Illegale Sexpartys
Strauss-Kahn bleibt weiter in Gewahrsam

Die französische Polizei vernimmt Dominique Strauss-Kahn weiter zu seinen Kontakten zu Prostituierten. Der ehemalige IWF-Chef soll gewusst haben, dass die Frauen auf den gesponserten Partys Callgirls waren.
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LilleDer frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat der französischen Polizei am Mittwoch den zweiten Tag in Folge Fragen zu seiner Teilnahme an Sex-Partys beantworten müssen. Die Untersuchungsrichter in Lille verlängerten den Polizeigewahrsam des 62-Jährigen am Dienstagabend um 24 Stunden. Die Justiz ermittelt wegen des Vorwurfs der Beteiligung an Zuhälterei und der Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern.

Der frühere Hoffnungsträger der französischen Sozialisten bestreitet nicht, an den Sex-Partys in Luxushotels in Paris und Washington teilgenommen zu haben, die zwei Geschäftsmänner bezahlten. Unklar ist, ob Strauss-Kahn wusste, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte und ob er sich über die Herkunft des Geldes im Klaren war, mit dem die Partys bezahlt wurden.

Zur Frage, ob er wusste, dass die Teilnehmerinnen Prostituierte waren, sagte „DSK“ nach Angaben aus Ermittlerkreisen am Dienstag: Er habe es sich nicht vorstellen können, weil ihm die Damen „von Polizeibeamten vorgestellt wurden“. An den Sex-Partys hatte auch die Nummer zwei der Polizei für Nordfrankreich, Jean-Christophe Lagarde, teilgenommen. Gegen ihn wurde im Oktober ein Ermittlungsverfahren wegen bandenmäßiger Zuhälterei und Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern eingeleitet. Die Polizeiaufsichtsbehörde IGPN will Strauss-Kahn zu dessen Kontakten zu Lagarde befragen.

Von Seiten der Justizbehörden hieß es, der Polizeigewahrsam für Strauss-Kahn könnte bis Donnerstagmorgen andauern, würde aber vermutlich eher am Mittwochabend aufgehoben. Im Anschluss könnte offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet werden, wenn es ausreichende Verdachtsmomente gibt. Gegen den 62-Jährigen könnten dann auch Auflagen oder sogar Untersuchungshaft verhängt werden. Strauss-Kahn könnte aber auch entlastet werden und dann nur noch als Zeuge in dem Fall gelten.

Strauss-Kahn hatte im vergangenen Jahr wochenlang für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er am 14. Mai am New Yorker Flughafen wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung festgenommen worden war. Er verbrachte nach der Festnahme mehrere Nächte in einem berüchtigten New Yorker Gefängnis, bevor er unter strengen Auflagen in den Hausarrest entlassen wurde.

Ein Strafverfahren stellte die US-Justiz im August ein, da Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens aufgekommen waren, das „DSK“ versuchte Vergewaltigung vorwarf. Ein zivilrechtliches Verfahren läuft aber noch. Im Zuge der Affäre musste Strauss-Kahn als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurücktreten.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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