Hohe Strahlung um Fukushima
IAEA empfiehlt weitere Evakuierungsmaßnahmen

Die japanische Regierung kämpft verzweifelt gegen die Atom-Katastrophe. Nun soll die Strahlung per Kunstharzversiegelung eingedämmt werden. Für Sorgen sorgt allerdings auch das bisher sichere Kraftwerk Fukushima zwei.
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Tokio/Wien/WashingtonDie Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) rät Japan zur weiteren Evakuierung eines Ortes in der Nähe des zerstörten Atomkraftwerks Fukushima. In dem 7000-Einwohner-Ort Iitate im Nordwesten des Kraftwerks gelegen hätten Teams der Atombehörde die höchsten Strahlungswerte gemessen, sagte der IAEA-Experte für nukleare Sicherheit, Denis Flory, am Mittwoch. Flory fügte bei einer Pressekonferenz in Wien hinzu: „Eine erste Beurteilung deutet darauf hin, dass eine der IAEA-Kriterien für die Evakuierung überschritten wurde.“

Man habe Japan geraten, sich die Situation dort genau anzusehen, sagte Flory. Iitate liegt etwa 40 Kilometer von den Unglücksreaktoren entfernt. Auch die Umweltorganisation Greenpeace hatte bereits nach eigenen Messungen die Evakuierung des Ortes und eine Ausweitung der Evakuierungszone von 20 auf 40 Kilometer gefordert. Die IAEA hat im Bereich der nuklearen Sicherheit kaum Kompetenzen und kann Mitgliedsstaaten nur Ratschläge geben, aber nichts anordnen.

Vor Ort herrscht die schiere Verzweiflung im Kampf gegen die Strahlen-Lecks: Japans Regierung will die verstrahlten Trümmern mit Kunstharz besprühen lassen, um die Radioaktivität einzudämmen. Dabei soll ein ferngesteuertes Fahrzeug zum Einsatz kommen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch meldete.

Für Beunruhigung sorgte ein Zwischenfall am Kernkraftwerk Fukushima Zwei. Dort ist am Mittwoch etwa eine Stunde lang Rauch aufgestiegen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreiberfirma Tepco. Der Rauch kam laut Tepco von einer Stromverteiler-Einheit in einem Turbinenraum im ersten Stock. Er sei dann wieder verschwunden. Genaue Angaben zur Ursache des Rauchs gab es zunächst nicht.

Fukushima Zwei befindet sich etwa zehn Kilometer vom stärker beschädigten Krisen-AKW Fukushima Eins entfernt. Die vier Reaktorblöcke in Fukushima Zwei seien stabil, hieß es bei Tepco. Sie wurden nach dem Erdbeben vom 11. März heruntergefahren.

Regierung und Atomexperten in Japan diskutierten „jede Möglichkeit“, um das havarierte Kraftwerk unter Kontrolle zu bringen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch nach Angaben von Kyodo.

Der Hintergrund: An der Küste bei Fukushima wurde der gesetzliche Grenzwert an radioaktivem Jod-131 um das 3355-Fache überschritten. Der Wind drehte am Mittwoch in Richtung Tokio. Mit ihm könnten radioaktive Partikel den Ballungsraum mit seinen 35 Millionen Menschen am Donnerstag für einige Stunden erreichen. Das meldete der Deutsche Wetterdienst in Offenbach.

Das Besprühen der Fukushima-Trümmer mit wasserlöslichem Kunstharz soll Donnerstag beginnen. Die Harzschicht könnte verhindern, dass der Küstenwind radioaktiv belasteten Staub fortträgt.

Die Regierung überlegt außerdem, die Reaktoren mit Spezialgewebe abzudecken. Um was für ein Gewebe es sich handeln könnte, sagte Edano bei der Pressekonferenz nicht. Als dritte Notmaßnahme ist im Gespräch, radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Kraftwerk in ein Tankschiff auf dem Meer zu pumpen.

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