Hundt kauft Fußballverein
Freizeit ist Spielzeit

So kennen ihn die meisten: Ein stets abgewogen und staatsmännisch formulierender Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft, ruhig und bedächtig, fast schon dröge wirkend. Distanziert. Und immer im feinen Zwirn.

So kennen ihn nur wenige: im Trachtenanzug mit kurzer Lederhose, Joppe, Wadenstrümpfen und kräftigen Schuhen.

Und so lebhaft, wie alle Menschen um ihn herum. Jubelnd, begeistert aufspringend – oder wütend fluchend: „Herrgott noch mal, wie kann man den nur versieben!“

Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sitzt auf der Stadion-Tribüne des SV Bad Aussee im steierischen Salzkammergut. Auf dem grünen Rasen hat soeben ein Ausseer Kicker im Spiel gegen den FC Blau-Weiß Linz einen Eckball von links verpasst und damit eine Riesenchance vergeben. Dabei liegt die Heim-Mannschaft 0:1 hinten – ausgerechnet durch ein Eigentor, das Hundt und alle Fans hat laut aufstöhnen lassen. „Geh ran, Harry!“ feuert Hundt nun seinen Mittelstürmer zum Angriff an und verspricht: „Jetzt reißen wir das Ding rum!“

Mutmacher Hundt sitzt auf erhöhtem Podest in einer Art Regiestuhl mit der Aufschrift „Präsident“. Den haben ihm die Ausseer Kicker geschenkt. Der Titel steht hier allerdings nicht für seine Funktion als oberster deutscher Arbeitgeberboss. Sondern für Hundt als Spitzenmann des Fußballvereins aus dem österreichischen Ferienland.

Hier wird er liebevoll nur der „Präsi“ genannt und geduzt. Daheim im schwäbischen Uhingen unweit von Stuttgart, wo er den Autozulieferer und Apparatebauer Allgaier GmbH führt, ist das „Sie“ üblich. Der „Reschpekt“ gilt dem „Doktor“, wie alle im Unternehmen den promovierten Maschinenbauer nennen.

Hat Dieter Hundt in Aussee nicht nur das Äußere gewechselt, sondern ist er etwa auch in eine andere Identität geschlüpft?

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