Hurrikan „Katrina“
Süden der USA ist Katastrophengebiet

Hurrikan „Katrina“ hat mit einer bis zu 6,70 Meter hohen Sturmflut und sintflutartigen Regenfällen eine Schneise der Verwüstung und des Chaos durch drei Südstaaten der USA gezogen. In New Orleans stehen Stadtteile bis zu 3,60 Meter unter Wasser, obwohl der Hurrikan die Stadt nur streifte. US-Präsident Geiroge W. Bush erklärte die Bundesstaaten Louisiana und Mississippi zu Katastrophengebieten.

HB NEW ORLEANS/WASHINGTON. Genaue Angaben über mögliche Opfer und Schäden lagen am Montag noch nicht vor, weil die Bergungs- und Rettungsmannschaften wegen der gefährlichen Windspitzen nicht ausrücken konnten. In New Orleans sind nach einer ersten Mitteilung der Polizei „viele Häuser eingestürzt“.

„Katrina“ hat bei dem Zerstörungszug durch Louisiana, Mississippi und Alabama viel Kraft gelassen und sich inzwischen zu einem Hurrikan der Kategorie 1 abgeschwächt. Der Wirbelsturm zieht mit Windgeschwindigkeiten von 153 Stundenkilometern in Richtung Norden zum Bundesstaat Tennessee weiter. Die Ausmaße des Wirbelsturms erreichten zeitweise die doppelte Größe Deutschlands.

Experten rechneten mit extremen Schäden in der Katastrophenregion am Golf von Mexiko. Voraussichtlich wird es der kostspieligste Wirbelsturm, der die USA je getroffen hat. Nach ersten Schätzungen könnte er mehr als 30 Milliarden Dollar (24,5 Milliarden Euro) kosten - und damit mehr als Hurrikan „Andrew“, der 1992 in Florida und Louisiana 52 Menschen tötete und 100 000 Häuser zerstörte.

Zugleich verursachte „Katrina“ auch einen Sturm auf dem Ölmarkt und trieb den Ölpreis auf neue Rekordhöhen. Wegen des riesigen Wirbelsturms mussten zahlreiche Ölplattformen, Häfen, Raffinerien und petrochemische Werke am Golf von Mexiko geschlossen werden. In der Spitze stieg US-Öl auf 70,80 Dollar je Barrel (159 Liter), gab dann aber wieder nach. Die deutschen Aktien verzeichneten am Montag belastet vom Ölpreis und der Furcht vor Hurrikan-Schäden zumeist Verluste.

„Unsere Golfküste wurde immer wieder hart getroffen“, sagte Präsident Bush, nach ersten Berichten aus den Katastrophengebieten. Alle Amerikaner beteten für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Landsleute in der Hurrikan-Region.

In New Orleans am Mississippi-Delta riss das Unwetter zwei große Löcher in das Dach des Footballstadions „Superdome“. Dort hatten 10 000 Menschen Zuflucht gesucht. In manchen Stadtvierteln wie Chalmette stieg das Wasser bis zu 3,66 Meter hoch. Der Mississippi stieg bedrohlich um bis zu vier Meter an. Menschen flohen auf die Dächer ihrer bis unter die Decke gefluteten Hauser. Im historischen Vergnügungsviertel „French Quarter“ brach ebenso wie in anderen Stadtteilen die Stromversorgung vollständig zusammen.

„Katrina“ schaltete mehr als 750 000 Haushalten im Bundesstaat Louisiana den Strom ab. Dies ist nach Angaben der Behörden der größte Stromausfall in der Geschichte des Bundesstaates. Ohne Stromversorgung kann auch das Pumpensystem nicht mehr arbeiten, das New Orleans normalerweise trocken legt. Mehr als 70 Prozent des Stadtgebiets liegen unterhalb des Meeresspiegels.

In New Orleans war am Sonntag zum ersten Mal in der Geschichte die Evakuierung der Stadt angeordnet worden. Die Stadt hatte im Jahr 1965 ihre bisher schlimmste Sturmkatastrophe erlebt. Damals waren 60 000 Menschen obdachlos geworden.

Mit grausamer Wucht traf „Katrina“ nach Angaben der Behörden auch den benachbarten Bundesstaat Mississippi. In der St. Louis-Bucht bei Gulfport wurde mit 6,70 Metern die größte Sturmflut gemessen. „Wir haben die größte Hilfsaktion der Geschichte für eine inländische Katastrophe organisiert“, sagte der Sprecher des Roten Kreuzes, David Rudduck, aus Biloxi. „Sobald der Sturm nachlässt, versuchen wir, mit 200 Fahrzeugen in die betroffenen Gebiete zu kommen. Wir können eine halbe Million Essensrationen pro Tag verteilen.“

Hunderttausende waren vor „Katrina“ in kilometerlangen Autokolonnen Richtung Norden und Westen geflüchtet. Vor allem in den Armenvierteln harrten jedoch viele Menschen aus, in den Notrufzentralen gingen Anrufe von Eingeschlossenen aus beschädigten Häusern ein. Die Rettungskräfte konnten wegen der verheerenden Zustände allerdings nicht zu Einsätzen ausrücken. „Katrina“ hatte zeitweise Spitzen von weit über 300 Stundenkilometern erreicht. Kurz bevor der Sturm auf Land traf, hatte ihn das Hurrikan-Zentrum von der höchsten Kategorie 5 auf 4 zurückgestuft.

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