Illegales Feuerwerk
Die Probleme mit polnischer Pyrotechnik

Silvester kündigt sich für deutsche Zollbeamte im Osten schon im Herbst an – wenn der Schmuggel mit illegalen Feuerwerkskörpern beginnt. Der Schwarzhandel blüht, dabei können die berüchtigen „Polen-Böller“ lebensgefährlich sein. Von den Problemen polnischer Pyrotechnik.
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HB WARSCHAU/ FRANKFURT AN DER ODER. Silvester in Polen ist vor allem eines: ein fröhliches Spektakel. Krakaus Altstadtmarkt etwa verwandelt sich in „Europas größte Tanzfläche“. Auch in Warschau, Breslau und Danzig locken Freiluftveranstaltungen zehntausende Partygäste an. Nicht wegzudenken ist dabei das traditionelle Gala-Feuerwerk zum Jahreswechsel - auch wenn Böller und Raketen in Polen keineswegs eine Silvester-Besonderheit sind. Ob zu Omas Geburtstag oder zur Hochzeitsfeier: Das Abbrennen von Pyrotechnik ist in Polen das ganze Jahr über erlaubt.

Genau hier beginnt für Andreas Behnisch das Problem. Der Sprecher des Hauptzollamtes in Frankfurt an der Oder berichtet in einer Mischung aus Stolz und Frustration vom monatelangen Kampf seiner Beamten gegen die illegale Einfuhr polnischer Böller nach Deutschland. „Schon im Oktober“, erzählt Behnisch, „haben wir einen Schmuggler erwischt, der in seinem Kleinlaster 2300 nicht zugelassene Sprengsätze transportierte.“

Insgesamt hat der deutsche Zoll in diesem Jahr im Grenzgebiet bereits 8000 der berüchtigten „Polen-Böller“ beschlagnahmt. „Das liegt im Trend der vergangenen Jahre“, sagt Behnisch resigniert. Die Silvesterkracher aus dem Osten stehen hierzulande in dem Ruf, unberechenbar und im Extremfall sogar lebensgefährlich zu sein.

Tatsache ist zunächst, dass die meisten der in Polen wie auch in vielen anderen ost- und westeuropäischen Ländern verwendeten Feuerwerkskörper in Deutschland illegal sind. In der Bundesrepublik gelten strenge Vorschriften. Erlaubt ist allein der Einsatz von Pyrotechnik, die das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zugelassen sowie mit einer entsprechenden Kennzeichnung und deutschsprachigen Sicherheitshinweisen versehen hat.

Fakt ist auch, dass viele ausländische Silvesterkracher anders zusammengesetzt sind als die in Deutschland genehmigten Böller und Raketen. Die Sprengwirkung ist deshalb eine andere. „Polnische Pyrotechnik enthält oft Perchlorat-Aluminium“, erläutert Behnisch. „Der Stoff ist um ein Vielfaches explosiver als das Schwarzpulver, das in der Bundesrepublik erlaubt ist.“ Wie dramatisch hoch das Risiko ist, belegen alljährlich zahllose Silvesterunfälle mit nicht zugelassenen Böllern.

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  • Vermutlich decken sich Terroristen ordentlich mit Schwarzpulver zu Sylvester aus Polen ein. besser und freier kommt man in Europa nicht an Sprengstoff.

  • Polen sollte vorzugsweise Fachkräfte nach Deutschland exportieren und die böller anders verwenden. Fachkräfte sind herzlich willkommen, böller lieber in andere Länder exportieren.

  • Da kann man wirklich nur hoffen, daß nichts Schlimmeres passiert! Vielleicht handeln ja doch einige Menschen im Sinne von "brot statt böller". Das ist in jedem Fall sinnvoll und auch sicher.

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