Hotel-Noten
Der schmutzige Kampf um schöne Unterkünfte

Hoteliers hängen immer stärker von guten Bewertungen im Internet ab. Denn das bringt Geschäft. Doch was tun, wenn ein Gast meckert? Ihm vielleicht kostenlos Champagner ausschenken oder lieber Strafen androhen?
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DüsseldorfDamit hatten sie nicht gerechnet - verständlicherweise: Die Eheleute Tony und Jan Jenkinson gaben einem Hotel eine schlechte Bewertung und fanden wenig später eine Abbuchung über 100 britische Pfund in ihrem Kreditkartensaldo. Das Broadway Hotel, das sie auf dem Reiseportal Trip Advisor als „dreckige, stinkende Hütte“ bezeichnet hatten, hatte ihnen für diese Äußerungen Geld abgezogen.

Was unglaublich klingt, geschah aufgrund einer zweifelhaften Formulierung in den Geschäftsbedingungen. Diese sah sich die Familie Jenkinson vermutlich vor ihrem kurzen Aufenthalt nicht bis ins letzte Detail an. In den Bedingungen auf dem Buchungsformular steht: „Auch wenn viele Kunden und insbesondere Pärchen unser Hotel lieben, mag es sein, dass Ihre Freunde oder Ihre Familie das anders sehen. Für jede schlechte Bewertung, die auf einer Website über unser Haus hinterlassen wird, wird der Gruppenorganisator mit bis zu 100 Pfund belastet.“

Im vorliegenden Fall war es Tony Jenkinson selbst, der eine geharnischte Bewertung abgab. Er schrieb im August nach dem Aufenthalt in dem Hotel unter anderem: „Dieser Ort sollte geschlossen werden, ich weiß nicht, ob sie jemals kontrolliert werden, doch falls dem so ist, weiß ich nicht, wie sie da durch gekommen sind. Wenn Ihnen eine Übernachtung an diesem Ort für 10 Euro angeboten wird, werden Sie noch beraubt. Bleiben Sie weg!“

Andere Gäste des Hotels äußerten sich auf Trip Advisor ähnlich und posteten Bilder, die den schlechten Zustand der Räumlichkeiten dokumentieren. Doch Die Jenkins zahlten für die Nacht auf der Durchreise nach Oxford weit mehr als 10 Pfund, nämlich reguläre Übernachtungskosten von 36 Pfund – und später aufgrund der Strafabbuchung noch einmal 100 Pfund.

Mittlerweile scheint sicher, dass das Ehepaar das Geld wieder bekommt. Ein Sprecher der zuständigen Dezernentin für Wohnangelegenheiten und öffentliche Sicherheit, Gillian Campbell, gab auf Anfrage an, die Dezernentin habe sich mit dem Hotelbetreiber darauf geeinigt, dass das Geld zurückgezahlt und die Klausel gestrichen wird.

Überdies sei die Klausel vermutlich ein Verstoß gegen das Vertragsrecht, so der Sprecher. Sie hätte somit vor Gericht gekippt werden können, wenn das Hotel nicht eingelenkt hätte. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Wem dient ein Bewertungsportal?

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Von Lob im Netz hängt viel ab

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