Idi Amin in Saudi-Arabien beerdigt
Der "Schlächter von Afrika" ist tot

Der frühere ugandische Diktator Idi Amin ist am Samstag in Dscheddah gestorben und wenige Stunden später nach Angaben seiner Familien auch in Saudi-Arabien beerdigt worden.

Reuters DSCHEDDAH/KAMPALA. Amin, der vermutlich 1925 geboren wurde, war in Uganda während seiner rund achtjährigen Schreckensherrschaft in den 1970er Jahren als „Schlächter“ gefürchtet. Seit seinem Sturz 1979 hatte er unbehelligt mit seiner Familie im saudi-arabischen Exil gelebt. Angehörige seiner Opfer kritisierten, dass der Diktator, der mit Bewunderung von Adolf Hitler sprach und dem seine Feinde Kannibalismus vorwarfen, für seine Gräueltaten nie vor ein internationales Gericht gestellt worden ist. Derzeit leben mehrere ehemalige Diktatoren im Exil.

„Die Beerdigung war bescheiden, und es haben nur wenige Leute teilgenommen, die meisten von ihnen Familienmitglieder“, hieß es in Saudi-Arabien. So stand sein Begräbnis im Gegensatz zu dem Pomp, mit dem er von 1971 bis 1979 Uganda regierte und den zahllosen exzentrischen Auftritten, mit denen er immer wieder die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich zog. Nach einigen Schätzungen sind während Amins Schreckensherrschaft in Uganda mehr als hunderttausend Menschen ermordet worden.

Amin galt als skrupelloser Machthaber

Amin, dessen genaues Geburtsdatum nicht bekannt ist, wurde als Idi Amin Dada im vorwiegend moslemischen Teil Ugandas geboren. In jungen Jahren trat Amin in die britische Kolonialarmee ein. In den 1950er Jahren machte er als Boxer von sich reden und wurde ugandischer Meister. Mit der Machtergreifung 1971 beförderte er sich selbst zum Feldmarschall. Amin galt als skrupelloser Machthaber und verfolgte, wen er als Gegner vermutete. Deren Leichen soll er seinen Krokodilen zum Fraß vorgeworfen haben. Die abgeschnittenen Köpfe seiner vermeintlichen Feinde soll Amin in einem Kühlschrank gesammelt und dann zur Abschreckung als Tischdekoration benutzt haben. Amin habe jedes grundlegende Menschenrecht verletzt, stellte eine Internationale Kommission von Juristen 1977 fest.

Ein Jahr nach seiner Machtergreifung wies Amin rund 40 000 Asiaten aus und begründete dies damit, Gott habe ihm befohlen, Uganda in „das Land des schwarzen Mannes“ zu verwandeln. Nach seinem Sturz 1979 durch die Armee des benachbarten Tansania bot das moslemische Saudi-Arabien auf eigene Kosten dem Glaubensbruder Amin das Exil an. Amin wurde regelmäßig in Einkaufszentren und teuren Fitness-Studios gesehen. Aus einem Interview von 1999 geht hervor, dass es ihm im Exil gut ging. Sein Essen lasse er sich aus Uganda einfliegen, und ansonsten spiele er gerne Arkordeon und zitiere aus dem Koran, schildert der seinen Alltag.

Amin nie zur Rechenschaft gezogen

In Uganda überwog die Erleichterung über die Nachricht vom Tod Amins. „Die Welt ist ein besserer Ort ohne ihn“, sagte ein Asiat in Kampala. Viele bedauerten, dass Amin für seine Taten zu Lebzeiten nicht zur Rechenschaft gezogen wurde. Menschenrechtsorganisationen hoffen, dass es künftig für Ex-Diktatoren vom Schlage eines Idi Amin schwerer werden wird, Exil zu bekommen. So könnte die Schaffung des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) das Völkerrecht in dieser Richtung vorantreiben. Allerdings haben bisher nur 90 Länder das Statut des ICC anerkannt, und zu denen, die es ablehnen, gehören auch die USA. „Eines Tages werden die Idi Amins dieser Welt herausfinden, dass sie sich nirgendwo mehr verstecken können“, erklärte ein Menschenrechtler vor kurzem.

Nach dem Ende von Amins Herrschaft kam Uganda zunächst nicht zur Ruhe. Weitere Diktaturen folgten, ehe Mitte der 1990er Jahre eine neue Verfassung mit einem Mehrparteiensystem verabschiedet wurde. Einer von Amins Nachfolger, Milton Obote, wurde zwar entmachtet, aber wie Amin nie zur Rechenschaft gezogen und lebt nunmehr im Exil in Sambia. Auch andere Ex-Diktatoren können sich über ihr „Leben danach“ kaum beschweren: Haitis Jean Claude „Baby Doc“ Duvalier, der 1986 nach 15 Jahren Terrorherrschaft durch einen Volksaufstand vertrieben wurde, wird immer wieder an der französischen Rivera gesehen: in seinem roten Ferrari.

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