Hoeneß-Prozess
Die letzten Stunden zwischen Hoffen und Bangen

Die Entscheidung naht: Uli Hoeneß hofft auf eine Einstellung des Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung oder zumindest auf eine Bewährungsstrafe. Doch der Staatsanwalt fordert fünfeinhalb Jahre Haft.
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MünchenIm spektakulären Steuer-Prozess gegen Uli Hoeneß hat die Anklage eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten für den Präsidenten des FC Bayern gefordert. Es handele sich um einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung, sagte Staatsanwalt Achim von Engel am Donnerstag vor dem Landgericht München II. Hoeneß' Anwalt Hanns Feigen hält höchstens eine Bewährungsstrafe für angemessen, diese kann zwei Jahre nicht übersteigen. Zudem forderte er die Aussetzung des Haftbefehls. Falls das Gericht davon ausgehe, dass die Selbstanzeige wirksam sei, sei von Straffreiheit auszugehen.

„Ich habe dem Vortrag von meinem Verteidiger nichts hinzuzufügen. Er hat alles gesagt, was ich nicht besser hätte formulieren können“, erklärte Hoeneß in seinem Schlusswort. Er legte seiner Frau Susi die Hand auf den Arm, als er den Saal 134 im Münchner Justizpalast verließ.

Richter Rupert Heindl werde nicht vor 14 Uhr ein Urteil verkünden, sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz nach den Plädoyers. Für Hoeneß begannen damit letzte Stunden zwischen Hoffen und Bangen, dass seine Selbstanzeige doch gültig ist oder vom Gericht zumindest als erheblich strafmildernd bewertet wird. Die Anklage war ursprünglich von 3,5 Millionen Euro hinterzogenen Steuern ausgegangen.

Im Laufe des Prozesses hatte sich diese Summe auf mindestens 27,2 Millionen Euro erhöht. Die Verteidigung hatte diese Steuerschulden anerkannt. Der Haftbefehl gegen Hoeneß war im Frühjahr vergangenen Jahres gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro außer Vollzug gesetzt worden.

Im Kern ging es bei den Plädoyers um die Wirksamkeit der im Januar 2013 vom Bayern-Boss gestellten Selbstanzeige. „Eine wirksame Selbstanzeige, die die Verfolgung verhindern würde, liegt nicht vor“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Eine Selbstanzeige müsse zumindest so viele Angaben enthalten wie eine Steuererklärung. „Das ist bis heute nicht der Fall“, betonte von Engel. Hoeneß hörte von Engels Ausführungen ohne merkliche Regung zu. Bei manchen Punkten flüsterte er seinen Verteidigern etwas zu. Seine Frau Susi wirkte besorgt.

„Die Tat wird überlagert von einer vollständigen Rückkehr zur Steuerehrlichkeit“, sagte Feigen. „Die Stunde Null dieses Verfahrens ist der 17. Januar 2013. Das war die Rückkehr des Herrn Hoeneß zur Steuerehrlichkeit“, betonte der Staranwalt. Es gebe bisher keine Urteile, wie mit einer solchen fehlgeschlagenen Selbstanzeige umzugehen sei. Es sei zu prüfen, warum die Selbstanzeige fehlgeschlagen sei. Das sei nicht die Schuld von Hoeneß gewesen, die Selbstanzeige sei von Beratern erstellt worden. Es wäre besser gewesen, wegen diverser Unklarheiten eine Schätzung vorzunehmen.

An den Staatsanwalt gerichtet sagte Feigen, er halte die von ihm beantragte Strafe „in der Oktave für völlig verfehlt“. Auch die Anklagebehörde habe festgehalten, „dass ohne die Selbstanzeige die Ermittlungen der Behörden ergebnislos verlaufen wären“.

Für Hoeneß spreche zwar, dass er ein Geständnis abgelegt habe, nicht vorbestraft sei und unter einer großen psychischen Belastung stehe, räumte Ankläger von Engel ein. Der Prozess habe einen „gewaltigen medialen Wirbelsturm“ ausgelöst. Hoeneß habe öffentlich am Pranger gestanden. Auch Hoeneß' Lebensleistung, sein soziales Engagement und die verunglückte Selbstanzeige können den Bayern-Boss aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht vor einer Gefängnisstrafe bewahren. Gewichtige Milderungsgründe, die eine Bewährungsstrafe rechtfertigen würden, seien das alles nicht, erklärte von Engel.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es wäre besser gewesen die Staatsanwaltschaft hätte 10 Jahre Haft gefordert. Dann wären im Urteil die 5 Jahre -verhängt- worden. Wenn Hoeneß Bewährung bekommt dann heisst es ab sofort: Willkommen in der Bananenrepublik Deutschland.

  • Sicherlich ist da weder mit einem erhobenen Zeigefinger noch mit einem mahnenden Wort zu rechnen...

    Ich schätze mal 5 Jahre +/- 6 Monate o.B.

  • "Im schlimmsten Fall" könnte der Richter bei der Festsetzung der Strafe über die Forderungen des Staatsanwaltes hinausgehen, was ich aber für unwahrscheinlich halte.

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