„Ich will alles wieder gutmachen“
Schauspieler Karsten Speck muss ins Gefängnis

Das Dortmunder Landgericht verurteilte den 44-jährigen Fernseh- und Bühnenstar am Freitag zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Das Gericht wirft ihm millionenschweren Betrug im Zusammenhang mit gescheiterten Bauprojekten Mitte der 90er Jahre vor.

HB DORTMUND. Speck vernahm den Schuldspruch der Richter ohne äußere Regung. Seinen schwierigsten Auftritt hatte er nicht am Freitag, sondern schon eine Woche zuvor hinter sich bringen müssen. Da hatte Karsten Speck erstmals eigene Fehler eingeräumt - und damit „das Steuer in allerletzter Sekunde herumgerissen“, wie Richter Thomas Beumer, der Vorsitzende der 13. Strafkammer, in der Urteilsbegründung betonte. Ohne Geständnis hätten dem Schauspieler möglicherweise bis zu vier Jahre Haft gedroht.

Anfang der 90er Jahre hatte Speck damit begonnen, in Bauprojekte zu investieren, die ihm von einem inzwischen zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilten Geschäftspartner aus Hamm in Westfalen schmackhaft gemacht wurden. Doch die meisten Vorhaben scheiterten. Schließlich konnten Kredite nicht mehr bedient und Rechnungen nicht mehr bezahlt werden. Neue Geldquellen wurden dringend gesucht.

Als solche sollte schließlich 1996 ein Ehepaar aus Berlin dienen, das sehr schnell Vertrauen zu Karsten Speck aufbaute. Laut Urteil nutzte der Schauspieler seine Popularität aus, um die Familie zum Mitmachen zu überreden. Dabei wusste Speck zu dieser Zeit längst, dass das von dem Ehepaar bereitgestellte Geld möglicherweise nur zum Stopfen anderer Finanzierungslöcher benutzt werden würde.

Das betrogene Ehepaar hat heute alles verloren. Der Mann beging Selbstmord. „Speck hat sich den Betrug nicht ausgedacht, aber er hat sich bereitwillig einspannen lassen“, sagte Richter Thomas Beumer.

Der Schauspieler hat dieser Ansicht zuletzt nicht mehr widersprochen - nachdem er sich zunächst lange Zeit selbst nur als Opfer bezeichnet hatte, das viel Geld verloren habe. Der Richter: „Er hat sich über Jahre hinweg etwas vorgemacht. Er hat wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand gesteckt und von allem nichts mitkriegen wollen.“

Nach dem Urteil konnte Speck das Gericht zunächst als freier Mann verlassen. „Ich werde alles tun, um das wieder gutzumachen“, sagte er zuvor. Die Kammer hob den Haftbefehl auf, weil nun keine Fluchtgefahr mehr bestehe. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, muss der 44- Jährige in einigen Wochen oder Monaten mit einer Ladung zum Haftantritt rechnen. Möglicherweise kann er seine Strafe dann im offenen Vollzug verbüßen - und weiter als Schauspieler arbeiten.

Trotz der Verurteilung will das ZDF die im Sommer gedrehten Folgen der Familienserie „Hallo Robbie!“ mit Speck im Frühjahr 2005 ausstrahlen. „Wir werden senden“, sagte ZDF-Sprecher Walter Kehr am Freitag. Es gebe derzeit keine Veranlassung, die auf der Insel Rügen gedrehten Folgen nicht zu zeigen. „Wir werden uns aber die ausführliche Urteilsbegründung ansehen, die in wenigen Wochen vorliegen wird.“ Ob Speck auch in der fünften Staffel die Hauptrolle als Leiter einer Seehundestation übernimmt, ist noch unklar.

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