlands bleibt angespannt.

HB PIRNA/BAD SCHANDAU. Am „Tor zur Sächsischen Schweiz“ in Pirna herrscht schon am Donnerstagvormittag verhaltene Aufbruchstimmung. „Wir sind einfach froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist“, sagt Dietmar Gröschel. Der Chef einer kleinen Installationsfirma sitzt vor der Einfahrt seines Hauses, die er vor ein paar Tagen vorsorglich bis auf einen Meter Höhe zugemauert hatte. „Wasserdicht“, betont er. Den Beweis musste das graue Bauwerk jedoch nicht antreten – wenige Zentimeter trennten die Elbe vom Mauersockel.

Im Hintergrund ist ein Dieselaggregat zu hören. Es treibt die Pumpe an, mit der das Wasser aus dem Keller gezogen wird. „Wir pumpen aber nur so viel ab, dass die Kellerdecke trocken bleibt“, sagt Gröschel.

Um die Ecke, in der kleinen Kneipe „Zur armen Sau“, herrscht schon rege Betriebsamkeit. Bockwürste und Bier sind gefragt. Einige Helfer, die auf der Straße liegende Sandsäcke einsammeln, gönnen sich eine Pause. „Das Schlimmste ist vorbei“, ist sich ein Mittfünfziger sicher. Vielleicht auch deshalb, weil es so schlimm für die „Arme Sau“ gar nicht kam und das Wasser auch hier nicht über die Schwelle drückte.

Andere, wie Jeannette Lauber, hat es schlimmer erwischt. Die Eigentümerin des „Café Altstadt“ wischt gerade die trüb-braunen Hinterlassenschaften des Flusses vom Boden ihres Restaurants. „Am Wochenende will ich wieder öffnen“, sagt sie. „Wenn bis dahin wieder der Strom da ist.“ Ein naher Friseursalon wird ebenfalls einer grundlegenden Reinigung unterzogen. Die durchtränkten Sandsäcke, die neben der Tür liegen, erzählen ihre eigene Geschichte. „Es muss ja weitergehen“, sagt die Besitzerin.

In Pirna sind die Zeichen dafür gut: Immerhin wurde das eigentliche Zentrum der Altstadt, der Marktplatz, im Gegensatz zur Jahrhundertflut 2002 verschont. Etwas weiter elbaufwärts, in Bad Schandau, sieht das alles anders aus. Schlauchboote der Polizei sind unterwegs.

Trotz der schlechteren Ausgangslage wollen die Einwohner vor dem Hochwasser nicht kapitulieren. Tinh Bach, der ein China-Restaurant betreibt, hat zwar immer noch 20 Zentimeter hoch das Wasser im Lokal stehen. „Aber gestern war es noch so hoch“, sagt er und führt die Handfläche zur Hüfte. Nachbar Gerhard Berger hat sein Fotogeschäft schon halbwegs sauber. „Jetzt warten wir auf den Gutachter der Versicherung, dann geht's weiter“, verspricht er.

Ein paar Schritte weiter bergauf steht Uwe Heinze im Eingang seines roten Gasthauses. „Ostern mache ich wieder auf, das steht fest wie das Amen in der Kirche“, sagt er. Absagen für die Zimmer habe er bislang nicht gehabt. „Die Berge sind ja nicht abgesoffen“, lautet seine Begründung, denn viele Gäste nutzen den Ort als Ausgangspunkt für Wandertouren durch das Elbsandsteingebirge. Für die kommenden Tage ist Heinze ganz optimistisch. „Alle sind in den Startlöchern. Sobald das Wasser raus ist aus den Häusern, heißt es Saubermachen und Öffnen.“

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