Ice Bucket Challenge
Ein Eimer Gutes

Der „Ice Bucket Challenge“ ist ein Kunststück gelungen: Sie hat ein Strohfeuer mit Eiswasser entfacht. Auch wenn der Hype teilweise zur klamaukigen Wasserschlacht verkommt, ist der Kern der Kampagne vorbildlich.
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DüsseldorfErwachsene Menschen, die sich ohne Not einen Eimer Eiswasser über den Kopf gießen. Ist das nicht infantil und albern? Ja, möglicherweise. Ein Hype? Ganz sicher. Und doch ist die so genannte „Ice Bucket Challenge“ (zu Deutsch: Eiseimer-Herausforderung) die wohl erfolgreichste Charity-Kampagne des Jahres, und bringt der Erforschung und Behandlung der Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) jeden Tag neue Millionen an Spendengeldern.

Die Kampagne funktioniert über die Macht der Bilder. Zum einen, weil alle mitmachen können, zum anderen weil sie die Reichen und Mächtigen in ganz selbstironischer Pose zeigt: wie begossene Pudel. Von Milliardär Bill Gates über Facebook-Chef Mark Zuckerberg bis zum ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Und wenn selbst Berufszyniker und Egomanen wie Charlie Sheen auf einmal 10.000 Dollar für eine Krankheit geben, von der sie vor einer Woche nicht einmal wussten, dass sie existiert, dann spricht das für die Kampagne. Kann man nicht auch ohne Eiswasser spenden? Kann man. Aber macht man es auch?

Natürlich muss man zugeben, dass bei manchen Prominenten, die sich derzeit mit Eiswasser übergießen, der Hintergrund der Kampagne längst verloren gegangen ist. Wenn Helene Fischer sich im weißen Sport-BH von zwei leichtbekleideten Herren mit einem Champagner-Kühler übergießen lässt und Oliver Pocher an der Tanke den Clown spielt, ohne das Wort ALS auch nur zur erwähnen, verkommt die „Ice Bucket Challenge“ zur klamaukigen Wasserschlacht.

Richtiggehend peinlich wird es sogar, wenn die eigentlich gute Idee der Kampagne zur Eigenwerbung missbraucht wird. Negativbeispiel ist hier Ryanair-Chef Michael O’Leary, der in seinem Eiseimer-Video die Preise der Konkurrenz kritisiert, um dann Lufthansa-Chef Carsten Spohr, Air-France-Chef Alexandre de Juniac und IAG-Chef Willie Walsh zu nominieren.

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