Hoffen auf mehr Sonne
Schwimmbäder ziehen "katastrophale" Zwischenbilanz

Leergefegte Freibäder, verwaiste Gartenlokale und einsame Eisverkäufer – der Sommer mit dem ausgiebigen Regen und den viel zu niedrigen Temperaturen belastet die wetter- und saisonabhängigen Branchen. Doch noch könnte die Saison gerettet werden: mit ein paar Wochen Sonnenschein.

HB DÜSSELDORF/HAMBURG/FRANKFURT. Für die Düsseldorfer Bädergesellschaft verlief die Sommersaison bislang „katastrophal“, wie der Leiter Rüdiger Steinmetz sagt. „Einen so schlechten Juni und Juli hatten wir schon lange nicht mehr“, erklärt er. Im Vergleich zum Vorjahr sei ein Besucherrückgang um mindestens 60 Prozent zu verzeichnen. „Bis Ende Juni blieb alles noch im Rahmen des letzten Jahres, aber dann ging es rapide abwärts“, sagt die Abteilungsleiterin Bäder der Erfurter Stadtwerke, Kathrin Knabe-Lange. In Stuttgart betrug der Rückgang in den fünf Freibädern gut ein Drittel. Die Wiesbadener Freibäder haben bislang rund 50 Prozent ihrer Besucher eingebüßt. Wie der Sprecher der Stadt, Siggi Schneider, sagt, ist es derzeit aber noch zu früh, um etwas zu möglichen finanziellen Verlusten zu sagen.

Auch die Hamburger Freibäder leiden enorm unter dem Wetter: Falls jetzt noch sechs Wochen Sonne kämen, „könnten wir im Ergebnis vielleicht noch einen mittleren Sommer erreichen“, sagt Sprecherin Kirsten Morisse vom Betreiber Bäderland. Einen kleinen wirtschaftlichen Ausgleich bringen nach ihren Angaben die Hallenbäder und Thermen, die zur Zeit besser als gewöhnlich im Juli besucht sind.

Große Einbußen verzeichnen auch Teile der Gastronomie: Kaum jemand hat sich zuletzt etwa in das Terrassenlokal „Miles Smiles“ in Düsseldorf gewagt. „Die Leute sind geflüchtet oder gar nicht erst gekommen, wenn der Regen wieder mal eingesetzt hat“, sagt Mitarbeiterin Kathrin Schwager. 30 Prozent Umsatzeinbußen kalkuliert sie bislang.

Lutz Deyhle von Hamburgs bekanntestem Beachclub Hamburg del Mar ist ebenfalls betrübt angesichts leerer Stühle: „In den letzten drei bis vier Wochen haben sich nicht allzu viele Gäste hierher verirrt“, sagt er. Auch 600 Wolldecken, Heizpilze und ein großes Vordach machten die Lage nicht wirklich besser. „Wir müssen jetzt die Zähne zusammenbeißen, irgendwann kommt die Sonne“, sagt er. Deyhle beklagt, dass die Wettervorhersage in den letzten Wochen oft Regen angekündigt habe, es dann aber tatsächlich warm und sonnig gewesen sei.

„Im vergangenen Jahr sind wir noch von einem Supersommer mit der Fußballweltmeisterschaft verwöhnt worden“, sagt Angelika Sauer, Chefin des Erfurter Waldcasinos, einer beliebten Ausflugsgaststätte. „In diesem Jahr war der Mai noch sehr schön, aber der Sommer war bisher ziemlich bescheiden.“ Wenn es so bleibe, müsse mit Verlusten um 30 Prozent gerechnet werden.

„Wer hat bei solch kühlen Temperaturen schon Lust auf ein Eis?“, fragt der Düsseldorfer Eisdielen-Besitzer Klaus Marcon. Geschlagen gibt er sich aber nicht: „Ab dem Wochenende wird es besser, da bin ich absolut sicher.“ Ein paar Wochen Sonne könnten die Verluste schnell wieder wett machen, gibt er sich überzeugt.

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