„Ich bin stolz, Soldatin zu sein“
Ehemalige Kriegsgefangene Lynch als Heldin empfangen

Ein bisschen nervös und überwältigt von der ganzen Publicity ist die vom Pentagon zur Heldin hochstilisierte ehemalige US-Kriegsgefangene Jessica Lynch in ihre Heimatstadt zurückgekehrt.

HB/dpa WASHINGTON. Die 20-Jährige war im April eine Woche nach ihrer Verschleppung im Irak in einer vom US-Militär gefilmten spektakulären Befreiungsaktion aus einem Krankenhaus in Nasirija geholt worden.

Lynch, die wegen zahlreicher Knochenbrüche und einer Rückenverletzung wochenlang im Krankenhaus lag und noch im Rollstuhl saß, bedankte sich in dem kleinen Ort Elizabeth in West Virginia bei tausenden Zuschauern und vor zahlreichen Fernseh-Kameras für die Gebete und guten Wünsche. „Ich bin stolz, Soldatin zu sein“, rief sie in die Menge. In einem Triumphzug wurde sie anschließend in einem offenen Wagen zu ihrem Dorf Palestine gefahren.

Lynch war bei dem Überfall auf ihren Konvoi vor fast vier Monaten schwer verletzt worden. Elf Kameraden kamen uns Leben, mehrere Gefangene wurden im irakischen Fernsehen als Kriegsgefangene vorgeführt. Heldenstatus bekam die 20-Jährige durch inzwischen diskreditierte Pentagon-Berichte über ihre angebliche Gegenwehr bei der Festnahme und die spektakuläre Befreiungsaktion.

Das Pentagon hatte den Sturm auf das Krankenhaus in Nasirija per Video festgehalten und veröffentlicht. Die Soldaten traten dabei schwer bewaffnet Türen und Fenster ein und stürmten in das Zimmer der Soldatin. Auf einer Bahre brachten sie die junge Frau in den wartenden Helikopter. Ärzte und Pfleger berichteten später, es seien weit und breit keine irakischen Soldaten gewesen und die Amerikaner hätten das Angebot, einfach die Tür zu benutzen, abgelehnt.

Auch Pentagon-Berichte, wonach Lynch „bis zum Tod“ kämpfte und ihre ganze Munition verschoss, stellten sich später als falsch heraus. Lynchs Gewehr hatte geklemmt und konnte keinen einzigen Schuss feuern. Die schweren Verletzungen zog sie sich wahrscheinlich zu, als ihr Fahrzeug von einer Granate der irakischen Angreifer getroffen wurde und verunglückte.

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