"Ich bin natürlich ein Bayer geblieben"
Papst Benedikt umgarnt deutsche Pilgerschar

Humor hat er immer schon gehabt, auch plaudern konnte Joseph Ratzinger zuweilen prächtig, doch wie er am Montag in der großen Audienzhalle die deutsche Pilgerschar umgarnte - man könnte meinen, mit dem Petrusamt habe Benedikt XVI. gleichzeitig eine Charmeoffensive angetreten.

HB ROM. „Also jetzt muss ich Euch doch etwas erzählen - natürlich ohne das Konklavegeheimnis zu brechen“, schmunzelt der Mann im blütenweißen Gewand. Und die paar tausend Gläubigen aus deutschen Landen beginnen zu ahnen, dass die Stunden des Wartens nicht umsonst waren, sie strahlen schon in Vorfreude auf das kleine Geheimnis, das „ihr Papst“ ihnen gleich anvertrauen wird.

Bei keiner Veranstaltung seit seinem Amtsantritt wirkte der Papst so gelöst und entspannt wie bei dem „Heimspiel“ am Montag. Das sind einfache Leute, die da gekommen sind, sie tragen Anoraks und festes Schuhwerk, die jungen Leute in Jeans, natürlich gibt es auch ein paar Krachlederne, die weiß-blaue Rautenfahne wird geschwenkt - doch eine rein bajuwarische Veranstaltung wird es am Ende doch nicht. „Ich komme aus Santiago in Chile“, sagt eine ältere Frau, „ich bin gleich nach dem Tod des Heiligen Vaters Johannes Paul gekommen, aus Bayern stamme ich aber nicht.“

Es ist ein buntes Glaubensvolk, das sich hier im Vatikan versammelt hat. Da sind katholische Verbindungsstudenten in ihren Uniformen („natürlich nichtschlagend“) da sind junge Männer, die mit ihren Freundinnen übers Wochenende mit dem Auto nach Rom gefahren sind („Ein bisschen Papst, ein bisschen Tourismus“). Es werden ein paar Lieder gesungen, dann erscheint zunächst George, der ältere Bruder Benedikts - doch als dann der Papst leibhaftig hereintritt, sich händeschüttelnd den Weg bahnt, gibt es kein Halten mehr.

„Liebe deutsche Landsleute“, hebt er an, und die blonde Schülerin aus Augsburg, der junge Mechaniker aus der Eifel und der elegante Rentner aus München spitzen die Ohren, denn sie wissen, gleich wird ihnen ein rhetorisches Schmankerl geboten. Und der Papst spricht erst von den „besonderen Wochen“, die man erlebt habe, er plaudert von dem „Amt, auf das ich nicht gerechnet habe“ und langsam und geschickt steigert er die Spannung wie ein Krimiautor, bis er schließlich von jenem Moment in dem Konklave spricht, als die Würfel gefallen sind, „als das Fallbeil auf mich herabfiel und mir ganz schwindelig zumute wurde“.

Jetzt hält der ehemalige Bischof aus München seine Zuhörer in Bann, gebetet habe er im Konklave, vertraut er seinen Landsleuten an. „Tu mir das nicht an!“, habe er gen Himmel gefleht, „doch der Herr hat mir offenbar nicht zugehört“. Und die blonde Schülerin aus Augsburg, der Mechaniker aus der Eifel und der elegante Rentner fühlen sich ihrem Papst ganz nah, als er ihnen erzählt, dass im Leben eben nicht immer alles nach Plan gehe und schon gar nicht immer auf dem „bequemen Weg“. Es sei doch gar nicht wahr, dass die Jugend stets nur Luxus und Konsum wolle, ruft der Papst in die Audienzhalle. „Sie will das Große und das Gute.“ Da atmen die Menschen auf, dankbar klatschen sie Beifall, auch Papst Benedikt kennt also solche Gefühle. Noch dankbarer klatschen sie nur am Ende der Audienz, als der Papst ihnen anvertraut: „Ich bin natürlich ein Bayer geblieben.“

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