Huber: Menschen am Rande der Gesellschaft nicht ausgrenzen
Osterfeiern in Rom erstmals ohne den Papst

In Rom haben die Osterfeierlichkeiten zur Enttäuschung tausender Pilger und Touristen ohne den kranken Papst begonnen. Es ist das erste Mal in seinen 26 Amtsjahren, dass Johannes Paul II. die religiösen Feiern der Karwoche nicht leitet.

HB ROM. Beim Kreuzweg am Kolosseum sollte das 84-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche am Freitagabend lediglich per Video aus dem Vatikan zugeschaltet werden.

Insgesamt hat der Papst sechs Kardinäle ausgewählt, die in seinem Auftrag den Osterfeiern vorsitzen. Durch die Aufgabenverteilung auf mehrere Schultern solle vor allem der Eindruck vermieden werden, es gäbe bereits so etwas wie einen „Ersatzpapst“, hieß es in Rom.

Am Ostersonntag will der Papst vom Fenster seines Arbeitszimmers aus den Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) erteilen. Ob er in der Lage sein wird, die kurze Segensformel selbst zu sprechen oder nur mit der Hand segnet, war weiterhin unklar. Die Ostermesse am Sonntag wird Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano leiten.

Die Meditationen zum Karfreitag-Kreuzweg in Rom schrieb der deutsche Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger. Dabei übte er auch scharfe Kritik am zaghaften Glauben und an der Kirche selbst: „Das verschmutzte Gewand und Gesicht Deiner Kirche erschüttert uns“, heißt es in einem der 14 Gebete. In einem vorab veröffentlichten Beitrag für den RBB-Hörfunk (Montag) verwahrte sich Ratzinger gegen alle Umdeutungen des christlichen Osterglaubens. Das Ostergeschehen mit der Auferstehung von Jesus sei nichts bloß Symbolisches, sondern bezeuge einen Gott, der historisch handelte. Der Osterglaube sei kein oberflächlicher Wunderglaube.

Bei der traditionellen Karfreitagsprozession in der Jerusalemer Altstadt kam es zu einer Störung. Muslimische Anwohner wollten die christlichen Gläubigen nicht passieren lassen. Israelische Soldaten mussten eingreifen, nach einem heftigen Wortwechsel konnte die Prozession mit hunderten Pilgern ihren Weg fortsetzen.

In ihren Karfreitags-Predigten mahnten deutsche Bischöfe eine solidarischere Gesellschaft an. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, rief dazu auf, Menschen am Rande der Gesellschaft nicht auszugrenzen. Er verwies auf Arbeitslose, Jugendliche ohne Job und Orientierung sowie allein Erziehende, „deren Kinder vor allem als Armutsrisiko gewertet werden“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, wandte sich gegen die Illusion eines leidfreien Lebens. Auch der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, mahnte, in schwierigen Lebenssituationen sein Kreuz zu tragen.

In der Oster-Ausgabe des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zog der Tübinger Theologe Hans Küng eine verheerende Bilanz des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. „Intern hat seine reformfeindliche Amtszeit die Kirche in eine epochale Glaubwürdigkeitskrise gestürzt“, schrieb Küng, dem der Vatikan Ende der 70er Jahre die Lehrerlaubnis entzogen hatte. Gegen alle Intentionen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sei „das mittelalterliche römische System, ein Machtapparat mit totalitären Zügen, durch geschickte und rücksichtslose Personal- und Lehramtspolitik restauriert“ worden. Ein neuer Papst müsse sich zu einem Kurswechsel entscheiden und der Kirche Mut zu Neuaufbrüchen geben, meinte Küng.

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