Horst Köhler macht sich unnötig Sorgen – in Deutschland ist alles bestens
Wo wir sind, ist ganz vorn

Der Bundespräsident hat den Bundestag aufgelöst. Dank der ihm vom Grundgesetz verliehenen Auflösekraft, die viel größer ist als beispielsweise die Fettauflösekraft des neuen Meister Proper. Deshalb ist ja auch Horst Köhler Bundespräsident und nicht Meister Proper.

Der Bundespräsident begründete die Auflösung mit folgenden Worten: "Unsere Zukunft und die unserer Kinder stehen auf dem Spiel... Die bestehende föderale Ordnung ist überholt. Wir haben zu wenig Kinder, und wir werden immer älter." Der Bundespräsident fordert also mit anderen Worten: die Abschaffung aller Bundesländer, ein Verbot aller Verhütungsmittel und gezielte Sterbehilfe, bevor unsere Rentenkassen überlastet sind.

Damit diese ehrgeizigen Ziele erreicht werden können, gab mir Horst Köhler den Auftrag: "Jetzt haben Sie es in der Hand...Machen Sie von Ihrem Wahlrecht sorgsam Gebrauch." Und forderte: " Schauen Sie bitte genau hin."

Das habe ich natürlich getan und festgestellt, in diesem Land steht eigentlich alles zum Besten, es gibt überhaupt keinen Grund zur Besorgnis. Wir besitzen einen Präsidenten mit hoher Fettauflösekraft, und wir hatten bis vor kurzem noch eine Regierung, die fast alles richtig gemacht hat. Sonst wäre Deutschland kaum in einem derartig beneidenswerten Zustand.

Deutschland gilt zum Beispiel als das Land, wo prozentual die meisten Deutschen auf einen Quadratmeter kommen. Viel mehr als in Rumänien, Bahrein oder Australien. In Deutschland kommen aber auch die meisten Deutschen unter einen Quadratmeter. In keinem anderen Land der Welt liegen so viele Deutsche unter der Erde. Die Deutschen unter der Erde werden übrigens auch nicht ständig immer älter und erfüllen somit vorbildlich die Vorgaben unseres Präsidenten.

In keinem anderen Land der Welt werden aber auch Deutsche auf Grund ihrer Staatsbürgerschaft, Weltanschauung und ihres Aussehens weniger verfolgt als in Deutschland.

Jeder Deutsche kann sämtliche Vergünstigungen des Grundgesetzes in Anspruch nehmen und jederzeit seine Meinung offen zum Ausdruck bringen. Selbst wenn er überhaupt keine hat. Das darf er zwar auch in vielen anderen Ländern der Welt, aber nur in Deutschland wird er tatsächlich verstanden.

Schon in der Vergangenheit hat Deutschland Großes vollbracht. Hier wurden sämtliche Weltkriege begonnen und verloren. Durch diese unkonventionellen Maßnahmen wurde dafür gesorgt, dass die Deutschen nicht zu alt wurden und dem Steuerzahler auf der Tasche lagen.

Innerhalb der letzten 60 Jahre wurde Deutschland einmal geteilt und anschließend wieder zusammengefügt. Ein unglaubliches geologisches Experiment, das einmalig auf der Welt geblieben ist. Nachdem wir also aus zwei Staaten einen gemacht haben, sollten wir eigentlich auch die überholte föderale Ordnung (Köhler) aufheben und 16 Bundesländer in eins umwandeln können. Die Auflösekraft des Bundespräsidenten wäre hier ebenfalls sehr hilfreich. Doch auch mit 16 überholten Bundesländern können wir stolz auf das Erreichte sein.

Zum Beispiel auf unsere Kohlrabibauern. So viel Kohlrabi wie bei uns wird in keinem anderen Land der Welt produziert, nämlich um die 40 000 Tonnen. In der Sahelzone und in Grönland blickt man neidvoll auf unsere Felder und fragt sich, wie unsere Bauern es jedes Jahr wieder schaffen, derartig viel Kohlrabi zu ernten. Ihr Geheimnis: Sie säen vorher ungeheure Mengen an Kohlrabisamen aus! So wachsen besonders viele Kohlrabis heran, die dann irgendwann geerntet werden können.

Bauern in anderen Ländern, die keinen Kohlrabi ausgesät haben, wundern sich oft, weshalb bei ihnen keiner wächst. Es sind eben gerade in der Landwirtschaft die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Wir produzieren aber nicht nur den meisten Kohlrabi, wir essen auch am meisten. Das Zeug muss ja weg, und frisch schmeckt es natürlich am besten.

Kohlrabi ist ein zutiefst friedliches Gemüse, aus diesem Grund hat die Bundesregierung den Kohlrabianbau in der Vergangenheit massiv gefördert.

Inzwischen fordern immer mehr Stimmen den Abbau der Kohlsubventionen. Aber man sollte bedenken: Es gibt in Deutschland keine Selbstmordattentäter, die sich mit Hilfe von Kohlrabi-Bomben in die Luft sprengen wollen.

Obwohl Kohlrabi im menschlichen Darm eine gewisse Sprengkraft entwickeln kann, ist er als Massenvernichtungsmittel völlig ungeeignet. Deshalb hatte Saddam Hussein auch keinen Cent in die Kohlrabi-Forschung gesteckt, und der Iran ist weder an der friedlichen Nutzung noch an der Anreicherung des Kohlrabis interessiert. Dabei lässt sich Kohlrabi wunderbar mit Hackfleisch und Reis zu einer wohlschmeckenden Speise anreichern.

Man könnte auch die Blätter des Kohlrabi essen. Aber das überlassen die Deutschen ihren Kaninchen, die darüber natürlich sehr froh sind und prächtig gedeihen. Kaninchen muss man in jeder Hinsicht als lobenswerte Tiere bezeichnen. Sie sind weich, friedlich wie Kohlrabi, machen keinen Lärm und vermehren sich. Was der Deutsche nicht mehr schafft, wie der Bundespräsident ja schon beklagt hat.

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