Holocaust-Affäre
Attacken gegen den Papst reißen nicht ab

Der Protest gegen die Rehabilitierung von vier traditionalistischen Bischöfen durch Papst Benedikt XVI. geht mit unverminderter Schärfe weiter. Nicht nur der Hamburger Erzbischof Thissen fand deutliche Worte für die päpstliche Entscheidung einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren, auch der Zentralrat der Juden äußerte scharfe Kritik.

HB ROM/HAMBURG/GRAZ. Der Protest gegen die Rehabilitierung von vier traditionalistischen Bischöfen durch Papst Benedikt XVI. geht mit unverminderter Schärfe weiter. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen nannte die Rücknahme der Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson im „Hamburger Abendblatt“ eine schlechte Entscheidung. Für den renommierten Grazer Kirchenhistoriker Maximilian Liebmann war die Entscheidung des Papstes zur Rehabilitation Williamsons „kein Versehen“, sondern Teil einer „wohlüberlegten Strategie“. „Dies war kein Unfall aufgrund mangelnder Kommunikation“, betonte Liebmann. Der erste vor wenigen Tagen vom Papst rehabilitierte Bischof Bernard Tissier de Mallerais kündigte inzwischen an, die Traditionalisten wollten „unsere Positionen nicht ändern, sondern Rom bekehren“.

Nach der offenen Kritik aus der katholischen Kirche vom Wochenende fand am Montag auch der Hamburger Erzbischof Thissen deutliche Worte für die päpstliche Entscheidung. Zwar habe Benedikt XVI. die Kluft zu den Traditionalisten überbrücken wollen, doch „hätte geklärt werden müssen, was die Meinung Williamsons ist“. Der Brite hatte in einem TV-Interview gesagt, es seien nicht sechs Mio. Juden von den Nazis getötet worden, sondern zwischen 200 000 und 300 000. Er leugnete zudem die Existenz von Gaskammern in den Vernichtungslagern.

Dass diese Äußerungen mit der Rehabilitation durch den Vatikan zusammenfielen, sei „furchtbar“, meinte Thissen. Das Verhältnis zu den Juden und zur Ökumene habe durch die Entscheidung des Papstes „faktisch Schaden erlitten“. „Dass in Hinblick auf Williamson nachgearbeitet werden muss, halte ich für sicher“, forderte der Erzbischof. Dem schloss sich auch der Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan Kramer, an. Das Vorgehen des Vatikans stelle alles infrage, was dort bisher geäußert wurde. „Wir stehen jetzt im Prinzip vor einem Scherbenhaufen oder wir fragen uns, ob wir vor einem Scherbenhaufen stehen, das muss der Papst klarstellen“, sagte er im TV-Sender N24.

Inzwischen machte der rehabilitierte Traditionalistenbischof Bernard Tissier de Mallerais deutlich, dass er und seine Anhänger sich nicht mit der Wiederaufnahme in die Kirche Roms zufriedengeben wollen. „Wir werden unsere Positionen nicht ändern, sondern Rom bekehren“, sagte er der Turiner Tageszeitung „La Stampa“. Die Verbannung habe 20 Jahre gedauert, und nun wollten die Bischöfe „den Vatikan in ihre Richtung führen“. Im Übrigen seien sie für den Papst noch keine Bischöfe im eigentlichen Sinne: „Wir haben ja noch kein Bistum.“

Die italienische Piusbruderschaft lehnte dazu am Montag eine Stellungnahme ab. Die Piusbrüder seien seit Samstag in „silenzio stampa“. Ihnen sei untersagt worden, mit der Presse zu sprechen, sagte der in Rom ansässige Obere, Don Davide Pagliarani, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

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