Hoher sozialer Druck
Drei Millionen Italiener täuschen Fahrt in die Ferien vor

Drei Millionen Italiener täuschen ihrer Umwelt vor, sie seien in Ferien gefahren, bleiben in Wahrheit aber wegen Geldmangel zu Hause. Laut einer Studie von Psychologen verbarrikadieren sich die Daheimgebliebenen regelrecht in ihren eigenen vier Wänden.

HB/dpa ROM. Mit Tricks, Geflunker und Lügen versuchten sie verzweifelt zu verhindern, dass ihnen Freunde und Kollegen auf die Schliche kommen. „Wenn Ferien zur Lüge werden“, schrieb eine römische Zeitung am Montag.

Nach Angaben der Psychologen-Vereinigung „Help me“ füllen die Daheimgebliebenen ihren Kühlschrank mit Tiefkühlprodukten, um längere Zeit nicht aus dem Haus zu müssen. Damit die Kinder bei Laune bleiben, werden Video-Spiele und Bücher gekauft. Das Handy wird ausgestellt, beim Festnetztelefon der Anrufbeantworter eingeschaltet. „Die Betroffenen empfinden das Daheimbleiben als Schande“, erklärt ein Psychologe.

Ein weiterer Trick sei es, die Zimmerpflanzen bei Nachbarn zum Gießen abzugeben. Manche kauften sogar eine Höhensonne, um braun gebrannt aus dem „Phantomurlaub“ zu kommen. Andere bestellten sich per Internet „Mitbringsel“ aus dem vermeintlichen Feriengebiet. 19 % der Italiener bleiben diesen Sommer zu Hause, heißt es. Nicht immer sei Geldmangel der Grund, Singles fehle mitunter der Reisegefährte. „Viele Beziehungen sind so oberflächlich“, meint ein Psychologe. „Wenn man genau hinschaut, findet man niemanden zum Wegfahren.“

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