Hotels in New York
Eine „Gefängniszelle“ für einen Dollar

New York ist weltweiter Spitzenreiter bei den Hotelpreisen. Für eine Übernachtung zahlt man durchschnittlich 187 Euro – es sei denn, man geht freiwillig hinter Gittern. Ein New Yorker Künstler macht das möglich.
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New YorkEs ist das erste Mal, dass Camila Flores beim Einchecken in eine Unterkunft nervös ist. Die nächsten Tage wird die Studentin aus Chile als Knast-Touristin in einer 2,4 Meter langen und 1,8 Meter breiten Zelle in Brooklyn verbringen - mit einer Pritsche, einem Stuhl, einem Waschbecken, einem Spiegel und einer Toilette.

Die Zelle hat der aus China stammende Künstler Miao Jiaxin im Dachgeschoss seines Hauses im Stadtteil Brooklyn installiert. Ein Käfig in einem Zimmer, mit einem kleinen Badezimmer direkt nebenan. Touristen und alle, die Lust haben, können hier für einen Dollar pro Nacht übernachten. Gebucht wird über Facebook.

Die Auflagen der besonderen Unterkunft findet Camila „hart, aber gleichzeitig spannend“, denn: Jeder „Gefängnisgast“ wird gefilmt während er in der Zelle ist. Das Ganze wird dann Live auf Facebook übertragen. Außerdem müssen die Gäste für mindestens zwei Nächte bleiben. Neben dem Übernachten hinter Gittern müssen sie jeden Morgen von 9-12 Uhr eingesperrt in der Zelle verbringen.

Und zwar ohne Internet, ohne elektronische Geräte, ohne Instrumente oder andere Dinge, die sie ablenken könnten. In der Zeit dürfen sie auch nicht sprechen, lesen, Sport oder Yoga machen und auch nicht schlafen. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss 100 Dollar Strafe zahlen.

Camila, 21, hat der Dumpingpreis für die Unterkunft gereizt: „Gerade in New York ist das ja wie geschenkt. Zwischen 9-12 Uhr morgens macht man meistens eh nicht viel als Tourist, da kann man sich auch einsperren lassen und ordentlich Geld sparen. Und ich habe Zeit, mich mit mir selbst zu beschäftigen.“

Während ihrer Sperrzeiten sitzt Camila in der Zelle und denkt nach, vor allem über alte Streitereien. Immer wieder wandert ihr Blick auf die Uhr. Unangenehm wird es für die Studentin nur an einem Tag, als sie dringend auf Toilette muss, aber dies nicht vor den Kameras tun will. „Du weißt ja nicht, wer da gerade zuguckt. Es war hart, aber ich habe abgewartet, bis ich raus konnte und bin dann sofort auf Toilette gestürmt.“ Ihr Fazit: „Man „zahlt“ letztlich mit seiner Zeit und der Aufgabe der Privatsphäre.

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