Hurrikan „Harvey“ in Houston
Texas kämpft gegen die Jahrhundertflut

Houston wacht auf, und es regnet und regnet. 13 Millionen Menschen zittern, Zehntausende flüchten aus einer verwüsteten Stadt, die Schäden gehen in die Milliarden. Und der Wasserpegel steigt so hoch wie nie zuvor.
  • 0

HoustonDie Folgen des Jahrhunderthochwassers in Texas sind nach wie vor nicht abzusehen. Vor allem in Houston, in der viertgrößten Stadt der USA, stiegen die Wasserpegel weiter dramatisch an und die Meteorologen sagen für diesen Montag noch mehr Regen voraus. Um einen Dammbruch zu verhindern, wurden zwei Wasserreservoirs vorsorglich geleert.

Auch dadurch könnten weitere Häuser überflutet werden, warnten die Behörden und rieten Bewohnern zur Evakuierung. „Harvey“ war Freitagnacht (Ortszeit) als Monster-Hurrikan der zweitstärksten Kategorie 4 auf Land getroffen. Er schwächte sich zwar zu einem Tropensturm ab. Das Problem waren aber die Niederschläge: Starkregen und Wolkenbrüche lösten weitflächige Überschwemmungen aus.

„Die Ausdehnung und Intensität dieser Regenfälle übersteigt alles, was wir bisher erlebt haben“, hieß es in einer Mitteilung des Nationalen Wetterdienstes. Der Direktor der Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, sprach von einer historischen Katastrophe. 50 Bezirke von Texas seien betroffen und auch der Südwesten des Bundesstaates Louisiana müsse sich auf massiven Regen vorbereiten. Seine Behörde werde noch jahrelang mit den Folgen von „Harvey“ zu tun habe, sagte er. Bisher mussten mindestens 2000 Menschen gerettet werden.

Straßen waren nur noch mit Booten befahrbar, viele Bewohner flüchteten auf Hausdächer, die Einsatzkräfte kamen bei den Notrufen nicht mehr hinterher und griffen nur ein, wenn es um Leben und Tod ging. Ansonsten waren die Bewohner auf sich alleine gestellt. Die Katastrophenschutzbehörde Fema rief Freiwillige zur Mithilfe auf. Bis Montagmorgen waren zwei Todesfälle durch „Harvey“ bestätigt.

In der Nacht waren die Schleusen an den Wasserreservoirs Addicks und Barker geöffnet worden, die Houston eigentlich vor Überschwemmungen schützen sollen. Doch auch sie konnten die Wassermassen nicht mehr halten. Stündlich seien dort 15 Zentimeter Regen dazugekommen, sagte ein Sprecher des US-Pionierkorps.

Auch entlang des Brazos Rivers drohte das Wasser über die Deiche zu treten. Die Behörden ordneten deshalb für die südwestlichen Vororte von Houston Zwangsevakuierungen an. Das Hochwasser hatte solch dramatische Ausmaße, dass die Helfer nicht einmal sagen konnten, wo es am schlimmsten war. Der Nationale Wetterdienst sagte für Teile Houstons Niederschlagsmengen um 1,30 Meter voraus – das wäre der höchste Wert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen für Texas.

Etliche Gebiete hatten bereits die Hälfte davon abbekommen, so der Süden Houstons und die Vororte von Santa Fe. Der Polizeichef von Houston, Art Acevedo, sagte dem Sender MSNBC, derzeit gehe so viel Regen nieder, dass er nirgends mehr abfließen könne. Er warnte Kriminelle davor, die Katastrophe auszunutzen. Mehrere Personen seien bereits wegen Plünderungen festgenommen worden.

Kommentare zu " Hurrikan „Harvey“ in Houston: Texas kämpft gegen die Jahrhundertflut"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%