Hunger nach Energie wächst
Versorger langen noch einmal zu

Für Autofahrer, Heizölkäufer, Gas- und Stromkunden war bereits das Jahr 2007 sehr teuer. Aufatmen können die Verbraucher aber auch 2008 aller Voraussicht nach nicht.

HB HAMBURG. Die Höhenflüge des internationalen und des deutschen Energiemarktes setzten sich auch in diesem Jahr kaum gebremst fort und führten zu neuen Rekordpreisen. Das Fass Rohöl, das im Januar noch für 50 bis 60 Dollar zu haben war, stoppte seinen Anstieg im November erst kurz vor der prägnanten Marke von 100 Dollar. Der Preis für einen Liter Superbenzin erreichte 1,48 Euro und für 100 Liter Heizöl waren erstmals rund 74 Euro zu bezahlen. Die Gaspreise gingen im Lauf des Jahres zwar zunächst zurück, ziehen aber nun wieder kräftig an. Strom verteuerte sich im Zwölf- Monats-Vergleich für Industriekunden um 14 bis 18 Prozent. Selbst Kohle, die bislang weitgehend vom Preisanstieg verschont blieb, kostet auf dem Weltmarkt in US-Dollar doppelt so viel wie zum Jahresbeginn.

Bei allen Energieträgern zeigt die Preistendenz weiter nach oben. Damit geht der Rohstoffboom in das fünfte Jahr. "Es hat sich fundamental etwas geändert", sagt der Rohstoff-Experte Klaus Matthies vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Der weltweite Hunger nach Energie wächst. Nach der Prognose der Internationalen Energie-Agentur (IEA) steigt der globale Verbrauch von Primärenergie von 2005 bis 2030 um 1,8 Prozent pro Jahr - macht insgesamt 55 Prozent in den nächsten 25 Jahren. Im vergangenen Jahr war der Verbrauchsanstieg höher und lag bei 2,4 Prozent. Dabei tragen fossile Energieträger - Öl, Gas und Kohle - immer noch mehr als 80 Prozent zur Versorgung der Menschen mit Energie bei.

Das Angebot werde nur mit Mühe mit der Nachfrage Schritt halten, erwartet das HWWI. Die IEA hält Investitionen von mehr als 20 Billionen (20 000 Milliarden) US-Dollar in den Energiesektor für notwendig, um Engpässe zu vermeiden. Die Ölförderung könnte nach Ansicht einer wachsenden Minderheit unter den Experten schon bald ihren Zenit überschreiten. Diese Einschätzung teilen die meisten Ölmanager allerdings nicht.

Mit einer nachhaltigen Trendwende auf dem Ölmarkt und den anderen Energiemärkten rechnet kaum noch ein Experte. Falls der hohe Ölpreis von Spekulanten mitbestimmt sein sollte, die ihr Geld irgendwann aus dem Markt wieder abziehen, wäre allenfalls eine Delle in der Preiskurve zu sehen. Langfristig wird Öl teurer, und damit auch alle anderen Energieträger. "Öl bleibt auf absehbare Zeit die Leitenergie", sagt der Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Werner Brinker. "Es gibt keine isolierte Preisentwicklung eines Energieträgers." Und Deutschland sei im globalen Massstab ziemlich klein.

Weil vom Weltmarkt keine Entlastung zu erwarten ist, hoffen viele gebeutelte Energieverbraucher in Deutschland auf den Staat, die EU-Kommission, das Kartellamt, die Regulierungsbehörde oder sonst eine rettende Institution, die sozusagen mit gezogenem Schwert der Energiebranche entgegen tritt und niedrigere Preise erzwingt. Standen in früheren Jahren meist die Mineralölkonzerne und die Preisrunden an der Tankstelle im Mittelpunkt, so hat sich die Kritik zuletzt eher auf die Gas- und Stromversorger konzentriert. Sie stehen unter dem Generalverdacht von Verbraucherschützern, ihren Kunden überhöhte Preise abzuverlangen und ungerechte Monopolgewinne einzustreichen.

Bei den Strompreisen stehe Deutschland im europäischen Vergleich richtig gerechnet gar nicht so schlecht da, sagt dagegen der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Die Abgabenlast sei eben mit rund 40 Prozent deutlich höher als in anderen Ländern. Auch bei anderen Energieträgern lassen sich Preisunterschiede in Europa in der Regel mit unterschiedlichen Steuern und Abgaben erklären. Meistens liegen die deutschen Preise ziemlich im Mittelfeld. Steuer- oder Abgabensenkungen auf Energie, die den Verbraucher nachhaltig entlasten könnten, sind nicht in Sicht.

Wer die hohen Preise nicht mehr zahlen kann oder will, dem bleibt nur der Konsumverzicht: Von Januar bis Oktober ging der Ölverbrauch in Deutschland gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 13 Prozent zurück.

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