Hurrikan „Matthew“ USA fürchten schlimmsten Sturm seit „Katrina“

Wie gefährlich „Matthew“ ist, hat er auf Haiti gezeigt: Hunderte Menschen sind tot, zahllose Häuser wurden zerstört, Straßen überschwemmt. Nun richtet sich die Südostküste der USA auf das Schlimmste ein.
Update: 07.10.2016 - 14:29 Uhr

Gruseliges Satellitenbild macht Schlagzeilen

Gruseliges Satellitenbild macht Schlagzeilen

Miami/Port-au-PrinceHurrikan „Matthew“ verwüstete Haiti - nun bangt die Südostküste der USA vor dem Wirbelsturm. Wetterbehörden warnten vor einer Bedrohung und Schäden lange nicht gesehenen Ausmaßes. Der Gouverneur des Bundesstaats Florida, Rick Scott, sprach von einem sich nähernden „Monster“. Auf seinem Weg in nordwestlicher Richtung an Floridas Ostküste hatte sich der Wirbelsturm am Freitag zunächst etwas abgeschwächt. Das US-Hurrikan-Zentrum in Miami stufte ihn von der zweithöchsten Kategorie 4 auf 3 herab. Trotzdem sei „Matthew“ weiter „extrem gefährlich“.

Zuvor hatte der Wirbelsturm in der Karibik getobt und Haiti verwüstet. Allein in dem am stärksten betroffenen Department Sud seien mindestens 283 Menschen getötet worden, berichtete der Sender Radio Television Caraibes unter Berufung auf behördliche Zählungen am Donnerstag.

Am Freitagmorgen befand sich „Matthews“ Zentrum den Angaben zufolge 70 Kilometer östlich der Küstenstadt Vero Beach in Florida. Die Experten rechneten damit, dass das Auge des Sturms in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) entweder dicht an der Küste vorbeiziehen werde oder auch auf Land treffen könnte. Am Samstag sollte der Sturm die Küsten Georgias und South Carolinas passieren. Der US-Wetterdienst warnte, dass die extremen Winde bei einem Landfall katastrophale Schäden verursachen könnten und eine immense Lebensbedrohung darstellten. Auch die sogenannte Space Coast mit dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida galt als besonders gefährdet.

Hunderte Tote, Millionen Menschen auf der Flucht
An der Südostküste Nordamerikas
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Auf diesem Satellitenbild vom Donnerstag ist der Hurrikan „Matthew“ gut zu erkennen. Zu Beginn der Woche wütete er auf Haiti und forderte zahlreiche Opfer. Rechts im Bild ist im Übrigen der Tropensturm „Nicole“ zu erkennen, der aller Voraussicht nach aber nicht auf die amerikanischen Küsten treffen wird.

Das Ausmaß der Zerstörung: unbekannt
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Am Dienstag fegte „Matthew“ über die Karibikinseln hinweg und traf besonders den Inselstaat Haiti mit voller Härte. Neben dem Verlust Hunderter Menschenleben sorgte der Sturm auch für Sachschäden in noch unbekanntem Ausmaß.

Besonders der Südwesten ist betroffen
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Die Hauptstadt der Region Grand'Anse, Jérémie, ist größtenteils zerstört. Sowohl Telefonverbindung als auch Stromversorgung sind zusammengebrochen – die Verbindung zur Außenwelt wurde gekappt. Die Hauptstadt ist nicht der einzige Ort, auf den das zutrifft.

Gesamte Karibik betroffen
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Nach Kuba und der Dominikanischen Republik suchte der Hurrikan auch die Bahamas heim. Während von so gut wie allen Inselstaaten Todesopfer vermeldet werden, sind von der nordöstlich von Kuba gelegenen Insel bislang nur umgestürzte Bäume und Strommasten bekannt.

Vorbereitungen auf Hochtouren
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In den USA bereitete man sich umgehend vor. Präsident Obama sowie weitere ranghohe Verantwortliche warnten die Anwohner eindringlich vor dem anstehenden Sturm. Die Bevölkerung reagierte entsprechend.

Ausnahmezustand im Südosten der USA
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Nachdem in den Vereinigten Staaten für ein Gebiet mit insgesamt elf Millionen Menschen eine Hurrikan-Warnung herausgegeben und die Menschen aufgefordert wurden, sich ins Landesinnere zu begeben, kam der Verkehr zum Erliegen. Die Tankstellen in der Umgebung haben kein Benzin mehr.

Gemeinsames Durchhalten
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Die Regale in den Supermärkten wurden leergefegt. Einige Bewohner verbarrikadierten sich in großen Hallen und sitzen dort den Ausnahmezustand gemeinsam aus.

US-Präsident Barack Obama hat bereits den Notstand für Florida, South Carolina und Georgia verhängt. Dort wurden schwere Sturmfluten, Überschwemmungen, Stromausfälle für Hunderttausende Bewohner und massive Zerstörungen befürchtet. Allein in Florida waren 1,5 Millionen Menschen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, weitere Hunderttausende in Georgia und South Carolina - die größte Zwangsevakuierung seit dem schweren Sturm „Sandy“ im US-Osten im Jahr 2012. Rund 4500 Nationalgardisten standen für die Hilfe in besonders hart getroffenen Gebieten bereit.

„Bringt euch in Sicherheit, dies ist eure letzte Chance. Bleibt weg von den Stränden“, appellierte Gouverneur Scott an die Küstenbewohner Floridas und warnte eindringlich: „Dieser Sturm wird euch töten.“ Es gehe um Leben und Tod. Nach Wetterdienstangaben könnten die Verwüstungen des Sturms einige Gegenden Zentral-Floridas „für Wochen oder Monate unbewohnbar“ machen. „Matthew“ sei anders als alle Stürme in den vergangenen Jahrzehnten. Laut CNN hatte die Behörde in dieser Intensität zuletzt vor Hurrikan „Katrina“ 2005 gewarnt.

Als Wirbelsturm der Kategorie 4 hatte „Matthew“ Haiti am Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde getroffen. Häuser wurden zerstört, Bäume knickten um, und Straßen wurden überschwemmt. Die besonders stark betroffenen Regionen Sud und Grand'Anse im Südwesten wurden vom Rest des Landes abgeschnitten. „Der gesamte Westen der südlichen Halbinsel ist schwer getroffen worden“, sagte Holly Frew von der Hilfsorganisation Care im US-Fernsehsender CNN.

Die Hauptstadt von Grand'Anse, Jérémie, sei zu weiten Teilen zerstört, sagte der Länderdirektor der Hilfsorganisation Care, Jean-Michel Vigreux. Alle Telefonverbindungen und die Stromversorgung seien zusammengebrochen. „80 Prozent der Häuser liegen in Trümmern. Die einzige Verbindungsstraße ist unpassierbar, und den Menschen gehen langsam Nahrung und Geld aus.“

Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 1,5 Millionen Menschen in Haiti von dem Hurrikan betroffen, 350 000 benötigten Soforthilfe. „Unsere größte Sorge ist derzeit, dass wir vermehrt von Cholerafällen in den Überflutungsgebieten hören“, sagte Care-Länderdirektor Vigreux. Die Katastrophenregion brauche möglichst schnell einen Zugang zu sauberen Trinkwasser und medizinische Versorgung. „Im Moment müssen sie in Krankenhäusern ohne Strom versorgt werden.“

  • dpa
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