Horrorfilme
Wie aus Alltäglichem ein Alptraum wird

Eine Tür, ein Video oder ein Haus: In Horrorfilmen werden alltägliche Orte oder Gegenstände zum Sinnbild des Grauens. Doch Gruselstreifen wie „The Shining“ oder „Hostel“ spielen nicht nur mit den Ängsten des Zuschauers, sondern stellen geradezu intime Fragen an ihr Publikum.

DÜSSELDORF. Das Unbekannte macht uns Angst. Dieser elementare Instinkt ließ unsere Vorfahren überleben. Auch bei uns modernen Menschen peitscht nichts so schnell die Emotionen hoch wie das Grauen. Und sei es eines, das wir nicht selbst durchleben, sondern von einem sicheren Standort aus beobachten können.

Horror (lat. „Grausen“), der das Unheimliche zur Kunst erhebt, funktioniert, wenn am Schluss einer Erkenntnis unlösbare Fragen auftauchen. Das trifft für die englischen „gothic novels“ des 18. Jahrhunderts ebenso zu wie im Kino: Horror ist „als besondere Form des Fantastischen nicht bloß das ungefährliche und veräußerte Träumen; das Genre entsteht vielmehr durch die Reibung zwischen Wirklichkeit und (Alp-)Traum“, schreibt Georg Seeßlen in seinem Werk „Horror. Grundlagen des populären Films“.

Horrorfilme ermöglichen es, moralische Fragen auf einer metaphysischen Ebene abzuhandeln. Sie erzählen „von den Schrecken der Vernunft, des Kapitalismus und des Alltags“: Die „Hostel“-Filme etwa fragen nach dem Wert eines Menschenlebens. „Einen moralischen Essay zu dem Thema würde sich doch niemand anschauen“, meint der Medienwissenschaftler Stefan Höltgen. Wenn in „Hostel 2“ Folteropfer im Internet gehandelt werden, und ein verletztes Mädchen nur den Bruchteil des Preises kostet, den es unversehrt erzielt hätte, geht der Film weit hinaus über die perverse Freude an der Brutalität. Er fragt den Zuschauer, ob er bereit ist, dem Blick der Kamera zu folgen. Er stellt diese Frage jedoch nicht auf der Ebene des Verstandes, sondern auf der des Gefühls: „Wann musst du die Augen schließen?“

Das Spiel mit der Angst ist aber nicht nur mit psychologischen oder metaphysischen Worten zu erfassen. Mathematiker vom Londoner King’s College haben die Horror-Zutaten sogar in eine Gleichung gegossen: (es+u+cs+t)2+s+(tl+f)/2+(a+dr+fs)/n+sinx-1. Der erste Teil berechnet die Spannung als Summe aus eskalierender Musik „es“, dem Unbekannten „u“, aus Verfolgungsjagden „cs“ und dem Eingeschlossen-Sein „t“. Der Schreckeffekt „s“ wird addiert und um die Hälfte der Summe aus Authentizität „tl“ und Fantasie „f“ ergänzt. Schließlich werden die Einsamkeit „a“, die Dunkelheit „dr“ und die Szenerie „fs“ zusammengezogen und durch die Zahl der Charaktere „n“ dividiert. Von „Blut und Eingeweide“ (sin x) ziehen die Mathematiker „Stereotypen“ (1) ab, da diese unspannend sind.

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